Familie in den Blickpunkt stellen!

Im kommenden "Internationalen Jahr der Familie 2004" will der Katholische Familienverband St. Pölten die Leistungen der Familien für die Gesellschaft und ihre heutigen Herausforderungen verstärkt in den Blickpunkt rücken. Das kommende Jahr sei für den Familienverband wieder "Anlass, über Wert und Beitrag der Familie für die Gesellschaft und für den Einzelnen nachzudenken, die aktuellen Fragen zu diskutieren und notwendige Schritte für eine künftige Gestaltung von Familie und Leben zu setzen", meint der Verbandsvorsitzende Dr. Josef Grubner.

Herausforderung und Wandel
"Die Familie ist nicht einfach ein fixer Bestand der Gesellschaft, sondern durch sich stets ändernde Herausforderungen selbst dem Wandel unterworfen", meint er. Man brauche daher immer wieder Zeiten, die Realität mit den Wünschen und Idealen abzuklären. "Ein zu hohes Ideal ist der Familie ebenso wenig dienlich wie Tendenzen, sie als antiquiert hinstellen zu wollen", stellt er fest. Studien zeigen, so Grubner, dass gerade den Jugendlichen die Familie sehr viel bedeute. In einer Zeit zunehmender Globalisierung, Technisierung und Extrovertiertheit aller Lebensbereiche wachse wieder die Sehnsucht nach Wärme, Geborgenheit und Zusammengehörigkeit in einer Face-to-face-Beziehung, wie sie eine Familie bietet.
"Eine Familie, die aber ständig wirtschaftlichen und beruflichen Anforderungen und ihrem Druck ausgesetzt und ausgeliefert ist, kann leicht den inneren Zusammenhalt verlieren", meint der Diözesanvorsitzende. Dadurch klaffen Ideal und Realität immer mehr auseinander, und so erscheint für viele Jugendliche die Familie als unerreichbare Illusion. "Dem müssen wir gegensteuern und zeigen, dass Familie lebbar ist", sagt er.

Kein Spielball für Ideologien
Gerade in Bereichen wie "Vereinbarkeit von Familie und Beruf", "Familie als erster Lernort sozialer Erfahrungen und sozialen Verhaltens" oder auch "Familie als erfahrbare Kirche im Kleinen" oder Hauskirche habe sie eine wesentliche Aufgabe für das Gelingen der Gesellschaft. Dafür müsse sie aber auch entsprechend ausgestattet sein und dürfe "nicht zum Spielball jeglicher Wirtschaftsinteressen und politischer Ideologien werden", betont Grubner. Genauso wenig dürfe die Familie ein willkommenes Einsparpotential für die Budgetpolitik sein, warnt er. Dies würde sich in der Bevölkerungsentwicklung "furchtbar rächen". Schon heute würden sich viele Paare scheuen, aufgrund der zu erwartenden finanziellen Belastungen auf ihren Kinderwunsch zu verzichten oder ihn hintan zu stellen.

Offene Wunden aufzeigen
Grubner kündigt an, dass der Katholische Familienverband im kommenden Jahr verstärkt "auf diese offenen Wunden zeigen wird", um damit eine breite Diskussion um die Situation der Familien anzuregen. Die Benachteiligungen für Familien beginnen, wenn etwa den beruflichen Herausforderungen der Vorrang vor der Familie eingeräumt werde, so bei der verzichtbaren Sonntagsarbeit im Handel, und sie reiche "bis zu massiven Ungerechtigkeiten für Familien mit Kindern im derzeitigen Steuersystem".
"Allein die Tatsache, dass 320.000 Menschen im Sozialstaat Österreich unter der Armutsgrenze leben und fast 900.000 armutsgefährdet sind, müsste schon die Alarmglocken schrillen lassen", sagt er. Grubner hofft, dass im kommenden Jahr der Familie "Politiker wie Wirtschaftslenker wieder einmal auf die bereits prekäre Situation der Familien gestoßen und aufmerksam gemacht werden".