Europa muss enger zusammenwachsen

"Vor uns liegt eine neue Zukunft mit neuen Perspektiven und Möglichkeiten, aber auch mit neuen Herausforderungen und Gefährdungen" rief Bischof DDr. Klaus Küng hunderten Pilgern bei der Südmährerwallfahrt der Heimatvertriebenen am 4. Mai in Maria Dreieichen zu. An die 300 Pilger, viele aus dem süddeutschen Raum, nahmen an dieser Wallfahrt teil. Der Sprecher der Südmährer für Deutschland und Österreich Franz Longin und der Obmann des Dachverbandes der Südmährer in Österreich, Dr. Gottlieb Ladner konnten zur diesjährigen Südmährerwallfahrt nach Maria Dreieichen über 300 Pilger aus Österreich und Deutschland begrüßen. Wallfahrtspfarrer P. Robert Bösner erinnerte daran, dass die Südmährer nicht erst seit 1945 zu diesem Wallfahrtsort pilgern, sondern ihre Vorfahren schon seit über 100 Jahren nach Maria Dreieichen gekommen sind.

Die Verhältnisse in Europa haben sich durch die Europäische Union entscheidend verändert, wies Bischof Küng in seiner Predigt hin. Ein engeres Zusammenrücken sei möglich geworden, sagte er. Der Bischof warnte aber davor, diese neuen Beziehungen nur im wirtschaftlichen und politischen Bereich zu sehen. Sie müsse tiefer gehen, sagte er.
"Christen müssen aufwachen und hellwach sein", rief Bischof Küng angesichts der derzeitigen Entwicklungen auf. In einer Zeit des zunehmenden praktischen Materialismus sei es notwendig, "neue persönliche und gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, Jesus Christus wieder in den Blick zu bekommen". Dies könne für die Menschen zur großen Kraft werden. Der Bischof forderte angesichts der aktuellen Diskussion um Abtreibung und Euthanasie alle Christen auf, für das Leben eintreten, damit Kinder eine Chance bekomme. Er rief auf, ebenso für soziale Gerechtigkeit einzustehen, Maß zu halten und nicht nur auf den Gewinn zu schauen.
Christen müssten wieder mehr Mut zum Christsein zeigen, klare Prioritäten setzen und auf andere zugehen, betonte Bischof Küng. "Bitten wir, dass wir zusammenwachsen in Europa. Wenn Christen zusammenstehen haben wir viele Möglichkeiten und Chancen".

Im Anschluss an die Messe in der Basilika gedachten die Pilger am nahe gelegenen Friedhof des Gründers und Initiators der Südmährerwallfahrt der Heimatvertriebenen nach Maria Dreieichen, Dr. Johann Zabel. Zabel war 1944/45 Generalvikar des damaligen Bischöflichen Generalvikariats Nikolsburg, starb 1977 in Wien und wurde in Maria Dreieichen beigesetzt.