Frauen begehren Verantwortung - Christinnen wollen mitgestalten

"Frauen begehren, sich selbst und die Welt zu bewegen". So die Wiener Theologin und Referentin in der Erwachsenenbildung Dr. Veronika Prüller-Jagenteufel vor der Katholischen Fauenbewegung der Diözese St. Pölten bei der diesjährigen Herbstkonferenz im Bildungshaus St. Hippolyt i9n St. Pölten. Im Mittelpunkt der tagung standen Überlegungen, wie Frauen Verantwortung im Leben Europas übernehmen können.

Veronika Prüller warnte davor, dass die Einsatzfreude und Fähigkeit von Frauen von andern auch vereinnahmt werden könne und sie für andere Interessen eingespannt werden. Ein bestehendes System zu unterstützen, bewirke keine Veränderung - schon gar nicht für Frauen, sagte die Theologin. Jede Frau habe Teil an der Verantwortung für die Welt, besonders die Christinnen. Veronika Prüller versuchte, einen neuen Zugang zu dieser oft "so übergroßen Verantwortung", die Frauen zugesprochen werde, zu finden. "Es ist das Begehren, sich selbst und die Welt zu verändern", eröffnete die Referentin ihren Ansatz und entfaltete diese Ideen in fünf Bereichen.

Frauen gehen von einfachen Wünschen aus, die sich auf Sicherheit und die Lebensgrundlagen beziehen. Was für die Ärmeren gut sei, sei für alle gut, sei die Grundlage des ersten Begehrens. Weiters wollen Frauen "in guten und gerechten Beziehungen" leben und diese Bezogenheit in die Gesellschaft mit einbringen. Frauen wollen ihre Solidarität in der Differenz sehen. Gemeinschaft und Beziehung dürften nicht eine Gleichschaltung bedeuten. Menschen müssen auch in ihrer Verschiedenheit leben können, wies die Referentin hin. Die Frauen wollen aber auch mächtig sein, Macht haben, ihre Vorstellungen umzusetzen. Die Geschichte ihrer Bewegung sei stets auch eine Geschichte jener Frauen gewesen, die ihre Scheu vor der Macht abgelegt haben. "Die Möglichkeit, etwas tun und machen zu können, verleiht den Frauen Würde", sagte Prüller.

Als letzten Bereich nannte die Referentin die Kraft der Erotik, die Liebe zu sich selbst, zu anderen und zu Gott. "Ein Leben in Verantwortung darf die Lebenslust nicht wegstecken", unterstrich sie. Verantwortung übernehmen fordert zwar heraus, doch bewirke dies auch Freude. Letztlich werde ein verantwortungsbewusstes Leben nicht durch Leistung erwirkt, sondern sei ein Geschenk. Darauf zu vertrauen, sei ein Akt des Glaubens, unterstrich die Theologin.

Zu den Werten die Frauen für Europa einbringen können, nannten die Arbeitsgruppen Identität, Gastfreundschaft, Toleranz und Versöhnung. Diese seien für ein Zusammenleben der Menschen unbedingt wichtig, unterstrich die Vorsitzende Heli Renner. Diese Werte seien nicht etwas zusätzliches, sondern eine wesentliche Grundhaltung der Christen und Christinnen.