Fastenhirtenbrief 2007

Liebe Mitchristen! Dieses Jahr haben wir die Fastenzeit mit einem ganz besonderen Ereignis eröffnet: Ein noch junger Priester ist für unsere Diözese Weihbischof geworden. Mit Recht erfüllt uns das mit Hoffnung. Mit vereinten Kräften wollen wir die Zukunft unserer Diözese gestalten.

Am zweiten Fastensonntag - an diesem Tag wird dieser Brief im Gottesdienst verlesen - wird uns die Evangelienstelle verkündet, in der uns berichtet wird, dass Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite nahm und mit Ihnen auf einen Berg stieg, um zu beten. Ich möchte Euch einladen, in diesen Tagen innerlich etwas ähnliches zu tun wie Jesus und seine Apostel: Auf den Berg der Stille mit Gott steigen, um mit Jesus zu reden wie Elija und Moses, die mit ihm "von seinem Ende" sprachen, "das sich in Jerusalem erfüllen sollte". Sie sprachen mit ihm über das Geschehen der Erlösung. Das ist auch unser großes Thema: Wie gelangt das Heil, das Jesus durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bewirkt hat, zu den Menschen heute.

In zwei Wochen findet die PGR-Wahl statt. Ihr werdet aus Euren Reihen Leute auswählen, die dem Pfarrer in den nächsten 5 Jahren mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen, um die seelsorgliche Arbeit so zu gestalten wie es den heutigen Erfordernissen entspricht. Betet, damit Ihr die rechte Wahl trefft, betet für alle jene, die in der Pfarre mitarbeiten, bittet um den Heiligen Geist, damit er Euch erleuchtet, und denkt mit in den großen Anliegen, die sich uns heute stellen: Welche sind sie?

Es geht um die Jugend, die den Weg zu Gott finden soll. Heute steht in der Sorge um die Jugend sehr oft vor allem, manchmal fast ausschließlich, die berufliche Ausbildung im Vordergrund. Sie ist wichtig, grundlegend für den Aufbau des Lebens, aber ohne Christus, der der menschgewordene Gott ist und uns zum Vater führt, wird es finster und leer im Leben der Menschen. Es muss Eure und unser aller Sorge sein, wie die Jugend den Weg zu Gott finden soll. Ein großes Anliegen ist mir in diesem Zusammenhang die Ministrantenarbeit. Sie stellt eine Chance dar, wenn sie gut genützt wird. Von großer Bedeutung sind aber auch die Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Die Erwachsenen müssen den Kindern und Jugendlichen mit gutem Beispiel vorangehen, sie so gut wie möglich begleiten, selbst mittun, indem sie mit ihren Kindern gemeinsam lernen, gemeinsam beten, sich gemeinsam mit ihnen vorbereiten. Dies ist auch eine Chance für die Erwachsenen. Nehmt Euch auch jener Kinder an, die zu Hause keinen Rückhalt haben!

Die Familien brauchen Hilfe. Überlegt in den Pfarrgemeinden, wie Ihr den Familien Anregungen geben könnt, um das gemeinsame Gebet von neuem einzuführen, falls es verloren gegangen ist, und zu verbessern, wo es vorhanden ist. Eine Familie, die betet, bleibt beisammen, hat Mutter Theresa gesagt. Entwickelt Angebote, die den Familien Impulse und Ideen vermitteln, damit sie auch zuhause das Kirchenjahr bewusst und gläubig leben, den Sonntag mitfeiern, die Freizeit in geeigneter Weise nützen und die Medien so verwenden, dass Schaden für Jung und Alt vermieden wird.

Überlegt, wie bei Euch die Kranken betreut werden und wie Ihr die Nachbarschaftshilfe lebt, wie Ihr die schönen christlichen Gewohnheiten in den Familien und in der Gemeinde fördert, die Euch zusammenführen und eine Stütze gelebten Glaubens sind.

Es darf in einer christlichen Gemeinde nicht vorkommen, dass alte Menschen allein gelassen und einsam sind. Vielmehr muss es Bestreben jeder Pfarre sein, immer mehr eine Gemeinschaft zu werden, in deren Mitte Jesus Christus steht. So wird die Pfarre Heimat - geistliche Heimat -, in der sich Menschen zuhause fühlen. In diesem Zuhause müssen auch Behinderte ihren Platz bekommen.

Da in unserer Diözese die Berufungspastoral eines der wichtigsten Anliegen ist, sollte in keinem PGR ein Beauftragter für die Berufungspastoral fehlen, der sich dieses wichtigen Anliegens in besonderer Weise annimmt.

Jeder Mensch ist berufen, jeder hat seine Gnadengaben. Diese zu entdecken und zu fördern ist eine wichtige Aufgabe der Pfarre. Jeder kann und soll seine Gaben, die er empfangen hat, für das Wohl der Pfarre und der Kirche einsetzen. Sei es als Mitarbeiter in der Pfarre, als Mutter und Vater in einer Familie, als Berufener zum kirchlichen Dienst, als Lehrer, als Priester, Ordensfrau oder Diakon. Die zuletzt genannten geistlichen Berufe sind besonders dringend nötig.

In diesem Jahr wird im Sommer eine große Jugendwallfahrt nach Mariazell stattfinden und Anfang September der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell Österreich besuchen. Bereitet diese Ereignisse mit Optimismus und Vertrauen in Gott, aber auch mit Tatkraft vor. Es sollen Impulse sein, die unserer seelsorglichen Arbeit Auftrieb geben.

So wünsche ich Euch eine gesegnete Fastenzeit und schon jetzt ein frohes Osterfest

St. Pölten, Februar 2007