Friede kein unerreichbares Ideal

"Friede ist kein unerreichbares Ideal", weist Papst Johannes Paul II. zum Weltfriedenstag am 1. Jänner 2004 hin. Der Friede sei stets aktuelle Aufgabe. Der Papst warnt angesichts von Kriegen und Gewalt in der Welt vor Fatalismus und Untätigkeit. Er ruft die Verantwortlichen auf, die völkerrechtliche Legalität zu stärken und stellt den Terrorismus als "unakzeptabel" hin. Am 1. Januar 2004 wird nach Wunsch des Papstes zum 37. Mal in der gesamten Weltkirche der jährliche Welttag des Friedens begangen. Dieses Datum wurde gewählt, weil der Papst zum ersten Tag des neuen Jahres seine Botschaft zum Welttag des Friedens übermittelt, um die Dringlichkeit des Friedens zu unterstreichen.
Das Thema des Weltfriedenstages 2004, "Das Völkerrecht: ein Weg zum Frieden", will vor allem die Bedeutung des Völkerrechts unterstreichen, welches die internationalen Beziehungen regelt. Der jüngste Irak-Krieg hat die ganze Zerbrechlichkeit des Völkerrechts gezeigt, besonders auch, was die Funktion der Vereinten Nationen betrifft.

Völkerrecht - Recht des Friedens
Das Thema selbst kommt aus einer tiefen Überzeugung Papst Johannes Paul II.: "Das Völkerrecht war lange Zeit ein Recht des Krieges und des Friedens. Ich glaube, dass es mehr und mehr dazu berufen ist, ausschließlich zu einem Recht des Friedens zu werden, wobei der Friede im Dienste der Gerechtigkeit und Solidarität verstanden werden soll" (Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps am 13.01.1997, Nr. 4).
Die Grundprinzipien dieser Überzeugung sind dieselben, auf denen der Einsatz der Kirche für den Frieden beruht: die Gleichheit in Würde aller Menschen und aller menschlichen Gemeinschaften, die Einheit der Menschheitsfamilie, das Primat des Rechtes vor der Gewalt.

Friede ist möglich
Und so unterstreicht der Papst in seiner Botschaft, dass der Friede möglich und auch verwirklichbar sei. Alle, die den Frieden lieben, haben auch die Pflicht, die junge Generation zum Frieden zu erziehen. Die einzelnen Menschen sowie die Völker müssen angeleitet werden, die internationale Ordnung zu achten, betont er und weist darauf hin, dass Friede und Völkerrecht eng miteinander verbunden seien. Die UNO-Charta bestätigt zwar ein natürliches Recht auf legitime Verteidigung, die aber nur nach den vorgesehenen Bedingungen und im Bereich der UNO ausgeübt werden dürfe.
Die Menschheit brauche heute einen höheren Grad internationaler Ordnung, meint der Papst. Dazu müsse auch die UNO immer mehr zu einem moralischen Zentrum werden. Der Kampf gegen den Terrorismus dürfe sich nicht in Unterdrückungs- und Strafaktionen erschöpfen, sondern erfordere vielmehr eine mutige und nüchterne Analyse der Beweggründe, die den Terror-Anschlägen zugrunde liegen. Der Zweck könne niemals die Mittel heiligen.

Friede - ein Werk der Gerechtigkeit
Die Menschheit steht vor einer schwierigen Herausforderung: Wenn es ihr nicht gelingt, wirklich wirksame Institutionen zu gründen, um das Unheil des Krieges zu bannen, besteht das Risiko, dass das Recht des Stärkeren dem Recht vorgezogen wird. Wie das Zweite Vatikanische Konzil hervorgehoben hat, besteht der Friede "nicht darin, dass kein Krieg ist; er lässt sich auch nicht bloß durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern; er entspringt ferner nicht dem Machtgebot eines Starken; er heißt vielmehr mit Recht und eigentlich ein "Werk der Gerechtigkeit" (Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 78).
Auf Weltebene ist das Völkerrecht berufen, ein Instrument der Gerechtigkeit zu sein und Früchte des Friedens hervorzubringen. Das Recht hat daher die Aufgabe, die internationale Wirklichkeit - die heute nicht mehr allein von staatlichen Subjekten bestimmt wird - friedlich zu regeln, um Konflikte zu vermeiden.

Die Welt hat mehr denn je nötig, in einem erneuerten und authentischen Geist der internationalen Legitimität zu leben: Der Weltfriedenstag will in diesem Sinne dazu einen Beitrag der Kirche leisten.