Fastenhirtenwort von Bischof DDr. Klaus Küng (im Wortlaut)

Liebe Gläubige! Am Beginn der Fastenzeit lenkt die Liturgie der Kirche unser Augenmerk auf Jesus, den der Geist in die Wüste trieb, wo er 40 Tage lang blieb und von Satan versucht wurde. Er machte sich für seine große Aufgabe bereit, allen zu verkünden, dass die Zeit erfüllt und das Gottes Reich nahe ist, und allen zuzurufen: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium."

Auch auf uns wartet ein Auftrag. Wir sollten uns vom Geist Jesu führen lassen.

Die gesellschaftliche Situation hat sich in den letzten Jahren stark verändert und befindet sich inmitten einer noch weiter fortschreitenden Veränderung. Auch das allgemeine religiöse Klima erfährt eine tief greifende Wandlung. An vielen Orten nimmt die religiöse Praxis kontinuierlich ab. Vor allem in den jüngeren Generationen finden viele nicht mehr den Weg zur Kirche. Sie scheinen auf Gott zu vergessen. Wie reagieren wir darauf? Darf uns das gleichgültig lassen?

Es ist Zeit, dass wir einen neuen Aufbruch wagen; an erster Stelle persönlich. Die Beschäftigungen des Alltags dürfen uns nicht derart in Anspruch nehmen, dass wir von ihnen zur Gänze absorbiert werden. Wir müssen uns dagegen wehren, oberflächlich zu werden.

Christsein betrifft das ganze Leben, unser Denken, Reden und Tun. Im Umgang mit Gott entsteht die Einsicht, worauf es ankommt, empfangen wir Impulse, die zu christlicher Verhaltensweise drängen. Im Gebet wird uns, wenn wir über unser Leben nachdenken, die Notwendigkeit zur Umkehr bewusst, erwacht die Bereitschaft, uns den Aufgaben so zu stellen, wie wir es vor Gott als richtig erkennen.

Daher ist die Pflege des regelmäßigen Gebetes grundlegend und oft ein wichtiger Anfang für eine positive Veränderung. Es ist daher gut, sich zu fragen: Wie beginne ich mein Tagewerk? Suchen meine Gedanken Gott? Suchen sie Ihn im Verlaufe des Tages oder denke ich nur selten an ihn? Verkehre ich mit ihm im Verlangen nach der Erkenntnis seines Willens bei der Erfüllung meiner Aufgaben, bitte ich bei Entscheidungen, die wichtig sind um den Beistand des Hl. Geistes? Nehme ich bei Gott Zuflucht, wenn Gefahr droht oder die Lösung schwieriger Probleme ansteht? Beschließe ich den Tag mit Gott? Gott ist immer da. "Er ist allen nahe, die zu ihm rufen." Höre ich auf ihn? Beten ist das Atmen der Seele. - Und wer will schon ersticken?
Ein erster Aufbruch könnte also jener sein, der in unserem eigenen Inneren anfängt und viele positive Auswirkungen haben wird, wenn wir konsequent sind.

Ein anderer wichtiger Aufbruch betrifft die Familie. Viele Religionslehrer müssen feststellen, dass die Kinder das Kreuzzeichen oft nicht können und die Grundgebete nicht beherrschen. Wie steht es mit dem Gebet in der Familie? Zum Beispiel dem Morgen- und Abendgebet mit den Kindern, dem Gebet vor und nach den Mahlzeiten, bei einem Besuch in der Kirche, bei bestimmten Gelegenheiten? Bestehen feste christliche Gewohnheiten in der Familie? Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, einiges zu verbessern, Neues anzugehen. Vielleicht könnten auch andere Dinge die Fastenzeit bewusst machen: Der Besuch von Fastenpredigten, die Teilnahme am Kreuzweg, ein kleines gemeinsames Opfer am Freitag usw.

Auch in der Pfarrgemeinde sollte ein neuer Aufbruch vorbereitet werden. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, intensiv um den Hl. Geist zu bitten und zu überlegen, was am dringendsten nötig ist, was vorrangig ist, was hintangestellt werden sollte. Konkrete Schritte müssen folgen: ZB Kontakte mit jenen, die den Weg zur Kirche nicht mehr finden oder sie überhaupt verlassen haben. Es wäre sicher ein schöner und guter Fastenvorsatz, solche Menschen anzusprechen, mit ihnen zu reden und sie einzuladen.

Oder der Aufbau einer Jugendarbeit oder die Einführung intensiver Katechese für alle jene, die beim Erstkommunion- und beim Firmunterricht, als Lektoren, als Kommunionhelfer oder in der Jugend- und Ministrantenarbeit mitwirken? Vielleicht sollte eine intensive Gemeindemission vorbereitet werden, um die christliche Praxis des Einzelnen und der Gemeinde zu erneuern? Wie steht es mit dem Gebet und den Bemühungen für die Entwicklung einer Berufungspastoral, wie mit dem Gebet um geistliche Berufe?

Viele und große Aufgaben warten auf uns, um in der heutigen Zeit als Christen Zeugnis zu geben und den Mitbürgern beizustehen, damit auch sie den Weg zu Christus finden. Betet in diesen Anliegen, überlegt, was ihr tun könnt. Zögert nicht mit der Umsetzung der Einsichten, die euch von Gott gewährt werden.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht allen
Bischof Klaus

An alle Kinder in unserer Diözese!

Im Vorjahr habe ich euch zum Beginn der Fastenzeit einen "Kinder-Fastenhirtenbrief" geschrieben. Als Bischof wünsche ich euch für die österliche Bußzeit (Fastenzeit), dass ihr am Sonntag an Jesus denkt und so zu leben versucht, wie er es uns gezeigt hat: miteinander gut umgehen, miteinander teilen, Gott um Verzeihung bitten und einander verzeihen. Denen, die schon alt genug sind, rate ich: geht vor Ostern zur Beichte.

Euer Bischof Klaus