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Fair statt prekär

Mit einem Aktionstag am 29. Februar machte die Betriebsseelsorge St. Pölten und Herzogenurg auf die Auswirkungen prekärer Arbeitsverhältnisse aufmerksam. In einem Forderungspapier verlangte sie von den Klubobleuten der Landtagsparteien in Niederösterreich, sich für nachhaltige Verbesserungen dieser Arbeitsverhältnisse einzusetzen. Die Forderungen wurden den Klubobleuten Hannes Weninger von der SPÖ, Helga Krismer von den Grünen und Klaus Schneeberger von der ÖVP übergeben. Passanten im Landhausviertel erhielten Flugblätter mit der Beschreibung prekärer Arbeitsverhältnisse sowie den Forderungen. Das Motto lautet "Fair statt Prekär - für ein Leben in Fülle für alle Beschäftigten".
Auf den Handzetteln die "Santa Precaria" als Symbol jener Frauen, die heute unter diesen neuen Arbeitsverhältnissen zu leiden haben: Alleinerziehende Mutter zweier Kleinkinder, ständig abrufbereit, geringes Einkommen, weder Urlaubsanspruch noch Sonderzahlungen und nicht einmal den Mindestlohn.
In Österreich seien an die 200.000 Personen, vor allem Frauen, von solch freien Dienstverträgen betroffen, weist Sepp Gruber von der Betriebsseelsorge St. Pölten hin und Alois Reisenbichler, Leiter der Betriebsseelsorge Herzogenburg ergänzt: Ein Drittel der neu geschaffenen Arbeitsplätze fällt unter diese Kategorie. Viele müssen sich um zwei und mehr solcher Dienstverträge umsehen, da ein Einkommen nicht reicht.

In ihren Forderungen verlangen die Mitarbeiter der Betriebsseelsorge "planbare Arbeitszeiten und bezahlte Bereitschaft". Weiters müssten für alle Arbeitsbereiche ein Existenz sichernder Mindestlohn und eine Grundsicherung gelten, heißt es ind en Fprderungen. Darüber hinaus verlangt die Betriebsseelsorge, dass Arbeitslosengeld, Gesundheits- und Pensionssicherung nicht nur für Vollzeitarbeit gelten dürfen. "Auch prekär Beschäftigte haben ein Recht darauf", ebenso auf eine weitgehende "Vereinbarkeit von Beruf und Familie", wird betont. Prekär Beschäftigte sollen weiters gleichberechtigten Zugang zur betrieblichen Mitbestimmung und Interessensvertretung erhalten. Von der NÖ Landesregierung verlangen die Vertreter der Betriebsseelsorge, "keine prekären Arbeitszeitverhältnisse ohne ausreichende Absicherung im Landesdienst und in ausgelagerten Bereichen zuzulassen". Denn, so Reisenbichler: Das Land und alle öffentlichen Einrichtungen sollten Vorbildwirkung haben.

Das Forum Kirche und Arbeitswelt der Diözese, in dem Betriebsseelsorge, Katholische Arbeitnehmerbewegung, Katholische Arbeiterjugend, der Arbeitslosenfonds und das Netzwerk der Solidarität vertreten sind, prangern die prekären Arbeitsverhältnisse massiv an. Diese seien gekennzeichnet durch Flexibilisierung auf Kosten der Freizeit, niedriges, nicht kontinuierliches Einkommen, unkalkulierbare Dauer der Arbeitsverhältnisse, ungenügenden sozialen Schutz, mangelnde Einbindung und Mitbestimmung sowie keinerlei Aufstiegs- und Bildungschancen im Betrieb.