Drei Bischöfe beim Kirchweihfest

Diözesanbischof DDr. Klaus Küng und der Diözesanbischof von Feldkirch, Dr. Elmar Fischer, feierten mit Pfarrer Johannes Schörgmayer und der Gemeinde von Gutenbrunn das 250-Jahr-Jubiläum der Kircheweihe der Pfarr- und Wallfahrtskirche Heiligenkreuz. Der Gründer Franz Xaver Anton Marxer, Weihbischof und Generalvikar von Wien, stammte aus Tisis nahe Feldkirch, in dessen unmittelbarer Nähe sich auch der Geburtsort von Bischof Fischer befindet. Weihbischof Dr. Anton Leichtfried kam in seiner Funktion als Regens des St. Pöltner Priesterseminars, da Marxer in Heiligenkreuz auch ein Priesterseminar einrichtete, das bis zur Aufhebung durch Kaiser Josef II. im Jahr 1783 existierte.

Weihbischof Marxer sei "in einer Zeit großer Probleme und Sorgen der Kirche" die Erneuerung der Kirche ein Anliegen gewesen, erklärte Bischof Küng. Auch früher habe es immer wieder große Schwierigkeiten gegeben, die die Kirche zu überwinden gehabt habe. Deswegen sei es auch heute notwendig, sich für die Erneuerung der Kirche einzusetzen. So wie die Heiligenkreuzer Kirche zum Jubiläum innern renoviert wurde, benötigten auch wir eine "Renovierung der Herzen", betonte Küng: "Das Wichtigste ist, Gott zu erkennen." Als Früchte dieser "Renovierung" nannte Küng die Stärkung der Familie und geistliche Berufungen.

Ein Vorbild in "christlicher Menschlichkeit" nannte Bischof Elmar Fischer seinen Landsmann Marxer, der mit zwei Lottogewinnen dreifach Gutes gewirkt habe: Als Generalvikar von Wien wurde Marxer von Kaiser Karl VI. mit der Reorganisation des Armenwesens betraut. Aus den Mitteln seiner Gewinne gründete er unter anderem 1742 das erste Wiener Waisenhaus am Rennweg. Zum zweiten habe Marxer im Bau der Wallfahrtskirche und der Einrichtung des Priesterseminars erkannt, dass es "vor allem gilt, Gott zu ehren", wie Fischer betonte. Schließlich habe er mitgeholfen, das in den Türkenkriegen völlig zerstörte Gutenbrunn wieder aufzubauen. Marxer sei ein Vorbild für uns, "im Blick auf das Gute das zu tun, was wir können", so Fischer. Wie Küng hob auch der Vorarlberger Bischof die Notwendigkeit zur Erneuerung hervor: "Es braucht immer wieder Umkehr. Je nach Begabung sind wir dazu aufgerufen, Licht hineinzubringen in unsere Welt."

Weihbischof von Wien als Lottogewinner

Franz Xaver Anton Marxer wurde 1703 in Heilig-Kreuz bei Tisis, heute ein kleiner Stadtteil von Feldkirch, geboren. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Feldkirch und dem Studium in Wien wandte sich Marxer vor allem sozialen Belangen zu. Gleichzeitig stieg er rasch in der kirchlichen Hierarchie auf: 1738 wurde er Domherr zu St. Stephan, 1748 erfolgte seine Weihe zum Titularbischof von Chrysopolis, ein Jahr später die Ernennung zum Weihbischof und Generalvikar von Wien. Als Dompropst von St. Stephan (ab 1753) fungierte Marxer gleichzeitig als Kanzler der Universität Wien.

Durch Lotteriegewinne vermögend geworden erwarb Bischof Marxer 1754 mit Schloss Gutenbrunn auch eine Wallfahrtskapelle. Um der mit einem Gnadenbild verbundenen Marienverehrung einen angemessenen Rahmen zu verleihen, ließ er durch den Hildebrandt-Schüler Johann Ohmeyer nach dem "Vorarlberger Münsterschema" eine Kirche errichten, die 1758 geweiht wurde. In Erinnerung an seine Geburt in Heilig-Kreuz nannte er den Ort Heiligenkreuz. Den einschiffigen, mit Rokokodekoration versehenen Kirchenraum überspannen vier Platzlgewölbe und eine große Flachkuppel in der Mitte, die von Franz Anton Maulbertsch mit Deckengemälden vollendet wurden.

Die Glanzzeit von Heiligenkreuz fiel in die Jahre 1758 bis 1775, als es zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort wie Mariazell und Maria Taferl wurde. 1767 wurde der Westtrakt des Schlosses zu einem Priesterseminar für Unterösterreich (der damals riesigen Diözese Passau) ausgebaut. Das Seminar durfte nur bis 1783 bestehen, als es im Zuge der radikalen Reformen von Kaiser Josef II. aufgelöst wurde. Erst nach dem Tod Josefs II. konnte 1791 das Priesterseminar in St. Pölten neu eröffnet werden, nachdem dort bereits seit 1785 ein "Pastoraljahr" für die angehenden Priester eingerichtet war.