Ein Haus, ein Heim und eine Perspektive

Nach eineinhalbjähriger Bauzeit konnte das Haus der Frau in St. Pölten ein neues Zuhause für Frauen und Kinder eröffnen, die vor Gewalt fliehen müssen. Vor 20 Jahren wurde diese Initiative gegründet und feiert heuer ein trauriges Jubiläum: Die Gewalt an Frauen ist nicht weniger geworden, sondern gestiegen. Im "Haus der Frau" finden bedrohte Frauen Zuflucht und eine neue Perspektive. Dieser Tag des Jubiläums sei auch eine Mahnung an alle, dass unserer Gesellschaft noch immer solche Einrichtungen braucht, meint die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Heli Renner. Vor zwanzig Jahren war es diese Organisation, die das Haus der Frau initiiert und so mit aus der Taufe gehoben hat. Heute sei es gut, dass sich geschlagene Frauen in ihrer Not in eine solche Einrichtung, die Schutz und Hilfe bietet, flüchten können, sagte sie. Dennoch seien alle Menschen aufgefordert, alles zu tun, damit die Spirale der Gewalt gegen Frauen durchbrochen wird.

Der Bürgermeister der Stadt St. Pölten, Mag. Matthias Stadler, sieht in der Eröffnung des neuen Hauses einen besonderen Tag für die soziale Komponente der Landeshauptstadt. Er bedauert, dass heute "zu viel auf Frauen abgewälzt" werde. Über 80 Prozent der Menschen, die zu ihm um Hilfe kommen, seien Frauen, sagte er. Gerade Frauen mit finanziellen und familiären Problemen seien vielfach gefordert. In diesem Haus der Frau bekommen sie aber die "Chance eines Neuanfangs und Schutz". Der Bürgermeister betonte, dass die Stadt weiterhin diese Einrichtung unterstützen werde.

Die für Sozialfragen zuständige Landesrätin Christa Kranzl zeigte auf, dass Jahr für Jahr hunderttausende Frauen in Österreich der Gewalt ausgesetzt seien und die Gewalt an Frauen sogar im Steigen begriffen sei. In diesem Haus erhalten sie Informationen und neue Perspektiven, sagte sie.
Gewalt werde weithin noch als privates Problem gesehen, bedauerte Kranzl. Alle seien aufgerufen, wo immer Gewalt auftritt, nicht wegzuschauen, sondern dagegen aufzutreten. Allein in diesem Jahr mussten schon über 280 Wegweisungen ausgesprochen werden. Die Exekutive habe bereits in über 700 Fällen Streit schlichten müssen, sagte Kranzl. Mit diesem Haus der Frau sei aber "ein Heim, ein Haus und eine neue Perspektive" entstanden.

Landeshauptmann-Stellvertreter Liese Prokop meinte in Hinblick auf die Eröffnung dieses Hauses, dass es wirklich ein Fest wert sei, "wenn ein Projekt dieser Art gelungen ist". Das Haus sei ein Hort, wo Frauen und Kinder "wieder frei atmen und vertrauensvoll in die Zukunft blicken können ".

Bei der ökumenischen Segnung des Hauses durch Caritasdirektor Diakon Mag. Friedrich Schuhböck und der evangelischen Pfarrerin Bauke Leitner meinte diese: "Dieses Haus ist ein Haus der Nächstenliebe, das alle erlittene Not wenden soll".