Erfahrungen eines Athos-Pilgers

Eine Einführung in die "innere Welt" des Berges Athos und anschließende Meditation mit dem Herausgeber der "Furche" und Buchautor von "Der Mönch in mir", Prof. Heinz Nußbaumer, war der Inhalt eines Abends der Vereinigung Christlicher Unternehmer am 30. Mai im Stift Herzogenburg. Prof. Heinz Nussbaumer, Journalist und langjähriger Pressesprecher der Bundespräsidenten Waldheim und Klestil, pilgert seit 20 Jahren immer wieder auf den Berg Athos. Kürzlich ist sein neuestes Buch "Der Mönch in mir" über seine Erfahrungen bei diesen Reisen erschienen.
Es seien drei konkrete Gründe gewesen, dieses Buch zu schreiben, erläutert Nußbaumer. "Wir leben heute in einer Zeit religiöser Sprachlosigkeit, die wir aufbrechen sollten", sagte er. Der Büchermarkt sei heute voll Literatur mit Anleitungen zum Glücklichsein aus anderen, fremden Kulturen und Religionen. Und drittens sei er selbst "mehr und mehr zur Ansicht gekommen, dass es für einen Laien oft leichter ist über den Glauben zu reden als für einen Kleriker". So sei das Buch als eine "ganz kleine und schmale Ernte" seiner 20-jährigen Reisen zum Berg Athos entstanden.

Kraftzentrum der Orthodoxie

Der Berg Athos sei, seit dort Mönche leben, immer ein besonders Kraftzentrum der Orthodoxie gewesen, erläutert Nußbaumer. Aber stets ohne Macht und ohne Machtansprüche. Heute sei der Berg eine Mönchsrepublik mit 20 Klöstern, einigen Mönchsdörfern und Einsiedeleien, die von einem Mönchrat und einem Heiligen Vorsitz geleitet werde. Konnte er, Nussbaumer, bei seinen ersten Besuchen vor 20 Jahren noch einen zunehmenden Verfall feststellen, habe sich das in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten grundlegend geändert. Das russische Kloster Panteleimonos, 1985 nur noch von sieben Mönchen bewohnt, wird heute wieder von über 70 Mönchen bevölkert.
In seinen "besten Jahren" lebten 30.000 Mönche auf dem Heiligen Berg, wie der Athos auch genannt wird. Heute beträgt ihre Zahl wieder um die 3.000 und ist im Steigen begriffen. Der Bildungsdurchschnitt sei höher als noch vor einigen Jahren - es gebe keinen Abt, der nicht ein abgeschlossenes Hochschulstudium habe, bestätigt der Autor. Dennoch, so Nußbaumer, setzen die Athosmönche weniger auf Theologie, sondern auf die meditative Frömmigkeit und das Gebet. Dies dauert bei den verschiedenen Gebetszeiten rund um den Tag mindestens acht Stunden.

Gegenwelt zur Hektik

Die Mönche auf Athos fühlen sich als "stille Gegenwelt" zum Teufelskreis von Hetze, Flucht und Leere des modernen Menschen. Bei ihnen zählen die "Gaben des Herzens mehr als die Leistungen des Gehirns", erklärte Nußbaumer.
Das Alleinsein der Mönche sei aber nicht das Ziel, sonder ein Mittel, dem All-Einen, Gott, zu begegnen. Einige Mönche haben es erreicht, ganz im Augenblick zu leben und die Gegenwart immer als die wichtigste Stunde anzusehen. Die Zeit sei wertvoll, aber nicht knapp, meinen sie. Das Letzte Ziel des Betens sei, die innerste Kammer in sich selbst zu entdecken, weist Athoskenner Nußbaumer hin.
Und das größte Geheimnis des Athos ist das Herzensgebet oder Jesusgebet, das sooft wiederholt wird, bis es keiner Anstrengung mehr bedarf und es in einem selbst bete.