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Emmausgemeinschaft eröffnete Wohnhaus für Frauen

Einige Wochen schon bietet die Emmausgemeinschaft St. Pölten in einem neuen Projekt obdachlosen Frauen Geborgenheit und Schutz. Unter dem Motto "Brot und Rosen" fand am 19. Februar die offizielle Eröffnung und Segnung des Wohnhauses statt. "Viele der Frauen, die zu uns kommen, sind in schwierigen Situationen, nicht nur auf Grund der Wohnsituation, sondern das reicht bis zu körperlichen und psychischen Erkrankungen. Wir wollen den Betroffenen hier eine Wohnung geben, ein Dach über dem Kopf, aber auch Gemeinschaft anbieten, die Heilung bewirken kann", so die Leiterin des Frauen-Wohnhauses, DSA Gertrude Dirneker. Unter dem Motto "Brot und Rosen" solle eben nicht nur das Brot zum täglichen Leben gereicht, sondern den Frauen auch die Rosen, also Liebe und Verständnis, nicht vorenthalten werden. 24 Stunden am Tag wäre die Wohngemeinschaft zugleich Schutzraum und Freiraum für die Frauen.

Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sind rund um die Uhr im Einsatz, damit die Frauen der Wohngruppe nicht am Vormittag wieder auf die Strasse müssen. 18 Anfragen gab es seit Betriebsbeginn vor einigen Wochen. Neun Hilfesuchenden konnte man schon Unterkunft anbieten. Als Schlafräume stehen zwei Zimmer mit je drei Betten zur Verfügung. Zurzeit sind sieben Frauen in der Wohnung - eine schläft im Wohnzimmer.
 
"Ausweitung des Angebots notwendig"
 
"Schon in den ersten Wochen hat sich gezeigt, dass eine Ausweitung des Angebots notwendig wäre. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass jede Frau ein eigenes Zimmer haben kann", die Leiterin des Frauen-Wohnhauses. Als Ergänzung zum Frauenhaus und zum Mutter-Kind- Heim in St. Pölten sei die neue Wohngruppe nicht für unmittelbar von Gewalt bedrohte Frauen oder Frauen mit Kindern gedacht, stellte die Leiterin klar. Anders als Männer wären Frauen meistens nicht auf der Straße anzutreffen, weil sie oft Abhängigkeitsverhältnisse eingingen, um der Obdachlosigkeit zu entgehen.
 
"Gott sagt: Meine Freude ist es, bei den Menschen zu wohnen."

In seiner Ansprache zur Segnung der Räumlichkeiten wies Bischofsvikar Msgr. Wilfried Kreuth darauf hin, dass ein Ort wie jener, wo Menschen zweifelten, oder vielleicht schon am Verzweifeln wären, ganz besonders ein Ort wäre, wo Gott wohnt: "Gott sagt, meine Freude ist es, bei den Menschen zu wohnen. Der Segen ist ein Zuspruch, diese Botschaft immer mehr ins Herz hinein zu lassen."

Die evangelische Pastorin Mag. Baukje Leitner ging in ihrer Predigt auf den Propheten Josua ein, dem Gott sogar befohlen habe, mit seinem Volk das gelobte Land einzunehmen (Jos 1,1-9). Das Wort der Ermutigung "sei mutig und stark" habe Gott in einer Grenzsituation gesprochen. Das passe auch zu diesem Projekt. "Es gibt Hilfe von oben", meinte die Pastorin und sagte: "Dieses Haus soll ein Haus des Trostes sein."

Niederösterreichs LH-Stv. Liese Prokop gratulierte der Emmausgemeinschaft St. Pölten zu ihrem Engagement. An die Mitarbeiterinnen gewendet meinte die Politikerin: "Ich wünsche auch viel Kraft, dass ihr es schafft, dass Frauen den Schritt hinaus wieder finden, in eine Welt, die sie mag."

In seinen Abschlussworten dankte Dr. Walter Feninger, Obmann der Emmaus-Gemeinschaft St. Pölten, in erster Linie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Deren verlässliche und kreative Arbeit wäre nämlich die Grundlage für das Vertrauen, das Stadt und Land immer wieder in Emmaus setzen würden.