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Globalisierung: Alle müssen profitieren können

"Die Kernfrage der Globalisierung ist die Verteilung", sagte Mag. Dr. Hans Jörg Schelling, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreichs, bei einem Vortrag vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) in St. Pölten. "Alle Wirtschaftsblöcke und auch Länder, die keinem Block angehören, müssen davon profitieren können." Die westlichen Länder stellen 16% der Weltbevölkerung, haben aber einen Anteil von 76% am Welt-Bruttoinlandsprodukt. "Wir können daher nicht erwarten, dass nur wir die Gewinner der Globalisierung sind", betonte Schelling. Alle Wirtschaftblöcke müssten gleichwertig behandelt werden, so Schelling, um vor allem in den ärmsten Ländern Wohlstand zu ermöglichen, von dem in der Folge auch die europäische Wirtschaft profitieren werde.

Dr. Schelling ortete in Europa "eine Art Postmaterialismus". Auf der Grundlage des erworbenen Wohlstandes würden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen ignoriert nach dem Motto: "Wir haben ohnehin schon alles - schauen wir, dass es die anderen nicht auch bekommen." Als Beispiel nannte Schelling die Expansion österreichischer Bankinstitute in Osteuropa. Wenn jedoch eine ukrainische Bank ein burgenländisches Institut kaufen wolle, sei Österreich dagegen. "Das geht nicht", betonte Schelling. "Bei der Globalisierung geht es um Ausgleich, der muss geschehen können." Die Auslandsinvestitionen österreichischer Untenehmen seien ohnehin "wesentlich höher" als die Investitionen ausländischer Unternehmen im Inland.

Soziale und ökologische Verantwortung

Um eine gerechte Verteilung des Wachstums und des Wohlstandes zu gewährleisten, sei es notwendig "neue Regelwerke" zu entwerfen, die sowohl die soziale wie auch die ökologische Verantwortung förderten, erklärte Schelling. Der Unternehmer forderte ein "klares Bekenntnis zur sozialen Verantwortung der Unternehmen (Social Corporate Responsibility)" und eine Rückbesinnung auf Werte, "die es in Österreich schon immer gegeben hat". Als Beispiele nannte Schelling den Entwurf einer "ökosozialen Marktwirtschaft" vom früheren ÖVP-Vizekanzler Josef Riegler und das österreichische Modell der Sozialpartnerschaft, das "auf eine europäische und weltweite Ebene gestellt" werden müsse.

Zum weiteren Prozess der Globalisierung gab Schelling zu bedenken, dass der Prozess internationaler Verflechtungen weiter laufe. Die Politik sei dabei gefordert klarzustellen, "wo unsere Chancen und Risken liegen". Der EU-Vertrag sei ein gutes Beispiel, so Schelling, "wie ein an sich gutes Projekt durch Mangel an Information scheitert". Die EU müsse jedoch handlungsfähig bleiben, da Europa sonst im Globalisierungsprozess "auf der Strecke bleiben" würde. Zurzeit steuere die Wirtschaftspolitik der EU-Staaten jedoch "auf einen Crash zu", meinte Schelling: "Wir verharren in überholten Systemen." Die Regulierungsprozesse der Politik kämen zu spät und würden dadurch "nicht greifen".

Dabei habe Österreich von der Globalisierung "sehr stark profitiert", wie Dr. Schelling erklärte. Trotz Stagnation der Inlandsnachfrage und der Inlandsinvestitionen sei ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Dieses werde "allein durch den Export" produziert. Dies belege, so Schelling, "dass auch kleine Länder wie Österreich große Möglichkeiten haben." Auch den derzeitigen Beschäfgtigungsrekord in Österreich gebe es "nicht trotz, sondern wegen der Globalisierung".