"Geschichtsträchtige Vergangenheit und hoffnungsvolle Zukunft"

Die Kirche St. Blasius in Klein-Wien am Fuße des Göttweiger Berges erstrahlt nach der Renovierung in neuem Glanz. In Anwesenheit zahlreicher Prominenz aus Kirche, Kultur und Politik wurde sie am Sonntag, dem 10. April geweiht und wieder eröffnet. "Ein Beweis der Lebendigkeit"


Trotz kalten Frühlingwetters zeigte die große Beteiligung der Bevölkerung ihre Anteilnahme an der Blasiuskirche von Kleinwien. Für viele Gläubige musste ein eigenes Zelt auf dem Vorplatz aufgestellt werden, wohin die Feier über Monitore übertragen wurde. Nach der Bitte des Pfarrgemeinderatsobmann Otto Franz segnete Abt Clemens Lashofer das neu renovierte Gotteshaus. Der Abt bedankte sich für das große Engagement bei der gesamten Pfarrgemeinde und vor allem bei P. Udo Fischer, dem "Initiator und Motor der Seelsorge". Diese Kirchenrenovierung sei "ein neuer unvergesslicher Beweis der Lebendigkeit dieser Pfarre", die diese auch in den Jahren zuvor bewahrt und gezeigt habe. Der Abt bat die Anwesenden, auch in Zukunft ihr Engagement und ihre Solidarität als lebendige Kirche zu zeigen.
Zwei der Fürbitten wurden durch Vertreter der Pfarre Trebic in tschechischer Sprache vorgetragen, die mit Paudorf seit 15 Jahren gute Beziehungen pflegt. Wurde doch das Benediktinerkloster von Trebic einst von zwei Brüdern gegründet, von denen einer, Litold, mit Ida verheiratet war, einer Schwester von Leopold III. und Gerbirg, die im einstigen Frauenkloster von Kleinwien lebte.


Kulturgeschichtlich bedeutende Entdeckungen


In seien Großworten erinnerte der Obmann des Pfarrkirchenrates, Erich Neusser an das Engagement der gesamten Pfarrbevölkerung bei der Renovierung der Kirche. 70 freiwillige Helfer haben in über 3.000 unentgeltlichen Arbeitsstunden wesentlich zum Gelingen beigetragen. Drei Viertel der Renovierungskosten von insgesamt 200.000 Euro muss die Pfarre selbst tragen, die durch Weihnachts- und Osterbasare aufgebracht werden sollen. An der Renovierung haben alle acht Dörfer der Pfarre mitgearbeitet, sagte Neusser.
Die Bürgermeisterin von Furth/Göttweig, Mag. Martha Löffler, betonte, dass es der Verdienst einer "lebendigen und aktiven Gemeinde" sei, die aus dieser Kirche das gemacht habe, was sie heute darstelle. Bürgermeister Karl Brugger aus Paudorf hob die Verantwortung der Gemeinde und der Bevölkerung für dieses kulturelle Erbe hervor. Die Kirche erstrahle nicht nur in neuem Glanz, sondern habe durch die Funde und kulturell wertvollen Entdeckungen auch einen Einblick in die vergangenen Jahrhunderte gewährt.
Der Wiener Bürgermeister Häupl bezeichnete seinen Besuch in Kleinwien als Zeichen der Verbundenheit zwischen Wien und Niederösterreich. "Miteinander leben und miteinander feiern ist auch der bessere Weg in die Zukunft", unterstrich er. Er selbst habe sieben Jahre seiner Jugendzeit in dieser Gegend verbracht, als er in Krems zur Schule ging und in Mautern den Präsenzdienst leistete.


Geschichtsträchtige Vergangenheit und hoffnungsvolle Zukunft


Hier sei "ein Ort, wo eine geschichtsträchtige Vergangenheit einer hoffnungsvollen Zukunft die Hand reicht", sagte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll in seiner Festrede. Mit dieser Kirche sei "ein christliches Erbe zu verwalten, zu hegen und zu pflegen", unterstrich er. Er hoffe, so Pröll, dass diese Kirche den Menschen auch in Zukunft wie ein "Handlauf" bei der Orientierung im Leben diene. Die Kirchen sollen weiterhin jene Kraftquelle bleiben, die sie durch Jahrhunderte hindurch waren. Er wünsche, dass sie in der heutigen Zeit der Eventgesellschaft eine "Nische der Stille" sein und bleiben können, in die sich die Menschen zurückziehen können. Mit dem Hinweis auf das Engagement der Pfarre Paudorf bei der Renovierung sagte er, dass gerade dort, wo kleine, überschaubare Einheiten lebendig bleiben, die Zukunft der Welt gestaltet werde. Diese "Lebendigkeit und Kraft nach vorne" soll sich die Kirche auch in Zukunft erhalten, betonte Pröll.


Romanische Grundmauern und gotische Fresken


Selbst die Experten staunten, als sie vor über einem Jahr bei der Innenrestaurierung der gotischen Kirche in nur 15 Zentimeter Tiefe auf die Fundamente der ehemaligen romanischen Blasius-Kirche stießen. Diese Kirche dürfte noch unter Bischof Altmann um 1090 oder kurz danach errichtet worden sein. Jedenfalls wurde sie um 1135 bereits genannt. Die einstigen Grundmauern sind innerhalb der heutigen Kirche durch rote Bodenplatten angedeutet und im Chorraum durch Glasplatten im Boden zu sehen.
Die heute bestehende Kirche wurde später im gotischen Stil errichtet und um 1435 mit einem acht mal zwei Meter großen Fresko "Jesus und die zwölf Apostel" geschmückt. Dieses Fresco wurde ebenfalls im Rahmen der jüngsten Restaurierung freigelegt und war für die Restauratoren des Bundesdenkmalamtes eine ebenso sensationelle Entdeckung wie zuvor die romanische "Urkirche". Die Inneneinrichtung der Kirche wurde zum Teil barockisiert. So stammt der Altar aus dem Jahr 1610 und das Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert stammt aus dem Stift Göttweig.


Nur kurze Zeit eine eigene Pfarre


Die Kirche St. Blasius lag auf dem alten Pilgerweg der Südmährer nach Mariazell und erlebte zur Blütezeit der Wallfahrten auch einen ihrer Höhepunkte. Lediglich elf Jahre lang, von 1784 bis 1795, war diese Kirche auch Pfarrkirche. Heute dient sie vornehmlich als Friedhofskirche, soll künftig aber intensiver genutzt werden. Bereits zwei Tage nach der Wiedereröffnung treffen sich Gläubige der Pfarre, um darüber zu beraten.
Eine Idee ist, an jedem 13. Tag des Monats einen Kardinal-König-Gottesdienst zu halten. Denn der am 13. März 2004 verstorbene Kardinal verbrachte im Jahr 1945 als Domkurat von St. Pölten seinen ersten Urlaub nach dem Krieg in Kleinwien und hat auch später als Religionsprofessor in Krems mehrmals dem Göttweiger Pfarrer in Kleinwien ausgeholfen.


150.000 Euro muss Pfarre aufbringen


Die Kosten der Renovierung von etwa 200.000 Euro werden zu einem Viertel vom Bundesdenkmalamt, dem Land Niederösterreich, dem Stift Göttweig und den Gemeinden Furth und Paudorf getragen. Der Großteil der Kosten verbleibt der Pfarre, die nun mit einer "Bauweinaktion (statt Bausteinaktion) für St. Blasien" um Spenden wirbt.