Emmaus - ein Ort der Hoffnung

Vor 25 Jahren hat der damalige Sozialarbeiter Mag. Karl Rottenschlager die Emmausgemeinschaft in St. Pölten gegründet. "Erst beim fünften Anlauf", erinnert er sich. Kaum jemand gab damals dieser Gemeinschaft eine lange Überlebenschance. Nach einem Vierteljahrhundert kann er auf die Früchte dieser Initiative blicken, die aus einer Gebetsgemeinschaft entstanden sind: Sieben Wohnprojekte, durch die 4.700 Menschen gegangen sind und sechs Betriebe, die über 1.500 Menschen wieder neuen Lebensmut gegeben haben. "Unser Rezept ist ganz einfach", meint Rottenschlager. "Jeder, der bei uns war und ist soll erfahren, dass er geliebt wird, dass er radikal angenommen wird, egal was auch passiert ist". Liebe und Kompetenz ist die Devise, die seit Beginn bei Emmaus gilt. "Unser Ziel ist der liebes- und arbeitsfähige Mensch".
Am 1. Oktober präsentierte die Emmausgemeinschaft St. Pölten ihr neuestes Buch "Orte der Hoffnung", in dem auf über 170 Seiten die Emmausgemeinschaft vorgestellt, aber auch ihre Entwicklung, die Projekte und Schicksale ihrer Gäste beschrieben werden.
"Man kommt heute in St. Pölten an Emmaus nicht vorbei", stellte Landtagsabgeordneter Dr. Martin Michalitsch fest und betont, dass "aus der Kirche heraus" immer wieder Vorschläge und Initiativen kommen, die vom Land gern aufgegriffen und angenommen werden. "Emmaus ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden", sagte er.

Hoffnungsort Emmaus
Gäste von Emmaus - so werden die Menschen genannt, die eine Zeit in den Emmaus-Wohnheimen oder Werkstätten verbringen - erzählten bei der Buchpräsentation in berührender Weise ihre Geschichte, ihre Verzweiflung, die sie erlebt und die Hoffnung, die sie in der Emmausgemeinschaft wieder gefunden haben. Da ist Sinar, aus Afghanistan, ein ehemaliger Teppichknüpfer. Seine Eltern wurden im Krieg getötet, er selbst konnte - damals noch als Kind - nach Österreich fliehen, fand bei der Emmmausgemeinschaft eine neue Heimat. Er lebt heute selbstständig in St. Pölten und arbeitet in einer Firma. Oder Lina, die viele Jahre in Jugendheimen verbracht hat. Über Emmaus St. Pölten hat sie wieder Anschluss an die Gesellschaft gefunden und einen Job. Luise hatte ein gesundheitliches Handycap, war viele Jahre arbeitslos und konnte über Emmaus beim Sozialmarkt "SOMA", einem weiteren Projekt von Emmaus, wieder Arbeit finden.

Emmaus - unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft
In Niederösterreich werde die gelebte und praktizierte Solidarität und Mitmenschlichkeit an der Tatsache deutlich, dass die Emmausgemeinschaft in St. Pölten bereits ihren 25. Geburtstag feiert, stellt Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll im neuen Emmaus-Buch fest. Diese Gemeinschaft stelle "aufgrund ihrer Bemühungen zur Integration sozial benachteiligter Menschen einen unverzichtbaren Bestandteil unserer Gesellschaft dar".
Bischof DDr. Klaus Küng betont in seinem Beitrag, dass die MitarbeiterInnen von Emmaus ihr Engagement inspiriert vom christlichen Geist der Nächstenliebe entfalten. Diese Liebe werde "vom Kreuz Christi getragen", schreibt der Bischof. Er hoffe, dass die Emmausgemeinschaft "auch in Zukunft die Wertschätzung und Unterstützung der Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Kirche" erfahre.