Ein Haus, das lebt

"125 Jahre sind eine lange Geschichte mit unterschiedlichen Situationen, Herausforderungen, überwundenen Schwierigkeiten und eine Geschichte der Hingabe", sagte Bischof DDr. Klaus Küng zu Beginn des Gottesdienstes aus Anlass des Jubiläums "125 Jahre Schulschwestern in Zwettl" am Mittwoch, den 27. Juni im Zwettltal-Stadion. Es war noch ein kühler Morgen, als sich die Schülerinnen und Schüler der Volksschule, der Hauptschule und der Höheren Lehranstalt und Fachschulen für wirtschaftliche Berufe der Schulschwestern in Zwettl vor dem Schulgebäude trafen. Auch zahlreiche Ehrengäste, Eltern und ehemalige Schülerinnen waren zu diesem Anlass gekommen. Mit Musikbegleitung gingen die 800 Schülerinnen und Schüler sowie die etwa 100 Lehrkräfte quer durch die Stadt zum Zwettltal-Stadion, wo alle auf den Tribünen genügend Platz fanden. Auch das Wetter zeigte sich zunehmend freundlicher und die Kinder und Jugendlichen der Schule "tauten" ebenfalls schnell auf. Nach einzelnen Darbietungen, etwa der "Schulband Klosterrock" gab es sogar stürmischen Applaus.
Die Direktorinnen Elisabeth Eschelmüller für die Volksschule, OSR Sr. Elvira Reuberger für die Hauptschule und Mag. Friederike Wieseneder für die weiterführenden Schulen begrüßten die Anwesenden aus Kirche, Politik und Wirtschaft.

Zahlreiche Ehrengäste
Bischof DDr. Klaus Küng, der mit Stadtpfarrer Dechant Franz Kaiser, Kaplan Mag. P. Zbigniew Bisaga sowie den ehemaligen Zwettler Kaplänen Sepp Pichler und Johann Lagler die Messe feierte, wies hin, dass diese Feier sowohl ein Dankgottesdienst als auch ein Bittgottesdienst sei. Es gelte nicht nur für die Vergangenheit zu danken, sondern auch in die Zukunft zu schauen, sagte er.
Unter den weiteren Ehrengästen Abt Wolfgang Wiedermann vom Stift Zwettl, die Generaloberin der Schulschwestern Franziska Bruckner, die Abgeordnete zum Bundesrat Martina Diesner-Wais, Bezirkshauptmann HR Dr. Michael Widermann, Bürgermeister Herbert Prinz, Landesschulinspektor RR Ing. Leopold Rötzer, Bezirksschulinspektor Alfred Grünstäudl und Fachinspektor HR Mag. Hans Panek.

Ein Haus, das lebt
Thematisch stand die Messe unter dem Motto "Gott baut ein Haus, das lebt", worauf auch Dechant Franz Kaiser in seiner Predigt einging: "Gott baut dieses Haus mit uns Menschen", sagte er. Nachdem Sr. Karina Beneder die Geschichte vom hl. Franziskus, der das Haus Gottes in Subiaco wieder aufgebaut hatte, vorgelesen hat, bauten Lehrer und Kinder dieses "lebendige Haus" symbolisch vor dem Altar auf. Die Lehrer und älteren Schüler stellten die Mauern dar; sie nahmen die Kleinsten auf die Schultern, deren Hände das Dach bildeten. Weitere Schülerinnen und Schüler "bezogen" dieses Haus. Und als Zeichen, dass Gott in ihrer Mitte wohnt, überreichte ihnen Dechant Kaiser eine Bibel.

Erkennen, was im Leben Sinn gibt
In seinen Worten rief Bischof DDr. Klaus Küng alle auf, bei diesem "Hausbau" mitzutun. Jeder, der dabei mithelfen könne die Freude erleben und bekomme seinen Einsatz vielfach zurück. Das "Modell für dieses Haus ist Jesus Christus", wies er hin. Wer sich daran halte, werde ein schönes Haus errichten, denn der Architekt sei der Heilige Geist und alle die mitwirken, seien nur Werkzeuge, führte der Bischof diesen Vergleich weiter aus. Den Lehrern wünschte er, "Schatzgräber" zu sein, die den Schatz in jedem Kind heben sollen. Die Schülerinnen und Schüler rief er auf, Pfadfinder zu werden, die in ihrem Lernen darauf stoßen sollen, was dem Leben Sinn gibt. Er wünschte ihnen Beharrlichkeit, der guten Fährte, die sie erkannt haben, auch nachzufolgen.
Die Abgeordnete zum Bundesrat, Martina Diesner-Wais erklärte, Bildung vermittle Heimat, Schutz und Geborgenheit. Dies sei das beste Gut, was man den Kindern weitergeben könne. Bezirksinspektor Alfred Grünstäudl bezeichnete diese Schule als "fröhliche Schule des Herzens", und er hoffe, dass sie dies auch in Zukunft lebe. Generaloberin Sr. Franziska Bruckner, einst Schülerin dieser Schule, warf einen Blick zurück. Mit der Gründung der Schule in Zwettl vor 125 Jahren sei der Orden einem Anliegen der Stifterin gefolgt, stellte sie fest.

Wechselhafte Geschichte
Am 27. Juni 1882 wurde das Gebäude, das einst dem Stift Zwettl gehörte, von den Schwestern bezogen und später gekauft. Sie errichteten darin eine Lehr- und Erziehungsanstalt. Mit 15. September 1882 begann bereits der Unterricht mit zehn Schülerinnen. Im Laufe des ersten Schuljahres wurden weitere Mädchen "zur Erlernung weiblicher Handarbeiten" aufgenommen, sodass mit Schulschluss bereits 28 Mädchen das Haus verlassen konnten. Zwei Jahre später, 1884, wurde die Schule vierklassig geführt und weitere zwei Jahre später bereits sechsklassig. Das Öffentlichkeitsrecht erhielt sie Schule im Jahr 1894. Schon im folgenden Schuljahr betrug die Zahl der Zöglinge 96, wie die Chronik ausweist. Die Zahl von 100 wurde nur deswegen nicht erreicht, da für weitere Schülerinnen zuwenig Platz war. In den folgenden Jahren musste die Schule mit einem Zubau und einer Aufstockung weiter ausgebaut werden. 1913 wurde die Bürgerschule mit drei Klassen eröffnet, die dann 1927 von der Hauptschule abgelöst wurde.
In den Jahren 1938 bis 1946 wurde der Unterricht eingestellt, die Schwestern mussten das Institut, in dem eine Krankenstation für Typhuskranke eingerichtet wurde, verlassen. Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder zurückgegeben. Bereits ab Jänner 1946 konnten die Schwestern wieder mit dem Unterricht beginnen.
Noch im selben Jahr wurde dem Institut das Öffentlichkeitsrecht verliehen, eine Klasse der einjährigen Haushaltsschule geführt und ab 1950 landwirtschaftliche Fortbildungskurse abgehalten. 1953 erhielten Volks- und Hauptschule das Öffentlichkeitsrecht. Ab dem Schuljahr 1963 musste die Handelsschule dreijährig geführt werden und 1964 begann man mit einem Neubau, der 1966 feierlich eröffnet werden konnte.

Heute besuchen die Schule mit ihren verschiedenen Ausbildungszweigen über 800 Schülerinnen und Schüler. Etwa 100 Lehrkräfte sind an diesem Institut beschäftigt.

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