Nikolaus
 
 

Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht

Der Bezug des Glaubens zur Praxis und der Anspruch der sittlichen Vernunft war der Inhalt der Antrittsvorlesung des St. Pöltner Moraltheologe Prof. Dr. Josef Spindelböck am 10. Dezember in der Aula der Hochschule St. Pölten. Dr. Spindelböck wurde mit 1. Oktober als Nachfolger von Dr. Gerhard Holotik zum Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Pölten ernannt. Spindelböck ist auch als Dozent für Ethik und als Gastprofessor am Theologischen Institut in Gaming tätig. Theologie dürfe nicht nur die Rede über Gott beinhalten, sondern müsse immer auch auf der Rede Gottes an die Menschen gründen, sagte Spindelböck. Dabei gehe es wesentlich um den Glauben, der in der Praxis gelebt werden müsse. Spindelböck verwies dabei auf biblische Befunde wie auch auf kirchliche Dokumente, nach denen Glaube und gelebte Praxis wie selbstverständlich und untrennbar zusammen gehören. Dennoch habe es in der Geschichte oft einseitige Darstellungen gegeben, legte Spindelböck dar. Auf der einen Seite standen Tendenzen des Protestantismus, die nur einseitig den Glauben und die Gnade Gottes betonten. Auf der anderen Seite wurde von der politischen Theologie oft nur das Handeln in den Vordergrund gestellt, sodass das Reich Gottes mit dem Fortschritt gleichgesetzt wurde.
Glaube und Vernunft müssten sich aber, so Spindelböck, gegenseitig durchdringen. Der Moraltheologe verwies auf die Regensburger Rede von Papstes Benedikt. XVI. der diese Verbindung ausdrücklich unterstrichen hatte. Die Vernunft sei als Sinnvernunft zu verstehen, die auch offen auf die Transzendenz Gottes hin sei. Die Theologie habe aufzuzeigen, dass der Glaube nicht eine Abkehr von der Vernunft bedeute, sondern sogar dem höchsten Anspruch von Vernunft gerecht werde.