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Glaube und Vernunft gehören zusammen

Wissen und Glaube seien zwei Elemente ein und desselben Spannungsbogens, die aufeinander bezogen sind. Dies erklärte der Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie an der Kath. Fakultät der Universität Münster, DDr. Klaus Müller am 24. April in der Hochschule St. Pölten zum Thema "Vernunft und Glaube. Das Christentum auf dem Areopag der Philosophie". Das Christentum habe sich von Anfang an als Religion verstanden, die auch von der Erkenntnis getragen sei, wies er in seinen Ausführungen hin. Christen waren bestrebt, nicht nur ein Bekenntnis abzulegen, sondern auch die Gründe für ihren Glauben zu nennen. Es gebe auch Wahrheiten, "denen man auf halben Weg entgegenkommen müsse" um sie zu erkennen, sagte Müller. So etwa das grundsätzliche soziale Vertrauen. Letztlich gründe aber sämtliches Wissen auf Vertrauen und Anerkennung, sagte er. So gesehen seien Wissen und Glaube auch nicht verschieden, sondern ergänzen sich. Auch mit dem Glauben müsse man sich wissenschaftlich befassen, "nicht um über den Glauben hinauszukommen, sondern um des Glaubens selber willen", erklärte Müller.
Die Theologie müsse sich mit den Wissenschaften befassen, weil man auch im Glauben nicht auf weitere Erkenntnisse verzichten dürfe. Dabei sprach sich Müller gegen einen starren Fundamentalismus aus, der sich hinter dogmatischen Festsetzungen der Wahrheit und ohne die Vernunft einzusetzen "seine Unsicherheit zu verstecken sucht".

Die Theologie selbst fragt nach den Grenzen und sei so bereits in enger Nachbarschaft zur Philosophie, führte Müller aus. Theologie gehöre so gesehen zur Philosophie und diese erhalte von der Theologie her auch entscheidende Anstöße. So sei sie nicht nur für den Glaubenden von Bedeutung, sondern ein Dienst am Leben.
Der Dienst der Theologie an der Gesellschaft habe auch eine politisch-praktische Seite. In der Zeit der Globalisierung, in der viele Menschen entwurzelt werden und die Erkenntnis reife, dass einfach dahinzuleben zu wenig sei, sei nicht der geringe Glaube zum Problem geworden, sondern die Tatsache, dass die Menschen alles Mögliche für möglich halten und ins Abstruse absinken. In dieser Situation bringe der Glaube wieder "die Messlatte der Vernunft" ins Spiel. Denn die Theologie als vernunftgeleitete Glaubenswissenschaft habe mit "Religionspflege" zu tun, sagte Müller. Wer sie abzuschaffen gedenke, dürfe sich nicht wundern, wenn auch bei uns wieder religiöser Terrorismus zunehme.