Es gibt einen Gott, der aus der Dunkelheit führt

Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Flutopfer in Südostasien haben die in St. Pölten tätigen christlichen Kirchen am 28. Jänner in den Dom zu St. Pölten geladen. Bischof Küng: "Es ist nicht leicht, all das zu begreifen. Doch es gibt einen Gott, der aus der Dunkelheit herausführt". Dumpfe Orgeltöne im Halbdunkel des Domes stimmten auf den abendlichen Gottesdienst ein, der von Bischof DDr. Klaus Küng, Superintendent Mag. Paul Weiland (Evang. Kirche AB), Superintendent Lothar Pöll (Evang.-methodistische Kirche), Pfarrer Dr. Christian Halama (Altkatholische Kirche) und Pfarrer Ljubomir Bolic (Serbisch-orthodoxe Kirche) geleitet wurde. Unter den Anwesenden im Dom auch Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, Vizebürgermeister Dr. Alfred Brader und Bezirkshauptmann Dr. Josef Sodar.


Die Welt ist nicht frei von Unheil


"Wir sind zusammengekommen, um der Opfer zu gedenken, die diese Flutwelle gefordert hat und noch immer fordert", sagte Bischof Küng am Beginn des Gedenkens. Er rief auf, sich mit all jenen solidarisch zu verbinden, die überlebt haben und fassungslos vor dem Tod ihrer Freunde, Angehörigen und Verwandten stehen, aber auch mit jenen, die bis heute im Ungewissen geblieben sind.
Superintendent Dr. Pöll eröffnete die Bitten mit den Worten: "Lasst uns Gott anrufen, dass er diese Erde als Heimat für die Menschen bewohnbar halte". Und der serbisch-orthodoxe Pfarrer Ljubomir Bolic sprach im Gebet aus, was viele angesichts der Katastrophe denken: "Wir erfahren, dass unsere Welt nicht frei von Unheil ist und suchen Antworten darauf".


Es bleiben die tieferen Fragen bestehen


"Es ist nicht leicht, all das zu begreifen", sagte Bischof Küng in seiner Predigt. Es gebe Fragen, bei denen manchmal auch Dunkelheit zurückbleibe. Wenn es für die Ursache der Flut auch eine physikalische natürliche Erklärung gebe, so bleibe dennoch die tieferen Fragen nach dem Leben des Menschen, seinem Schicksal, der Bedeutung seines Lebens und Sterbens offen. Der Bischof wies hin, dass diese Flutwelle auch eine "beeindruckende Welle der Solidarität und des Helfens" ausgelöst habe.
Für die Menschen könne dieses Ereignis bedeuten, sich ganz Gott zuzuwenden. Man soll die Zeit nutzen, die einem geschenkt sei, sagte der Bischof. Es gelte, für die Verstorbenen zu beten, damit sie bei Gott in Frieden seien, für die Überlebenden, damit sie an ihrem Leid nicht zerbrechen und für die ganze Welt "und uns selbst", damit wir uns "den Fragen stellen, die solche Katastrophen aufwerfen: wofür lebe ich, woher komme ich, wohin gehe ich". Manches werde man nicht verstehen, "doch es gibt einen Gott, der aus der Dunkelheit herausführt, wenn wir seinen Ruf wahrnehmen".
Diese ökumenische Feier halte er für wichtig, sagte der Bischof. "Im Glauben, Hoffen und Lieben vereinen wir uns so gut und fest es möglich ist, damit sich dadurch das Angesicht der Erde erneuert".


Das Kreuz - ein Symbol der Hoffnung


Superintendent Mag. Paul Weiland sagte, dass der Mensch in solchen Situationen wie die Flutkatastrophe an die Grenzen seines Verstehens und seiner Hoffnung gelange. Katastrophen wie diese zeigen die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit des Menschen auf. Viele stellen dabei die Frage nach dem "Warum" und finden keine Antwort. Es gebe "nicht für alles, was zwischen Himmel und Erde geschieht" eine einfache und für alle logisch verstehbare Antwort, räumte der Superintendent ein. Aber, so Weiland, "es gibt auch keine Situation im Leben, in der Glaube, Hoffnung und Liebe zugrunde gehen müssten". Jesus habe vor seinem Tod am Kreuz nicht gesagt, dass nun alles vorbei sei. Vielmehr habe er gesagt: "Es ist vollbracht". In diesem Mit-leben mit Christus, in seinem Mit-leiden und Mit-sterben habe das Schicksal der Menschheit eine neue Vollendung gefunden, weil es auch die Auferstehung gebe. Damit habe in der Menschheitsgeschichte ein neues Kapitel begonnen: das Kreuz sei durch alle Lebenserfahrung hindurch zu einem Symbol der Hoffnung geworden. "Legt ab die Hoffnungslosigkeit, die Ängste und lasst euch wieder ein auf das Leben", sagte Weiland. Nach jeder Erfahrung des Leides sei durch Christus auch ein Neuanfang möglich.