"Gewaltige Chancen" für christliche Erziehung

"Ich bin überzeugt, dass christliche Perspektiven in der Erziehung gewaltige Chancen haben", betonte Weihbischof Dr. Anton Leichtfried beim "Tag der katholischen Privatschulen" an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Campus Krems. "Das Spezifikum einer katholischen Schule ist nicht die Quantität, sondern das Wie ist das Entscheidende."

Die Bildungseinrichtungen würden immer mehr dazu gedrängt "brauchbares Material für die Wirtschaft zu liefern", erklärte Leichtfried. "Wir sorgen dafür, dass die Gesellschaft reibungslos funktioniert - doch ist das unsere Aufgabe?", fragte der Weihbischof vor 460 teilnehmenden Pädagogen und kritisierte, dass es heute nicht mehr um Bildung, sondern um Wissen gehe, "um den Menschen für die Arbeitswelt flexibel und für die Unterhaltungsindustrie disponibel zu machen".

"Die christliche Sicht hat Chancen, hier anders mit den Herausforderungen umzugehen", betonte Leichtfried und zeigte die Perspektive christlicher Lehrer auf: "Wir sind Mitarbeiter Gottes, wir arbeiten an etwas Größerem mit." Leichtfried zitierte in diesem Zusammenhang die hl. Edith Stein (Sr. Teresia Benedicta), die in ihrer Zeit als Lehrerin schrieb: "Ich bemühe mich jeden Tag hineinzubauen in die Ewigkeit Gottes." So seien auch die Lehrer an katholischen Schulen aufgerufen, "nicht ein Stück Stein zu behauen, sondern an einer Kathedrale mitzubauen".

Das Wichtigste bei katholischen Lehrern sei neben dem Fachwissen ihre Persönlichkeit, unterstrich Weihbischof Leichtfried und zitierte einen alten Lehrerspruch: "Erziehung ist sinnlos - im Letzten machen sie uns doch alles nach." Mehr als Inhalte, mache die Person aus, so Leichtfried, da Lehrer immer - wenn auch den Schülern oft nicht bewusst - Vorbildfunktion hätten. Daher sei es für Lehrer sinnvoll, in Persönlichkeitsbildung und spirituelle Entwicklung zu investieren. "Die Lehrpläne und die Inhalte ändern sich laufend, aber ihre Persönlichkeit nehmen sie überallhin mit, in jede Klasse, in jedes Jahr", betonte Leichtfried.

In Bildungsfragen "zentral positionieren"

Auf die neue Situation des Bildungsmarktes ging die Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien, DDr. Ulrike Greiner, ein. Besonders der tertiäre Bildungssektor (Universitäten und Hochschulen) hätten sich in letzter Zeit stark verändert und seien in einem Prozess der Differenzierung begriffen. Grade auf dem neuen freien Markt der Bildungsangebote, sei es "für die christlichen Kirchen wesentlich und wichtig, sich in Bildungsfragen zentral zu positionieren", betonte Rektorin Greiner. Lehren und Lernen sei zu einem "neuen politischen Ort in Europa" geworden, ein "zentraler Ort von Zukunftsgestaltung, so Greiner: "Es ist wichtig dabei zu sein, als Christen die Zeichen der Zeit zu erkennen und aus christlicher Position Antworten zu geben."

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule in Wien und Krems sei "lebendig, leidenschaftlich und grenzüberschreitend", erklärte Greiner. Grenzüberschreitend nicht nur durch die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg (Wien und Niederösterreich), sondern vor allem durch die ökumenische Ausrichtung der Hochschule. Durch die Vereinigung von katholischen, evangelischen und altkatholischen Instituten sowie Instituten der altorientalischen Kirchen sei vermehrt interkonfessionelles und interkulturelles Lernen möglich, so Greiner: "Hochschulisches Lernen in Verschiedenheit mit gemeinsamen Standards" sei ein Erfolg versprechendes Zukunftsmodell.

Größte Ausbildungsstätte für Pflichtschullehrer

In der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule mit Standorten in Wien (Strebersdorf, Gersthof) und Krems (Campus Mitterau) wurden vor 19 Monaten acht Institute aus zwei Bundesländern zusammengeführt. So ist die größte pädagogische Hochschule Österreichs entstanden, wie Vizerektor Dr. Thomas Müller ausführte. Seit 6 Monaten gibt es auch in Krems eine hochschulische Ausbildung für Pflichtschullehrer. Der Campus Krems-Mitterau hat damit die Nachfolge der Pädagogischen Akademie der Diözese St. Pölten in Krems angetreten.
40 Jahre lang hatte sich die "PädAk" in Krems selbständig entwickelt, einige Jahre weniger das Religionspädagogische Institut in St. Pölten. "Nun sind beide ein Teil der größten pädagogischen Hochschule Österreichs", erklärte Vizerektor Müller. "Unser Campus in Krems-Mitterau ist damit die zentrale Ausbildungsstätte für Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer im Herzen Niederösterreichs und gleichzeitig Fort- und Weiterbildungsort für Pädagoginnen und Pädagogen aller Schultypen."