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"Ein kleines flackerndes Hoffnungslicht"

Als "kleines flackerndes Hoffnungslicht" sieht die Journalistin Dolores Bauer die jüngste Entwicklung zwischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem israelischen Premier Ariel Sharon. Die Menschen auf beiden Seiten seien nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen müde geworden, stelle sie vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) im Stift Herzogenburg fest. Langsam könne sich ein Klima bilden, das Hoffnung auf Zukunft hat, meint Bauer. Die Probleme beider Völker haben ihre Wurzeln in Europa, wies die Referentin hin. Als das osmanische Reich zerfiel, haben sich die Franzosen in Syrien und die Engländer in Palästina festgesetzt. Das zweite Problem sei der jahrhundertealte Antisemitismus in Europa, der zur zionistischen Idee führte, dem "Volk ohne Heimat" ein "Land ohne Volk" zu geben. Das fand sich schließlich in Palästina, wo die jüdische Bevölkerung "in Frieden und ohne Verfolgung" leben wollte.


Beginn einer gewaltsamen Geschichte


Die ersten Siedler haben versucht, das Land fruchtbar zu machen und haben dafür auch Grund und Boden gekauft. Später haben sie es sich einfach genommen, berichtet Dolores Bauer. "Sie haben die Palästinenser nicht mehr als Menschen gesehen, sondern nur als Teil der Landschaft wahrgenommen". "So schlitterte man im Nahen Osten immer mehr in die gewaltsame Geschichte hinein", stellte Dolores Bauer fest. Israel war nicht mehr das friedliche Land der Väter, sondern von Kriegen und Auseinandersetzungen geprägt. Auch die Palästinenser erkannten, dass ihnen das Land Stück für Stück abgenommen wurde und begannen sich zu bewaffnen. "Wir haben uns im Sechs-Tage-Krieg 1967 zu Tode gesiegt", zitierte Bauer den Ausspruch eines befreundeten Israelis. Seitdem glaube man in Israel, jedes Problem mit Waffengewalt lösen zu können.


Das Trauma des jüdischen Volkes


Hinter dem teils ängstlichen, teils aggressiven Verhalten sieht Dolores Bauer noch das "Trauma", das viele Juden der ersten Generation mit nach Palästina genommen haben: die Erinnerung an die Konzentrationslager, die Gaskammern, an den Holocaust. "Die Menschen sehen und verstehen sich in der Geschichte stets als Opfer", meint sie. Ein weiteres Problem sei die Uneinheitlichkeit des israelischen Volkes: sie kommen aus allen Ländern der Erde, haben keine gemeinsame Sprache oder Kultur und auch keine gemeinsame Religion oder Geschichte. "Ein buntes Gemisch aus zahlreichen Völkern, die in der ständigen Spannung, der sie ausgesetzt sind, nicht zusammenwachsen können".
Jugendliche, die etwa aus den ehemaligen russischen Staaten weg wollen, kommen ohne Perspektiven in das Land Israel. In dieser Situation sei gerade ein Krieg gegen ein anderes Volk "ein Schutz davor, dass das eigene Volk nicht auseinander bricht", meint Bauer.


Leben wie im Ghetto


Auf der anderen Seite, bei den Palästinensern, werde das Leben immer enger, sagte Bauer, die erst kürzlich von einer Palästinareise zurückgekommen ist. Trotz zunehmender Einschränkungen, auch durch den Bau der elf Meter hohen Betonmauer, habe sie gerade bei jugendlichen Palästinensern eine neue und erstaunlich nüchterne Sicht der Situation vorgefunden. "Wir müssen uns zusammenfinden und demokratische Strukturen schaffen". Da ist "eine durch Schmerz und Leid geläuterte Generation" herangewachsen, um eine neue Zukunft aufzubauen, stellt Dolores Bauer fest.


Ist der jüngste Handschlag zwischen Abbas und Sharon nicht doch ein "Polittheater"? - "Natürlich, aber ein besseres als gegenseitige Verteufelungen", sieht Bauer die noch junge und zerbrechliche friedlichere Zukunft für Israel und Palästina.