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Frauenwohnheim der Emmaus-Gemeinschaft eröffnet

In Anwesenheit von Vertretern aus Politik, Kirchen und Förderstellen wurde das generalsanierte Frauenwohnheim der Emmausgemeinschaft St. Pölten in der Stephan Buger-Gasse 13 feierlich eröffnet. Das Haus wurde nicht nur um sechs Wohnplätze, sondern auch um vier Notschlaf-Betten samt Waschgelegenheit und ein Tageszentrum mit Mittagstisch und sozialer Betreuung erweitert.

Es sei "eigenartig, dass wir in all dem Wohlstand so viel Not haben", sagte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng, der gemeinsam mit dem evangelischen Superintendenten Mag. Paul Weiland das Frauenwohnheim segnete. Der Wohlstand sei zwar noch nie so groß gewesen, meinte Küng, doch falle es immer mehr Menschen schwer, sich in der Konsumgesellschaft zurechtzufinden. Deswegen brauche es "Orte, wo man Verständnis, Geduld und Zuwendung" finde: "Physische Sicherheit, Mauern, die beschützen, aber auch Zuwendung, damit eine innere Festigkeit entsteht."
Die Ursache der meisten gesellschaftlichen Probleme ortete Superintendent Weiland im "Mangel an Verantwortung gegenüber dem Leben". Da das ganze Leben "von unserem Verhältnis zu Gott und zu unseren Mitmenschen" bestimmt werde, brauche es "Leuchttürme der Orientierung", betonte Weiland. Das Emmaus-Frauenwohnheim sei solch ein "Zeichen für Respekt vor den Menschen und Ehrfurcht gegenüber dem Leben".

Als "Platz für Frauen, deren Leben aus den Fugen geraten ist" bezeichnete Landesrätin Johanna Mikl-Leitner das neu eröffnete Wohnheim. Die Emmausgemeinschaft sei für das Land Niederösterreich eine "wichtige Verbündete", wenn es darum gehe, Frauen zu helfen, wieder "ein selbstbestimmtes Leben zu führen". Im Frauenwohnheim werde nicht nur "mit viel Kompetenz und Erfahrung" gearbeitet, so Mikl-Leitner, sondern auch mit Sensibilität: "Man fühlt, das Herz ist dabei."
Landesrätin Gabriele Heinisch-Hosek zeigte sich betroffen, dass gerade Frauen zwischen 18 und 40 Jahren am meisten von Wohnungslosigkeit betroffen sind: "Frauen, die mitten im Berufsleben stehen könnten", so Heinisch-Hosek. Obwohl die Gesetze schützen sollten, geschehe es "doch immer wieder, dass Frauen Opfer von Gewalt werden". Frauen seien zwar "nicht die besseren Menschen", meinte die Landesrätin, doch litten sie weitaus häufiger unter Gewalt.

"Wir sind nun angekommen und freuen uns über das neue Haus", erklärte Frauenwohnheim-Leiterin Christa Hausmann. "In unserem Tageszentrum haben die Frauen die Möglichkeit, ein warmes Essen zu bekommen, ein Jausenpäckchen für zuhause mit zu nehmen, ihre Wäsche zu waschen, zu duschen und auch Sozialberatung in Anspruch zu nehmen." Verzeichneten die Emmaus-Frauen im Februar 2008 34 Tageszentrumsleistungen, so waren es im Mai bereits 157.

Seit der Schaffung eines Zufluchtortes für obdachlose Frauen durch die Emmausgemeinschaft St. Pölten im Jänner 2004 gab es 713 Anfragen. 220 Frauen konnten bis heute aufgenommen werden. Ursprünglich als "Frauen-Wohngruppe" mit sechs Plätzen im Jahr 2004 gegründet, wurde die Einrichtung noch vor Ablauf des ersten Bestandsjahres in ein eigens angekauftes und vorerst notdürftig adaptiertes Haus übersiedelt. Doch auch mit einer Aufnahmekapazität von 15 Wohnplätzen stieß man schnell an die Grenzen. Zudem zeigte sich, dass eine räumliche Trennung der "Tagesgäste" von den Frauen im Wohnheim erforderlich war. Mit der baulichen Erweiterung wurden deshalb nicht nur die Voraussetzungen für die beim Land Niederösterreich beantragte Wohnheimerweiterung um sechs auf 21 Plätze geschaffen, sondern auch genügend Raum für das Tageszentrum und vier Notschlafbetten.

 

Foto: LR Gabriele Heinisch-Hosek, LR Johanna Mikl-Leitner, Bischof DDr. Klaus Küng