Ehe braucht Spiritualität

Das Sakrament der Ehe als spirituelle Aufgabe war das Thema des letzten Tages der Priesterstudientagung im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. "In dieser Spiritualität geht es um das ganze Leben", betonte der Grazer Dogmatiker Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner. Der Zusammenhang von Ehe und Spiritualität war in der Geschichte der Kirche lange Zeit nicht selbstverständlich, sagte der Dogmatiker. Man habe diese Begriffe nicht miteinander gesehen, sondern die Eheleute in einen Gegensatz zu den "Geistlichen" gestellt.
Heute wird in der Kirche die Ehe wieder mehr als Berufung erkannt und als Möglichkeit, sein Christsein zu leben, und zwar aus der Mitte des Glaubens heraus. Wenn auch in vielen Dokumenten eine Spiritualität der Ehe nicht explizit ausgeführt ist, sei sie dennoch implizit enthalten, wies Körner hin.

Die Ehe gehöre zur Schöpfungsordnung und entspreche so auch dem Plan Gottes. Die Spiritualität dürfe darin nicht eine "fromme Übermalung" sein, sondern müsse sich im konkreten und alltäglichen Leben zeigen.
Von Ehe und Familie sprechen heißt auch, von jenem Plan sprechen, den Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat, betonte Prof. Körner. Gerade in den alltäglichen Beziehungen drücke sich die Spiritualität aus, das Leben als Schöpfung Gottes wahrzunehmen und daraus bewusst zu leben, oder auch die Natur des Menschen als Verpflichtung zur Gestaltung annehmen und dem Miteinander Zeit geben, zu wachsen und zu reifen. Die Liebe selbst sei als "Eros", aber auch als "Agape" zu verstehen. Ehe und Familie bedeuten in dieser Sicht der Spiritualität auch, sie als Oasen einer neuen Schöpfung in Christus zu verstehen, etwa den Glauben als persönliche Beziehung zu leben, Ehe und Familie als Berufung zu verstehen und als Verwirklichung der Kirche im Kleinen, als "Hauskirche", und so die gegenseitige Liebe in vielen kleinen Schritten einzuüben.

Im Trauungsritus zeigt sich deutlich, so Körner, dass Ehe nicht nur auf der Gefühlsebene bestehen kann, sondern auch Entscheidung, Treue und Verantwortung in sich bringt. Diese zu verwirklichen seien ebenso Aspekte der Spiritualität der Ehe, führte er aus. Die Liebe sei im Sinne des Evangeliums die Möglichkeit, Bereitschaft und Entscheidung zu schenken und die Chance, dem Leben eine Gestalt zu geben.
Die Kinder seien in dieser Sicht der Spiritualität ein Aspekt, dass sich die Ehe nicht als ein in sich geschlossener Kreis erlebt, sondern sich zu einem "Mehr an Leben" hin öffnet, Leben schenkt und den Kindern Raum zur Entfaltung gibt, auch wenn sich die Eltern selbst dabei einschränken müssen.
Die Spiritualität wird immer auf Christus hin ausgerichtet sein müssen, betonte Körner abschließend. Wo die Liebe gelebt wird, wird die Beziehung zur Wirklichkeit, auch wenn letztlich alles Fragment bleibt.