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Europa muss sein Verhältnis zum Islam neu definieren

Nicht erst seit dem 11. September 2001 fragen sich viele nach den Hintergründen der Konflikte zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Tief verwurzelte Feindbilder, die ihre Ursachen in der jahrtausend alten Geschichte, aber auch in den machtpolitischen Bestrebungen der USA haben, stehen zaghaften Dialogversuchen gegenüber. So der Nahostexperte Prof. Heinz Nußbaumer in St. Pölten. Gefährliche Missverständnisse haben das belastende Verhältnis zwischen dem Westen und der islamischen Welt geprägt, wies Nußbaumer beim "forum XXIII" im Lilienhof in Stattersdorf bei St. Pölten hin. Der Nahostkonflikt, die Präsenz amerikanischer Truppen auf islamischem Boden und die Tatsache, dass die Mehrheit der Muslime in den benachteiligten und ärmeren Regionen der Erde leben, haben das Ihre dazu beigetragen. "Muslime sehen in der weltweiten Globalisierung einen Vernichtungsfeldzug gegen die islamische Welt", meint Nußbaumer.


Heute leben bereits 30 Millionen Muslime in Europa, die Hälfte davon in der Europäischen Union. Ohne massive Einwanderung von Menschen nach Europa könne dieser Kontinent nicht überleben, meinen Bevölkerungsexperten. Der Islam gehört schon heute zu den europäischen Lebensrealitäten, weist der Nahostexperte hin. Europa müsse sein Verhältnis zur islamischen Welt daher neu und eigenständig - ohne Orientierung an Amerika - definieren.


Der Islam selbst wurde von seinem Begründer Mohammed nicht nur als Religion konzipiert, sondern als umfassende Lebensform. Ob er im modernen Westen auch Zukunft habe, hänge wesentlich davon ab, ob es ihm gelingen wird, Politik und Religion zu trennen, meint Nußbaumer. Längst hätten sich in der arabischen Welt bereits unterschiedlichste Formen des Islam entwickelt, die zeigen, dass auch dort eine Trennung von politischem und religiösem Bereich möglich sei.


Der Westen, so Nußbaumer, werde sein Verhältnis zum Islam von der Einhaltung der menschlichen Grundrechte abhängig machen müssen. Er bedauerte, dass das derzeitige Verhältnis zum Islam noch sehr von Unwissenheit und Missverständnissen geprägt sei. Die Mehrheit habe aber die Pflicht, sich auch um die Grundwerte einer Minderheit zu kümmern, wies Nußbaumer hin. Man solle endlich aufhören, in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu denken, verlangte er. Es sei "fair", das eigen Ideal mit dem Idealbild des anderen und nicht mit dessen Zerrbild zu vergleichen.


Zusammenfassend meinte Nußbaumer, dass die derzeitige Situation nicht gerade ideal sei. Wesentlich wichtiger sei der Umgang mit jenen Menschen, die sich hier einst nur notdürftig eingerichtet haben und nun hier leben. Dabei dürfe es nicht mehr nur um den Dialog mit ihnen gehen, sondern um das tägliche Zusammenleben. Das bedeutet auch, diese Bevölkerungsgruppe nicht in einem Ghetto zu belassen und ihr Andersseins zu akzeptieren. Auch die Moslems werden lernen müssen, in einer säkularen Gesellschaft zu leben, ihre Missionierung aufzugeben und erkennen, dass eine Trennung von Politik und Religion möglich sei.