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Familie und Eucharistie - Vortrag bei Priesterstudientagung (Wortlaut)

Im Apostolischen Rundschreiben "Über die Aufgaben der christlichen Familien in der Welt von heute" (FC) heißt es: "Die Heiligung als Auftrag der christlichen Familie hat ihre erste Wurzel in der Taufe und ihren höchsten Ausdruck in der Eucharistie, mit der die christliche Ehe tief verbunden ist" (57). An der gleichen Stelle dieses Dokumentes wird darauf hingewiesen, dass das II. Vatikanische Konzil die besondere Beziehung zwischen Eucharistie und Ehe betont habe und dass es unerlässlich sei, diese Beziehung neu zu entdecken und zu vertiefen, wenn man die Gnade und die Verantwortung von christlicher Ehe und Familie intensiver begreifen und leben wolle. Und ähnlich wie der Papst in seiner letzten Enzyklika schreibt: "Die Kirche lebt von der Eucharistie", steht in Familiaris Consortio der Satz: "Die Eucharistie ist die Quelle der christlichen Ehe" (57).
Erlauben Sie mir zunächst ein paar Vorbemerkungen: Bei diesem Thema besteht wie bei mehreren anderen, die ganz grundlegend sind, die Gefahr, dass uns alles längst bekannt und vertraut ist und wir die große Botschaft, die in ihnen enthalten ist, gar nicht wahrnehmen. Ich denke manchmal an die Erzählung eines Mitbruders - er war ein erfahrener Seelsorger -, der vor kurzem verstorben ist. Er begleitete viele Jahre hindurch eine Frauengruppe. Alle waren sehr interessiert und machten begeistert mit. Mehrmals hatte er ihnen die Anregung gegeben, ob sie nicht einmal das Thema heilige Messe besprechen wollten. Sie reagierten immer wieder mit der Antwort: das kennen wir schon. Nach einigen Jahren kam dann von ihnen selbst die Initiative, nun doch einmal dieses Thema zu wählen. Sie nahmen den Text des Zweiten Eucharistischen Hochgebetes als Grundlage und gingen ihn Wort für Wort durch. Sie kamen von einem Aha-Erlebnis zum anderen. Sie hatten gemeint, alles zu kennen und kannten es doch nicht. Und auch für uns bleibt es immer ein unfassbar großes Geheimnis unseres Glaubens. Ich werde Ihnen hier nichts Neues erzählen und doch scheint es mir notwendig, darüber zu sprechen. Im Hinblick auf das Gesamtthema der Priesterstudientagung ist in mir bei der Vorbereitung die Absicht gewachsen, mich nicht streng auf das Thema Familie und Eucharistie zu beschränken, obwohl dies ein sehr reichhaltiges Thema ist.
Die Eucharistie gehört zum Kern unserer großen Hoffnung, zugleich aber erleben wir als Seelsorger in der derzeitigen Situation oft gerade im Zusammenhang mit der Eucharistie eine große Not. Ein sehr bewährter Pfarrer, der seine Aufgabe mit großem Verantwortungsbewusstsein und viel Liebe erfüllt hat, vertraute mir vor einiger Zeit an, dass für ihn der Tag der Erstkommunion der schlimmste Tag im Jahr sei. Auf Grund der geringen Glaubenspraxis vieler Familien seien sie nicht mehr in der Lage zu erreichen, dass das Gros der Kinder wirklich erfasst, warum es in der hl. Kommunion geht. Man sieht es unter anderem daran, dass schon eine Woche nach dem Weißen Sonntag nur mehr wenige der Erstkommunikanten den Gottesdienst besuchen. Vor allem aber ist für viele Priester belastend, dass trotz größter Anstrengungen in der liturgischen Gestaltung der Gottesdienstbesuch in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgeht. Woran liegt es? So möchte ich versuchen, das Thema so zu halten, dass es uns zur Reflexion führt und zum positiven Anstoß wird.
Um das Thema zu bearbeiten, scheint es mir sinnvoll, vom Wesen der Kirche, so wie es im II. Vatikanischen Konzil dargelegt wird, auszugehen und ihm das Geheimnis der Ehe gegenüberzustellen, um die Eucharistie als Quellgrund zu erfassen sowohl für die große Familie Gottes, die Kirche, als auch für deren kleinste Keimzelle, die christliche Familie. Danach möchte ich über einige Aspekte sprechen, die Voraussetzung dafür sind, dass Eucharistie tatsächlich Mitte, Höhepunkt, Quelle christlichen Lebens, insbesondere des christlichen Ehe- und Familienlebens ist. Schließlich möchte ich einige Folgerungen für die pastorale Arbeit ziehen.


Das Geheimnis der Kirche


Die Darlegung des Geheimnisses der Kirche geht im II. Vatikanischen Konzil vom dreifaltigen Gott aus. Der dreifaltige Gott ruft zur Gemeinschaft mit ihm. In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche heißt es im Punkt 2: "Der ewige Vater hat die ganze Welt nach dem völlig freien, verborgenen Ratschluss seiner Weisheit und Güte erschaffen. Er hat auch beschlossen, die Menschen zur Teilhabe an dem göttlichen Leben zu erheben."
In der pastoralen Konstitution "Kirche und Welt" wird dieser Gedanke in Bezug auf den Menschen näher entfaltet. Gott, dessen Wesen die Liebe ist, hat seinem Wesen entsprechend den Menschen als sein Abbild erschaffen und ihn zur Liebe bestimmt. In Familiaris Consortio (11) wird der Gedanke so wiedergegeben: "Gott ist Liebe und lebt in sich selbst ein Geheimnis personaler Liebesgemeinschaft. Indem er den Menschen nach seinem Bild erschafft und ständig im Dasein erhält, prägt Gott der Menschennatur des Mannes und der Frau die Berufung und daher auch die Fähigkeit und die Verantwortung zu Liebe und Gemeinschaft ein. Die Liebe ist demnach die grundlegende und naturgemäße Berufung jedes Menschen."
In Lumen Gentium folgt dann der Hinweis auf den Sündenfall und die Sendung des Sohnes: "Als die Menschen in Adam gefallen waren, verließ er sie nicht, sondern gewährte ihnen jederzeit Hilfe und Heil" (LG 2). "Es kam also der Sohn, gesandt vom Vater, der uns in ihm vor Grundlegung der Welt erwählt und durch Sohnesannahme vorherbestimmt hat" (LG 3). Weiter heißt es: "Um den Willen des Vaters zu erfüllen, hat Christus das Reich des Himmels auf Erden begründet, und sein Geheimnis offenbart und durch seinen Gehorsam die Erlösung bewirkt" (LG2).


Die Kirche ist die Gemeinschaft jener, die an Christus glauben.


Als Frucht der Erlösung wird der Hl. Geist gesendet. In diesem Sinne heißt es: "Als das Werk vollendet war, das der Vater dem Sohn auf Erden zu tun aufgetragen hatte, wurde am Pfingsttag der Hl.Geist gesandt, auf dass er die Kirche immerfort heilige und die Gläubigen so durch Christus in seinem Geist Zugang hätten zum Vater." " Der Hl.Geist wohnt in der Kirche und in den Herzen der Gläubigen wie in einem Tempel. In ihm betet er und bezeugt ihre Annahme an Sohnesstatt." Schließlich heißt es dann noch:
"Durch die Eucharistie wird das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde, vergegenwärtigt. Zugleich wird durch das Sakrament des eucharistischen Brotes die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und verwirklicht. Alle Menschen werden zu dieser Einheit mit Christus gerufen, der das Licht der Welt ist" (LG 3).
Alle diese Aussagen sind uns ganz vertraut. Aber wie viele Gläubige begreifen sie wirklich? Wahrscheinlich wird von vielen die wahre Bedeutung nicht einmal erahnt.
Gott ermöglicht durch die Sendung seines Sohnes und die Sendung des Hl.Geistes eine echte Teilhabe an seinem Leben, an seiner Liebe. Er kommt uns Menschen in unbegreiflicher Weise und doch "begreifbar" nahe. In der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" schreibt der Papst: "Die hier auf Erden pilgernde Kirche ist aufgerufen, sowohl die Gemeinschaft mit dem Dreifaltigen Gott als auch die Gemeinschaft unter den Gläubigen zu bewahren und zu fördern. Zu diesem Zweck besitzt sie das Wort und die Sakramente, vor allem die Eucharistie, aus der sie "immerfort lebt und wächst" (LG 26) und in der sie sich zur gleichen Zeit selbst ausdrückt." Er fügt hinzu: "Nicht zufällig ist der Begriff "Kommunion" einer der spezifischen Bezeichnungen dieses erhabenen Sakramentes geworden" (EE 34).
Freilich, wenn der Kommuniongang einem Opfergang gleicht, d.h. einem einfachen Ritualakt als äußerlicher Ausdruck der Teilnahme, dann ist zu befürchten, dass er oft nicht zur "Communio", zur sakramentalen Vereinigung mit Christus und der Kirche führt. Damit will ich nicht sagen, dass nicht doch viel Positives zur liturgischen Erneuerung geschieht und dass nicht viele Menschen von einem tiefen Glauben, gerade auch an die Eucharistie, getragen werden. Dort wo dieser Glaube erwacht, ist er jedenfalls etwas Großes.


Ehe und Familie


Das Ehesakrament ist eine Konkretisierung der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung. Diese Berufung besteht in der Aufgabe, Gott, die Anderen und in geordneter Weise auch sich selbst lieben zu lernen. In der Ehe verbinden sich ein Mann und eine Frau, um gemeinsam und zusammen mit den Kindern, wenn Gott sie schenkt, dieses Lebensziel - lieben lernen - mit der Hilfe Christi und unter der Führung des Hl. Geistes anzustreben. Mit der Ehe verbindet sich eine große Verantwortung und Aufgabe. Denn "durch ihre natürliche Eigenart sind die Institutionen der Ehe und der ehelichen Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung" (GS 48). Diese Formulierung stammt aus Gaudium et spes.
Ehe ist ein Realsymbol des Bundes Gottes mit den Menschen bzw. - wie Paulus sagt - der Verbindung Christi mit der Kirche. Als erste Wirkung des Sakramentes entsteht das unauflösliche Eheband und diese Bindung - die besteht, bis der Tod sie scheidet - ist zum einen nötig für die Kinder. Sie brauchen die Geborgenheit der elterlichen Treue. Diese Bindung ist zum anderen aber auch für die Eheleute selbst wichtig, damit ihre Liebe durch alle Bewährungen und Krisen hindurch reifen und wachsen kann. In Christus, mit seiner Hilfe und dem Beistand des Hl. Geistes ist es möglich, das gegenseitige Jawort vertrauensvoll zu sprechen, kann Treue trotz aller persönlicher Schwächen der beiden und ihrer Kinder, trotz aller Prüfungen des Lebens, die zu bestehen sind, verwirklicht werden. Davon sollten wir überzeugt sein und auch die anderen überzeugen. Und das ist wahr, wenn die Ehe tatsächlich aus dem Sakrament gelebt und die Familie entsprechend gestaltet wird.
Die Eucharistie ist dabei die Quelle ehelicher Treue und ehelichen Lebens. Jede Begegnung mit Christus, insbesondere in der Eucharistie, die Gedächtnis seines Todes und seiner Auferstehung ist, bedeutet eine Erinnerung daran, dass er seiner Braut, der Kirche, treu war bis in den Tod, dass er für sie sein Leben hingegeben hat, aber auch, dass sein Leib das Brot ist, die Speise, die Kraft gibt, und dass sein Blut, das er für uns alle vergossen hat, die Liebe reinigt und mehrt.
Christus hat die tiefste Offenbarung dessen gebracht, was Liebe, was Hingabe bedeuten. Er hat gesagt: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für die Freunde hingibt" (Joh 15,13). Er hat das neue Gebot nicht nur verkündet, sondern bis zur Vollendung gelebt. Mit der Verkündigung seines Wortes und der Vergegenwärtigung seiner Hingabe am Kreuz und seiner Auferstehung, mit seinem unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtigen Leib und seinem Blut ermöglicht die Eucharistie die Vereinigung und die Gemeinschaft mit ihm. Die Eucharistie ist die Schule von Ehe und Familie (wie überhaupt des christlichen Lebens). Gleichzeitig ist sie ihr tiefster Halt und eine große Kraft, die zur Hingabe und Liebe anspornt.
Die christliche Familie sollte so etwas wie eine Kirche im Kleinen sein. Als "Ecclesia domestica", als "Hauskirche" wurde sie im II. Vatikanischen Konzil bezeichnet. Die christliche Familie ist der wichtigste Ort der Inkulturation des Glaubens. In ihrem Schoß soll Christus geboren werden: Eheleute sollen sich gegenseitig beistehen, um in ihrem Christsein zu reifen. Das geschieht durch ihr Bemühen, die Liebe zueinander wachzuhalten, ihre Aufgaben als Eheleute und Eltern wahrzunehmen. Die vielfältigen Bewährungsproben einer Familie führen zu einer allmählich tiefer werdenden Verbundenheit mit Christus, Verbundenheit mit Gott, wenn der Glaube wach ist und die Hilfe bei Christus gesucht wird: Durch das Gebet in seinem Wort, durch die Sakramente in seinem Leiden und Sterben am Kreuz, in seiner Auferstehung.
Die Eltern haben die Aufgabe, ihre Kinder zu begleiten, den Schatz zu heben, der in ihnen verborgen liegt. Jedes Kind trägt - wie die Eltern selbst - das Abbild Gottes auf dem Grund des Herzens. Die Familie ist die wichtigste Schule des Lebens, der Liebe und des Glaubens. Die Eltern sind die Erstverkünder dieses Glaubens und die wichtigsten Zeugen der Liebe, die Gott durch Christus in ihr Herz gelegt hat. Bei all dem kommt der Eucharistie eine ganz besondere Bedeutung zu. Sie ist Mitte und Höhepunkt jedes christlichen und insbesondere jedes christlichen Ehe- und Familienlebens. Wir sollten es alle lernen und lehren, das alltägliche Leben mit all seinen Höhe und Tiefen, Freuden und Leiden, Anliegen aller Art in die hl. Messe hineinzutragen, um nach einem guten Reueakt am Beginn der hl. Messe und nach dem aufmerksamen Hinhören auf das Wort des Herrn all unsere Vorhaben und Mühen, auch die der anderen, gemeinsam mit den Gaben der Kirche von Brot und Wein auf den Altar zu legen mit dem Verlangen, dass unser Leben und das der anderen sich mit diesen Gaben vereint und in Christus verwandelt wird. Und wir sollten nicht müde werden zu lernen und zu lehren, aus der hl. Messe das Wort und das Beispiel des Herrn in unser Leben und Wirken mitzunehmen. Damit unser Leben zu einer Art Messe wird.
So nährt und fördert die Mitfeier der Eucharistie von Christus her die familiäre Verbundenheit und Einheit; sie hilft auch, die Wunden zu heilen, die oft durch das Aufeinanderstoßen der unterschiedlichen Charakteren und Aufgaben in den Geschehnissen des Alltags entstehen. Nun werden Sie vielleicht sagen: Das ist alles schön und gut. Aber die Wirklichkeit? - Es mag zutreffen, dass vielen diese Zusammenhänge nicht bewusst sind, andererseits sind es meines Erachtens nicht wenige, die aus dem Glauben leben und jede der christlichen Familien, die innerlich lebendig ist, jeder einzelne Christ, der glaubt, bedeutet eine große Hoffnung.


Voraussetzungen


Es ist sehr wichtig, die Voraussetzungen bewusst zu machen, die dafür nötig sind, dass die Eucharistie tatsächlich, so wie es sein kann, zur Quelle christlichen Lebens und der ganzen Kirche wird. Schlüssel ist der Glaube an Christus, an die Menschwerdung des Gottessohnes, daran, dass Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, dass er die Wahrheit verkündet, das Reich Gottes begründet, sein Leben zur Rettung der Welt durch den Gehorsam bis zum Tod am Kreuz hingegeben hat und dass er auferstanden ist und lebt. Schlüssel ist der Glaube an die Gegenwart des Herrn in der Kirche: In seinem Wort, das durch die Kirche verkündet wird; in den Sakramenten, durch die Tod und Auferstehung Jesu, das Geheimnis der Erlösung, zu uns gelangen. Und besonders wichtig ist der Glaube an die sakramentale Gegenwart mit seinem Leib und Blut, seiner Menschheit und seiner Gottheit in der Eucharistie, durch die wir ihm, der uns erlöst hat, direkt begegnen und uns mit ihm in einer geheimnisvollen Weise vereinen können.
Die Verkündigung ist grundlegend. Denn der Glaube kommt vom Hören. Wie soll Glaube entstehen, wenn er nicht verkündet wird? Dem entspricht die Voraussetzung, dass mit einer aufrichtigen Offenheit des Herzens auf Gottes Wort gehört wird. Eine echte eucharistisch geprägte Spiritualität setzt immer den Wunsch und die Bereitschaft voraus, auf Gott, auf Christus, auf die Kirche zu hören und für die Regungen des Hl. Geistes empfänglich zu sein. Zur Verkündigung gehört auch die Befähigung zu einer fruchtbaren "activa participatio", wie sie das Konzil gefordert hat und wie sie vorher beschrieben worden ist.


Es sind aber auch noch andere wichtige Voraussetzungen zu bedenken:


Für die Entstehung einer wahren "Communio" mit Christus (und untereinander) ist nicht nur der Glaube an ihn, sondern auch eine bestimmte Ausrichtung des Verstandes und des Herzens, des ganzen Lebens, nötig. Der Papst hat in der Enzyklika über die Eucharistie mit eindrücklicher Klarheit von neuem daran erinnert, was auch im Katechismus der Katholischen Kirche steht und von der Kirche immer schon gelehrt worden ist: "Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt." Und er fügt hinzu: "Ich wünsche daher, dass in der Kirche immer die Norm in Kraft ist und in Kraft bleiben wird, mit der das Konzil von Trient die ernste Mahnung des Apostels Paulus (vgl 1Kor 11-28) konkretisiert, in dem es festhält, dass "dem würdigen Empfang der Eucharistie die Beichte vorausgehen muss, wenn einer sich einer Todsünde bewusst ist" (EE 36). Das ist, wie wir alle wissen, eine wichtige Voraussetzung, zugleich eine große Sorge, denn wir wissen auch, dass sich in den letzten Jahrzehnten bei vielen Gläubigen die Gewohnheit verbreitet hat, immer die Kommunion zu empfangen, wenn sie an einer hl. Messe teilnehmen, auch wenn sie dies nur gelegentlich tun und auch sonst nicht den Geboten Gottes entsprechend leben. Es verbindet sich damit ein wichtiges Anliegen.
Es muss noch etwas bedacht werden: Zur fruchtbaren Teilnahme an der Eucharistie braucht es die prinzipielle Bereitschaft zur "Wandlung". Die Wandlung des Brotes und des Weines in Leib und Blut des Herrn sollte sich in allen jenen, die dieses Brot empfangen und von diesem Kelch trinken, fortsetzen bzw. auch in jenen, die nicht die Kommunion empfangen, den Wunsch dazu hervorrufen. Jede hl. Messe enthält einen Ansporn, ganz besonders gilt dies für jede hl. Kommunion, die wir empfangen. Sie vereint uns mit Christus, dem Erlöser, dem Sieger, dem Herrn und Meister, der alle die mit ihm verbunden sind, in die Welt hinausschickt, um Zeugnis zu geben. Mit anderen Worten: Die Bereitschaft zur Umkehr und zu ernsthaftem persönlichen, konkreten Bemühen um ein konsequentes Christsein sind für eine fruchtbare Begegnung mit Christus in der Eucharistie wesentliche Voraussetzungen.


Die Gründe geringer Fruchtbarkeit sind nicht schwer erkennbar


Wenn wir uns fragen, woran es liegt, dass in manchen Kirchen, einfach gesagt, der Heiland wahrscheinlich oft ziemlich allein ist, warum der Gottesdienstbesuch nachlässt, warum die Fruchtbarkeit der vielen Eucharistiefeiern nicht größer ist, dann scheint mir die Antwort relativ einfach: Wahrscheinlich fehlt es oft an Glauben, jedenfalls an einem tieferen Glauben.
Wahrscheinlich mangelt es an Bereitschaft zu Umkehr, möglicherweise mangelt es an den Voraussetzungen. Es besteht weiterhin bei nicht wenigen eine Art Sonntagschristentum, das darin besteht, am Sonntag mehr oder weniger regelmäßig die hl. Messe zu besuchen, aber im übrigen so zu leben wie die anderen, ohne Verlangen nach echter Veränderung, oft verknüpft mit einer sehr persönlichen Vorstellung von Christsein: Gewisse Dinge werden vermieden, andere nicht, obwohl man weiß, dass das eigentlich nicht richtig ist. Vielleicht liegt es auch an uns? Vielleicht brennt zuwenig Feuer im eigenen Herzen, vielleicht stellen wir das Licht unter dem Schemel? Vielleicht müsste unsere Verkündigung anders sein.


Was können wir tun?


Zunächst halte ich es für das wichtigste, dass wir uns selbst vergegenwärtigen: Da ist Christus, verborgen und doch sichtbar. Er ist gegenwärtig in der Kirche, in seinem Wort, auf dem Altar, im Tabernakel, in unseren Herzen. Wir sprechen als Priester, als Bischof das Wort in der Ichform: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben worden ist". "Das ist mein Blut, der Kelch des Neuen und ewigen Bundes, das vergossen worden ist zur Vergebung der Sünden". Das gehört zum zentralen Bereich unserer Aufgabe im Dienste Christi und seiner Kirche.
Es ist wichtig, dass wir selbst aus der Messe leben, unser ganzes Leben und das Leben der Anderen in die Messe hineintragen, mit dem großen Verlangen, dass diese Gaben, auch unser Leben und das Leben der Menschen, in Christus verwandelt werden. Es ist wichtig, dass wir selbst auf ihn schauen, von ihm lernen, auf ihn bauen, uns mit ihm vereinen und so unsere Aufgabe, so gut wir können, trotz aller persönlichen Begrenzt- und Schwachheit, entsprechen.
Es gehört zu unseren besonders wichtigen Pflichten, auch den anderen diesen Weg zu zeigen, besonders den Familien. Der Glaube und die Glaubensvollzüge sind Geschenke Gottes. Wir können nur Hinweise geben, Horizonte öffnen, geistliche Erfahrungen vermitteln.
Unerlässlich ist das Angebot des Sakramentes der Versöhnung. Wir selbst brauchen es. Ich empfehle den regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes auch dann, wenn keine schwere Sünde vorliegt. Es hilft uns, reinigt uns, spornt uns im guten Kampf an und wir dürfen es den anderen nicht vorenthalten. Es gehört zum schönsten im priesterlichen Dienst: den Menschen den Frieden Christi zu vermitteln, die seelischen Verwundungen heilen helfen zu helfen, ihnen beizustehen, damit sie für die Vereinigung mit Christus bereit sind.
Es ist erforderlich, mit Liebe und Feingefühl auf die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Kommunionempfang hinzuweisen, auch wenn das bei manchen aneckt, Widerspruch hervorruft. Die Vernachlässigung dieses Aspektes ist m.E. eine der größten Gefährdungen des Glaubens an die reale Gegenwart des Herrn in der Eucharistie. Wer immer wieder ohne die entsprechende innere Verfasstheit zur Kommunion geht, gerät - vielleicht ohne es zunächst zu merken - mit seiner Verhaltensweise in Widerspruch zum Glauben der Kirche an die Eucharistie.
Sehr hilfreich ist die Pflege des Gebetes, vor allem der stillen Anbetung. Oft erwacht so der Glaube, oft auch der Wunsch nach Änderung des Lebens, es kann der Anfang zur Umkehr sein. Vielleicht möchte jemand sagen: Bestimmte schwierige Probleme wurden nicht behandelt: z.B. die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und ihre Nichtzulassung zur Kommunion.
Auch in diesem Zusammenhang und im Zusammenhang mit allen jenen, die sich in schwierigen Situationen befinden, die bestimmte Probleme nicht gelöst haben, oder wo Probleme - zumindest menschlich betrachtet - nicht lösbar sind (jedenfalls nicht sofort) kann die Hinwendung zu dem in der Eucharistie besonderen Weise gegenwärtigen Herrn ein guter Weg sein, um zu entdecken, dass Gott allen nahe ist, dass Gott nie zu lieben aufhört, auch dann, wenn in unserem Leben etwas krumm gelaufen ist oder wir uns falsch verhalten haben. Er, der uns erlöst hat, ist da, bleibt da, erwartet uns, ist für uns verfügbar. Oft beginnt so die Hoffnung im Herzen eines Menschen von neuem zu keimen und manchmal entsteht nach und nach etwas, dass zu einem Entschluss führt.


Jahr der Eucharistie


Der Hl. Vater hat empfohlen, in besonderer Weise jene liturgischen Feste, die mit der Eucharistie in einer besonderen Beziehung stehen, zu nützen, um Glaubensgeheimnisse darzulegen, um diese Feiern mit besonderer Liebe zu gestalten, so dass der Glaube gewissermaßen sichtbar wird.
Die Formen, wie das Jahr der Eucharistie gelebt wird, können unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass wir die wesentlichen Punkte vor Augen haben und tun, was uns möglich ist, damit sie erkannt werden.
Jedenfalls ist es mir ein großes Anliegen, dass wir die Initiative des Papstes aufgreifen und das jeder jene Akzente setzt, die ihm und seinem Pfarrgemeinderat zielführend erscheinen. Wir dürfen sicher sein: Wenn wir mit einem für sein Rufen und seine Gnade offenen Herzen den Blick auf Christus richten, dann wird er selbst seine Wirksamkeit entfalten.