Gedenken an die Todesmärsche auch in St. Pölten

Etwa 30 Gedenkveranstaltungen folgen dem Weg, auf dem vor 60 Jahren ungarischen Juden knapp vor Ende des Krieges in Todesmärschen durch Österreich getrieben wurden. Ein solches Gedenken fand am 12. Mai am Riemerplatz in St. Pölten statt. Unter den Anwesenden waren Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, der Künstler und Initiator Mag. Christian Gmeiner, die Landtagsabgeordneten Dr. Madeleine Petrovic, Prof. Dr. Siegfried Nasko und Dr. Martin Michalitsch sowie Bischof DDr. Klaus Küng und Superintendent Mag. Paul Weiland.


Diese Todesmärsche am Ende der Kriegstage seien bis heute nicht aufgearbeitet, stellte Bürgermeister Stadler fest. Es sei erschütternd, was da direkt vor der eigenen Haustür geschehen sei und bis heute nicht ins tiefere Bewusstsein der Bevölkerung gedrungen sei.


Das was damals geschehen sei, ist und bleibe unfassbar, äußerte sich Diözesanbischof Dr. Klaus Küng. Man müsse unserer Zeit bewusst machen, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe. Dieses Erinnern sei eine Mahnung und es sei ebenso wichtig, auch für das um Vergebung zu bitten, was von Christen verübt oder aus Schwachheit nicht verhindert wurde. Es sei zu bedauern, wenn Menschen aus der gleichen Glaubensgemeinschaft persönlich versagt haben, sagte der Bischof. Aber man müsse auch sehen, dass andere Christen unter Todesgefahr geholfen haben.
Die Betrachtung der Vergangenheit gebiete, so gut wir können, den Frieden zu suchen, zu fördern und zu lieben. Letztlich können wir aber nur von Gott erbeten, dass er die Menschen erleuchte, dass diese Zeit nie wieder komme.


Auch Superintendent Mag. Paul Weiland meinte, dass das Vergessen dieser Ereignisse nicht weiterhelfe. Erinnern und Gedenken seien wichtig, um gegen das Vergessen aufzutreten und um einen neuen Weg in die Zukunft zu ermöglichen - den der Vergebung.


Die grüne Abgeordnete Madeleine Petrovic betonte, dass die Aufarbeitung dieser Geschichte weitergehen müsse, um jene Voraussetzungen zu schaffen, dass so etwas nie wieder passieren könne ann. ÖVP-Abgeordneter Martin Michalitsch meinte, dass die vielen Veranstaltungen des Gedenkjahres auch die Herzen der Menschen für das Erinnern geöffnet haben. Es sei wichtig, die ganze Geschichte mit all ihren Facetten den Menschen erfahrbar und spürbar zu machen. Der SPÖ-Abgeordneter Siegfried Nasko meinte: "Wenn wir von hier weggehen, müssen wir verändert weggehen, denn wegschauen gilt nicht". Bei Kriegsende befanden sich etwa 40.000 ungarische Juden im Gebiet des heutigen Österreich. Sie waren in verschiedenen Arbeitslagern untergebracht oder wurde quer durch das Gebiet in die Konzentrationslager, seien es Mauthausen oder Ebensee transportiert. Viele dieser Menschen überlebten wegen der schlechten Versorgung oder infolge von Gräueltaten und Seuchen diese Transporte nicht. Ihre Spuren sind heute kaum mehr zu sehen: aufgelassene Lagerbaracken, Gräber und einzelne Erinnerungen von Zeitzeugen, die diese Situation bis heute nicht vergessen konnten.