Grabesritter unterstützen Christen in Bethlehem

"Bei Bethlehem denkt man an das Friedenslicht zu Weihnachten", sagte Dr. Max Urbanek bei einem Vortrag über die Situation der Christen in Palästina im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten am 27. April 2007, "doch die Situation hat sich seit dem umstrittenen Mauerbau dramatisch verschlechtert." Der "Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem" engagiert sich für Christen und christliche Einrichtungen im Heiligen Land. Die Komturei St. Pölten, deren Schatzmeister Dr. Urbanek ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die etwa 11.500 Christen in Bethlehem durch den Verkauf von Olivenholzschnitzereien zu unterstützen. Um die Auftragslage vor Ort zu sichern, bitten die Grabesritter, bis Juni Bestellungen für Weihnachten 2007 aufzugeben.

"Bis 2001 war die Hilfe an palästinensische Christen eine relativ einfache Sache", erklärte Dr. Urbanek. Nach dem Ausbruch der zweiten Intifada, ausgelöst durch den Gang des damaligen Premiers Scharon auf dem Tempelberg, wurde besonders Bethlehem durch seine Nähe zu Jerusalem isoliert. Die Hälfte des Gebietes ist von der 6 Meter hohen Mauer umgeben, die im ganzen Land bereits über 14 Prozent des palästinensischen Gebietes abgetrennt hat. Die andere Hälfte grenzt an die judäische Wüste. So sei Bethlehem zu einem "Freiluftgefängnis" geworden, berichtete Dr. Urbanek.

Durch die Abriegelung der Palästinensergebiete kam es zu zahlreichen Enteignungen, zur Abtrennung landwirtschaftlicher Gebiete und oft zur völligen Isolation, wie im Fall von Bethlehem. Vor dort wird auch das vorhandene Wasser in das stetig wachsende Jerusalem abgeleitet, so dass die vormals "berühmt fruchtbaren Böden eine Karstwüste geworden sind", so Urbanek. 75 Kontrollpunkte, 150 mobile Checkpoints und 446 Absperrungen sowie zahlreiche Verbote und Schikanen, von denen 40 gegen die Genfer Konvention verstoßen, belasten vor allem die soziale und die psychische Situation der Palästinenser.
Die Christen leiden in den betroffenen Gebieten zusätzlich unter dem wachsenden Druck extremistischer Muslime. In der Enklave Bethlehem leben 1.300 römisch-katholische Familien mit etwa 5.700 Personen, rund 4.000 orthodoxe und 2.000 syrisch-katholische Christen.

Schnitzereien aus Olivenholz bis Ende Juni bestellen

Aufträge für Schnitzereien aus Olivenholz helfen den Christen in Bethlehem nicht nur eine alte Tradition fortzuführen und wenigstens ein geringes Einkommen zu sichern, sondern auch "die Würde der Person zu bewahren", betonte Urbanek. Bis Ende Juni können Pfarren , Schulen, Vereine und auch Privatpersonen über 70 verschiedene Produkte, von Krippenfiguren über Kreuze bis zu Rosenkränzen, auf der dafür eingerichteten Internetseite www.urbanek-rae.at/bethlehem2007 oder unter der Telefonnummer 01/879 8575 bestellen.
Weitere Vorträge hält Dr. Max Urbanek am 9. Mai um 19.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Paul in Krems und am 15. Mai um 19.30 im Pfarrheim von Zwettl-Stadt.

Die Grabesritter helfen den Christen im Heiligen Land durch sichtbare Solidarität in Form von Pilgerreisen (Urbanek: "Pilgerreisen sind sicher, es gab noch nie Anschläge."), durch die Pflege persönlicher Kontakte, Betreuung von Priestern, medizinische Nothilfe, längerfristige Unterstützung von Familien, Studenten und christlichen Schulen.
Der "Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem" ist eine päpstliche Einrichtung zur Unterstützung von Christen und christlichen Stätten und Einrichtungen im Heiligen Land. Seit dem 14. Jahrhundert besteht der Brauch, Pilger zum Hl. Grab zu "Rittern" zu schlagen. Heute besteht der Orden der Grabesritter sowohl aus Laien wie auch aus Geistlichen und zählt 22.000 Mitglieder, Männer und Frauen, in weltweit 22 Ländern.