Eine Gottesdienstfeier braucht auch Erfahrungsräume

"Die Feier des Gottesdienstes in der Kirche braucht auch Voraussetzungen, um verstanden zu werden". Dies wurde beim Studientag für Kinder-, Jugend- und Familiengottesdienste mit über 200 Teilnehmern am Samstag, dem 24. November im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten einhellig betont. Das Problem ist, dass viele diese Voraussetzungen nicht mehr mitbringen. Das Wiener Jugendgottesdienstprojekt "Find-fight-follow" versucht, Jugendliche in ihrer Lebenswelt anzusprechen. Die Liturgie, so Dr. Ingrid Fischer von den Theologischen Kursen in Wien, sei im Grunde "heiliges Spiel". Dabei gelten für alle auch bestimmte Regeln, etwa der freiwilligen und aktiven Teilnahme sowie der Kenntnisse bestimmter Worte, und Handlungen. Leider, so bedauerte Fischer, sei dieser "Lernweg des Glaubens", wie es ihn einst gab - bei vielen Menschen heute nicht mehr gegeben. In diesem "heiligen Spiel" der Gottesdienste geschehe die "beglückende Begegnung" zwischen Gott und den Menschen, der sich sinnlich wahrnehmbar in sinnbildhaften und symbolischen Gesten und Worten ausdrücke. Dennoch müsse darüber hinaus auch Raum für Auswahl und Gestaltung gegeben sein.
In den Worten, Gesängen und Handlungen trete die feiernde Gemeinde über sich hinaus in die gesamte Gemeinschaft der Heiligen ein. Auch gelte es nicht, den Alltag abzubilden, sondern diesen zu verdichten und in eine neue Dimension zu heben. Denn letztlich sei diese Begegnung in der Liturgie für alle eine heilsame Begegnung, so die Referentin. Die Teilnehmer erfahren, dass diese Heilsgeschichte Gottes auch ihre eigene Heilsgeschichte mit einschließe.

Gottesdienst im Erfahrungsraum Jugendlicher

Wenn die Liturgie auch von ihrem Wesen her den menschenfreundlichen Gott in Erfahrung bringt, so lassen sich doch diese Erfahrungsräume auch gestalten, erklärte Dr. Ursula Hamachers-Zuba vom Institut für praktische Theologie der Universität Wien. Viele Jugendliche verstehen heute nicht mehr, was in der Liturgie vor sich gehe. Gotteserfahrung lasse sich zwar nicht "machen", doch können die Erfahrungsräume den Jugendlichen entsprechend gestaltet und "inszeniert" werden, wie es ihrem Verständnis entspreche.
Auch bei den Projekten der "Find-fight-follow"-Jugendgottesdienstreihe der Katholischen Jugend in Wien stehe die Botschaft Christi an erster Stelle. Erst an zweiter Stelle soll erlebbar sein, dass Gott eine Antwort auf ihre Fragen gibt und dass die Botschaft des Evangeliums für jeden Einzelnen bedeutsam sei.
Die Gottesdienste im Rahmen von "find-fight-follow" wollen die Botschaft Jugendlichen erlebbar machen. Sie verwenden junge Musik aus der Rock- und Popszene, eine Sprache, die Jugendliche verstehen, unterstützen die Feier mit Sound- und Lichteffekten, sprechen durch Videosequenzen, Pantomimen und Umfragen alle Sinne an und feiern in gefüllten Räumen, um so auch die "Dichte und Nähe" zu vermitteln, erklärt Stephan Bazalka vom Find-fight-follow-Team. "Wir setzen die Botschaft in Szene, sodass sie nicht nur ausgesprochen, sondern gleichsam in einer Handlung vollzogen wird".

Homepage der Wiener Jugendgottesdienste