Erlebnisse prägen den Menschen stärker als die Gene

Den Anfängen des Mensch-Seins im Mutterleib und den Einflüssen, die den Embryo prägen, ging der Arzt, Theologe und Psychotherapeut Dr. Terence Dowling im Rahmen des Anfang Juni begangenen "Tag des Lebens" bei einem Vortrag in St. Pölten nach. Für den in Heidelberg praktizierenden Prä- und Perinataltherapeuten prägt alles, was ab dem Zeitpunkt der Zeugung während der Schwangerschaft und in den Monaten danach passiert, die Seele und den Körper des Kindes. Dowling widerspricht dabei dem gängigen Menschenbild der Genetiker. Für ihn ist der Mensch nicht nur durch seine Gene geprägt, sondern noch stärker durch das, was er erlebt.

Dowling teilt die Zeit von der Befruchtung bis etwa 9 Monate nach der Geburt in vier Phasen ein. In diesen werde durch die positiven Erlebnisse von Mutter und Kind das Fundament für eine gesunde psychische und physische Entwicklung gelegt, weist Dowling hin. Negative Einflüsse wie Stress, Angst oder Alkohol hätten ebenfalls weitreichende Auswirkungen auf das sich entwickelnde Leben, die von körperlichen Symptomen bis hin zu Beziehungsangst, Depression oder Abhängigkeit reichen können.

Die erste Phase, die Schwangerschaft, habe eine besondere Bedeutung. Wie es Mutter und Vater während der Schwangerschaft gehe, beeinflusse wesentlich das Kind, sagte Dowling. Steht die Mutter etwa unter Stress, erhöhe sich auch das Risiko für eine Frühgeburt. Frühkindliche Erfahrungen würden sich sogar in der genetischen Struktur des Menschen auswirken.
Bei der zweiten Phase, der Geburt, sei eine möglichst natürliche und entspannte Umgebung wichtig. So sei etwa eine Hausgeburt vorzuziehen, betont Dowling. Nur in Notfällen soll eine Frau ihr Kind im Krankenhaus zur Welt bringen. Auch Kaiserschnitte sollten möglichst vermieden werden, da sie für das Kind einen gewaltsamen Eingriff darstellten.
In der dritten Phase, den ersten neun Monaten nach der Geburt, sei eine gute Bindung zwischen Mutter und Kind wichtig. Der Mensch brauche 18 Monate, bis er wirklich überlebensfähig sei - nach neun Monate im Mutterleib noch weitere neun in engem und liebevollem Kontakt zur Mutter.
Die vierte Phase, die Löslösung des Kindes von der Mutter, beschreibt Dowling als zweite Geburt. Das Interesse des Babys an der Umgebung wachse. Die Mutter sollte das Kind jetzt ein Stück loslassen und ihm vermitteln, dass es ihm zutraut, selbständig zu werden.

Bischof DDr. Klaus Küng dankte in seinen Begrüßungsworten der Aktion Leben für ihren Einsatz für den Lebensschutz. Dieser sei in einer Gesellschaft, die in erster Linie auf Selbstverwirklichung setze, besonders wichtig, denn dabei seien vor allem Schwächere wie Kinder, Alte und Kranke besonders gefährdet.