Nikolaus
 
 

Gottesdienste sind keine Freizeitgestaltung

„Ein Gottesdienst ist kein zusätzliches Angebot auf der Palette der Freizeitgestaltung“, sagte die Schweizer Liturgiewissenschafterin Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz als Referentin Referentin eines Studientages für Kinder-, Jugend- und Familiengottesdienste des Referates für Familienpastoral der Diözese St. Pölten. Bei Kinder- und Jugendgottesdiensten dürfe nicht der Fehler gemacht werden, diese als „Happenings“ zu gestalten: „Es geht um das Erlebnis, von der Beziehung zwischen Gott und Mensch berührt zu werden.“
Die Qualität eines Kinder- oder Jugendgottesdienstes könne nicht an seinem „Unterhaltungswert“ festgemacht werden, betonte Prof. Jeggle-Merz. Vielmehr müssten die Verantwortlichen nachgehen, was Kinder und Jugendliche beschäftigt, welche Fragen und Bedürfnisse diese haben. Die jungen Menschen sollten nicht unterhalten, sondern zur aktiven Teilnahme am Gottesdienst eingeladen werden. „Nur wenn sie Zeugen sind, werden aus Gottesdienstbesuchern Mitfeiernde“, so die Liturgiewissenschafterin.

Jeggle-Merz wandte sich gegen eine Engführung des Gottesdienst-Begriffs: Gottesdienst sei nicht nur die Eucharistiefeier, sondern ebenso Wort-Gotttes-Feiern, Andachten oder gemeinsame Rosenkranzgebete. Die „Keimzelle“ jedes Gottesdienstes sei die Begegnung zwischen Gott und Mensch. Wenn diese Begegnung verwirklicht und erfahrbar wird, „dann geschieht Transformation, und der Gottesdienst ist fruchtbar“, erklärte Jeggle-Merz. Diese „Fruchtbarkeit“ hat die Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils hervorgehoben. Wenn die Gläubigen keinen „geistlichen Gewinn“ aus dem Gottesdienst erfahren, sei „das Wesen der Liturgie verfehlt“, so Jeggle-Merz.

Nach einer Überbetonung der Texturen in den 70er-Jahren stehe heute wieder mehr die „sinnliche Erfahrung“ im Vordergrund: „Nichts kommt in den Verstand, was vorher nicht in den Sinnen gewesen wäre“, zitierte die Theologin den hl. Augustinus. Raum, Zeit und Musik seien die wichtigsten Elemente der Erfahrung. Wurden in der Gotik durch große und bunte Glasfenster völlig neue Licht- und Raumeffekte erzielt, so finde dieses Bemühen heute in Lichtinstallationen mit Laserbeamern seinen Ausdruck. Lichteffekte seien zu jeder Zeit wichtige „Transzendenzchiffren“ gewesen. „Liturgie versteht sich als Kunstwerk des Geistes“, erklärte Jeggle-Merz, „äußeres Geschehen und innerer Gehalt sind nicht zu trennen.“

Jugendgottesdienste dürften auch nicht als „pädagogische Veranstaltung“ inszeniert werden, unterstrich die Liturgiewissenschafterin. Es gehe nicht darum, sich in die „richtige“ Liturgie einzuüben, sondern die Beziehung zwischen Gott und Mensch „voll und ganz“ zu erfahren. Bei Kinder- und Familiengottesdiensten solle hingegen darauf geachtet werden, dass es „Momente des Wiedererkennens“ gebe, empfahl Prof. Jeggle-Merz. Wiederkehrende Elemente könnten den Kindern „Heimat“ werden und ihnen helfen, sich zu orientieren. Hier gelte der „Mut zur Einfachheit“: „Das ist nicht langweilig, sondern hilft vertraut zu werden.“

Die 116 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studientages arbeiteten in insgesamt 16 Workshop-Gruppen konkrete Modelle zur Umsetzung der Impulse aus.