Herausforderungen durch "Trends und Zeichen der Zeit"

"Wenn Abtreibung selbstverständlich wird, werden die Wurzeln des Glaubens zerstört", sagte Bischof DDr. Klaus Küng bei der Jahrestagung des Katholischen Bildungswerks am 14. April im Stift Herzogenburg. Die Tagung, die traditionell am Samstag nach Ostern stattfindet, stand heuer unter dem Titel "Trends und die Zeichen der Zeit". Die Angebote des Katholischen Bildungswerkes seien eine "Chance für alle Menschen, die eine Sehnsucht nach etwas haben, das ihnen Halt gibt", betonte Küng.

Er glaube, daß das Land nach wie vor starke Wurzeln im christlichen Glauben habe, so Küng, es gebe eine "beachtliche Glaubenssubstanz und Glaubenspraxis". Gleichzeitig seien aber auch große Veränderungen im Gange, wodurch diese Wurzeln geschwächt, einige auch abgeschnitten würden: "Mancherorts ist schon eine Versteppung eingetreten." Die Auswirkungen seien besonders bei der Jugend und in den Familien sichtbar.
"Es gibt aber auch positive Entwicklungen, die ich im Land sehe", sagte Küng. Er bemerke durchaus den Wunsch vieler Menschen, ihr Leben christlich zu gestalten. Dieser Trend sei auch "oft mit der Sehnsucht nach Heilung verbunden". Hier ermutigte der Bischof die Mitarbeiter des Katholischen Bildungswerkes, "Türen zu öffnen und Wege zu Gott aufzuzeigen", die Veränderungen in den Menschen herbeiführen könnten, so dass "morsche Bäume wieder grünen". Gerade bei Jugendlichen hänge viel davon ab, ob jemand da sei, der die Initiative ergreift und sie mitzieht, so Küng.

Trends machen nicht vor der Kirchentüre Halt

Aktuelle gesellschaftliche Trends könnten für Christen auch "Zeichen der Zeit" sein, "wenn man in ihnen die Spuren Gottes sucht", erklärte MMag. Dr. Regina Polak, Institutsvorstand des Institutes für Praktische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, in ihrem Referat bei der Jahrestagung des Katholischen Bildungswerks. Es sei jedoch eine sorgfältige Unterscheidung gefragt, da in den modernen Trends sich "göttliche und gottlose Elemente in der Regel vermischt nebeneinander" fänden.

"Trends machen jedenfalls nicht vor der Kirchentüre Halt", unterstrich Dr. Polak. Die Abschottung sei die schlechteste aller Varianten mit modernen gesellschaftlichen Entwicklungen umzugehen. Selbst angesichts fragwürdigster Trends habe die Kirche die Aufgabe, so Polak, sich produktiv einzumischen und eine gottlose Praxis anzuklagen oder ihr durch alternatives Handeln Widerstand zu leisten. Polak ermutigte aber auch dazu "mithilfe spiritueller Sensibilität" zu untersuchen, was in einem aktuellen Trend entdeckt werden könne, das förderungswürdig ist. "Im Idealfall wird die Kirche in der Auseinandersetzung mit den Trends der modernen Welt selbst zur Trendsetterin", schloss Dr. Polak.