Nikolaus
 
 

Fairer Handel gibt Maya-Bevölkerung Guatemalas eine Chance

Auf Einladung der Importorganisation EZA-Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt GesmbH hält sich dieser Tage Catarina Gomez Ixmata von der guatemaltekischen Handwerksvereinigung Pop Atziaq in Österreich und auch in der Diözese St. Pölten auf. In der Diözese St. Pölten hielt die Angehörige des indigenen Volksstammes der Maya für das Katholische Bildungswerk einen Vortrag in Kirchberg a.d. Pielach. Missio Austria, WEKEF und die Entwicklungsagentur Südwind organisierten ein Faires Frühstück mit der Hängematten-Produzentin im Weltladen St. Pölten.

Taschen, Hängematten, Kleidung, Kaffee, Honig, mundgeblasene Gläser - das alles sind Produkte aus Guatemala, wie sie in über 70 österreichischen Weltläden feilgeboten werden. Garantiert wird nicht nur hohe Qualität, sondern auch eine gerechte Preisgestaltung: Nicht der Profit des Zwischenhandels zählt, sondern die Erzeuger sollen vom Verkauf ihrer Produkte leben können, so die Philosophie des Fairen Handels.

Einkommen, Wertschätzung, Bewahrung der Kultur

Für die indigene Bevölkerung in Guatemala bedeutet der Faire Handel eine Chance, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Hängematten-Produzentin Catarina Gomez: "Die Produktion der Textilien ermöglicht uns ein Einkommen, die Produzenten erfahren durch die fairen Preise Wertschätzung und wir können unsere Kultur leben."

Die Guatemaltekin zeigte sich bei ihrem Besuch im Weltladen St. Pölten dankbar, Abnehmer der Produkte aus Fairem Handel selbst treffen zu dürfen und sie unterstrich die Bedeutung des gerechten Preisgestaltung für die Angehörigen ihrer Vereinigung: Das Kunsthandwerk stellt für die indigene Bevölkerung im Hochland Guatemalas oft die einzige Einnahmequelle dar.

"Weben ist ein Teil der Kultur"

"Weben ist ein Teil der Maya-Kultur. Es ist sozusagen Pflicht der Mutter, das Können an die Tochter weiter zu geben. Viele Kinder beginnen schon ganz klein damit, ich habe mit acht Jahren mein erstes Vögelchen gewebt", so Catarina Gomez. "Der Arbeitsprozess hat sehr viele Schritte, alles geschieht in Handarbeit - viel Geduld und Können sind dabei notwendig", schilderte die Fachfrau. Die Farben und Formen in den gewebten Stoffen entsprächen schließlich alle der Tradition der Mayakultur.

Zusammenschluss in Kooperative

Ihre Kooperative Pop Atziaq gründeten die Weberinnen der Maya 1986. Ausbeutung, Marginalisierung und Diskriminierung hatten die Kunsthandwerker dazu bewegt, sich zusammen zu tun. -"1988 waren wir dann so weit organisiert, dass wir exportieren konnten", schilderte Catarina Gomez die Anfänge.

Zuvor hätten fast alle in Fabriken oder Plantagen von Großgrundbesitzern arbeiten müssen, wo meist das tägliche Brot den einzigen Lohn darstellte. In der Fabrik, in der sie gearbeitet habe, seien das von Hand geformte Tortillas gewesen. Oft sei in diesen das Blut der wunden Hände jener Angestellten eingebacken gewesen, die den ganzen Tag das Essen für 100 Leute richteten.

Große Freude komme nun immer auf, wenn es einen neuen Auftrag für die Kooperative geben würde. Dann wäre nämlich wieder genug Geld da, um in größeren Mengen Mais zu kaufen - das wichtigste Grundnahrungsmittel der Maya, die sich selbst "Maismenschen" nennen.

Schulbesuch für Kinder ermöglicht

Durch den fairen Handel könnten sogar Schulsachen und Uniformen für die Kinder gekauft werden. Auch der Besuch einer höheren Schule sei bereits 91 Kindern ermöglicht worden - durch einen Fonds, der aus den Einkommen aus dem Fairen Handel gespeist wird.

Großes Augenmerk wird in der Kooperative auf die Qualität der Rohstoffe gelegt, die gemeinsam billiger eingekauft werden. Die Stoffe dürfen nicht ausfärben und die Farben keine Schadstoffe enthalten, weiß Catarina Gomez. Wer bei "Pop Atziaq" mit machen darf? - "Angehöriger des Volkes der Maya sein, arm sein und Gemeinsinn haben, das sind unsere Bedingungen!"