Ein "neues Gewand" für die christliche Botschaft

"Die Lange Nacht der Kirchen" ist ein gemeinsames ökumenisches Zeichen, dass die Kirche lebt", betonte Dompfarrer Norbert Brumettler bei einer Pressekonferenz am 27. Mai, bei der das vielfältige Programm in den Kirchen aller christlichen Konfessionen im Gebiet der Diözese St. Pölten vorgestellt wurde. Die "Lange Nacht der Kirchen" wolle der christlichen Botschaft ein "neues Gewand geben" und ein "lebendiges und kräftiges" Kirchenbild präsentieren, so der Dompfarrer von St. Pölten.

Es gelte, das "Klischee einer alten und verstaubten" Kirche zu entkräften und das "verkrustete Kirchenbild" nach außen und nach innen aufzubrechen, erklärte Burmettler. Die Kirche wolle der christlichen Botschaft "ein neues Outfit geben" und den Menschen auf eine "neue und kreative Weise" nahebringen. Burmettler meinte, dies entspreche dem "Aggiornamento", das schon Papst Johannes XXIII. im Vorfeld des 2. Vatikanischen Konzils gefordert hatte. Die Öffnung der Kirchen sei eine "Anpassung an die Welt von heute, ohne unsere Wurzeln und unsere Identität zu verlieren."

Das Besondere der "Langen Nacht" sei das "vielfältige Angebot", sagte der evangelische Superintendent Mag. Paul Weiland. Dies sei ein Zeichen, dass Kirche lebendig sei und "heute etwas zu sagen hat". Aufgabe der Kirchen und auch ihr "besonderes Angebot" in der "Langen Nacht" sei "die Verbindung vom Wort Gottes mit den Herausforderungen unserer Zeit", erklärte Weiland.

Erfolg durch ökumenische Ausrichtung

Der Erfolg der "Langen Nacht" liege auch in der ökumenischen Ausrichtung, betonte der Superintendent: "Wir zeigen einer säkularisierten Welt, dass wir ein gemeinsames Angebot haben." Je mehr von den verschiedenen christlichen Konfessionen gemeinsam unternommen werde, desto glaubwürdiger seien ihre Angebote. "Unterschiede müssen nicht trennend sein, sondern können als vielfältiges Angebot inspirieren", betonte Weiland, und Dompfarrer Burmettler ergänzte: "Wir wollen den Menschen ein Glaubenszeugnis geben, dass wir gemeinsam unterwegs sind."

Als "Sprung ins kalte Wasser" bezeichnete der altkatholische Pfarrer Robert Freihsl die erstmalige Abhaltung der "Langen Nacht der Kirchen" in der Diözese St. Pölten. Besonders für eine kleine Glaubensgemeinschaft wie die Altkatholiken sei es anfangs schwer, ein ansprechendes Programm für eine ganze Nacht auf die Beine zu stellen. Er selbst habe jedoch schon in den Jahren zuvor in Wien Erfahrung sammeln können.
Zuerst habe, so Freihsl, in der Gemeinde die Meinung vorgeherrscht: "Keiner geht in die Kirche. Wir sind die letzten Mohikaner." Nach der Ausarbeitung eines Programms sei die Stimmung umgekippt in die Befürchtung: "Es könnte jemand kommen!" Schließlich sei es jedoch "ein sensationeller Abend" geworden. "Man konnte mit Menschen sprechen, die normalerweise nicht die Kirchenbank drücken", erzählte der altkatholische Pfarrer. "Die Kirche war zu Mitternacht voll."

Die Besucher der "Langen Nacht" würden "deswegen nicht gleich fromm" werden, meinte Freihsl. Die Menschen würden jedoch zwei wichtige Erfahrungen machen: dass Kirche "bunt, vielfältig und phantasievoll" sei und das Kirche "auch Spaß machen" könne. Auch Superintendent Weiland erklärte, dass man den Erfolg der "Langen Nacht" nicht in Zahlen messen könne. Die Veranstaltung sei jedoch "eine großartige Chance, dass Menschen neugierig gemacht werden auf die Angebote der Kirche und auf die befreiende Botschaft des Evangeliums".

Charismen der Pfarren werden sichtbar

"Bei der Erstellung des Programms stand nicht die Diözese im Vordergrund", betonte Dipl. Geol. Axel Isenbart, Generalsekretär der Katholischen Aktion und Koordinator der "Langen Nacht der Kirchen" in der Diözese St. Pölten. Das Programm sei vielmehr in den einzelnen Pfarren entstanden. "Wir haben dann gesehen, dass die Angebote sehr gut zusammenpassen und einander ergänzen." Die verschiedenen Charismen der einzelnen Pfarren seien dadurch sichtbar geworden und präsentierten sich in der "Langen Nacht", so Isenbart.

Das Angebot reicht von Kirchenführungen über musikalische Veranstaltungen, politische Themen, Kulturelles und Kulinarisches, Filme, auch Humor ("Kirchern in der Kirche" in der altkatholischen Bürgerspitalskirche) bis zu Gottesdiensten, Andachten und Meditationen. Ausführliche Programmhefte liegen in allen teilnehmenden Kirchen auf. Ein kostenloser Shuttle-Bus verbindet in St. Pölten alle Veranstaltungsorte. Von der Nordseite des Bahnhofs fährt zu jeder halben Stunde ein Bus abwechselnd in den Norden und in den Süden der Stadt und verbindet die Kirchen miteinander.

Lange Nacht der Kirchen