"Die Stärke liegt im Gemeinsamen"

Als sichtbares Zeichen der Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West weihten der Wiener Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, und der ukrainisch-unierte Großerzbischof von Kiew, Kardinal Lubomyr Husar, eine byzantinische Kapelle im International Theological Institute in Gaming, Niederösterreich. "Wir haben alle verschiedene Gaben, mit denen wir zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen", sagte Kardinal Husar, "Wir müssen nicht alle gleich sein: Unsere Stärke liegt darin, dass wir gemeinsam handeln."

Nach der Weihe konzelebriere Kardinal Schönborn als Großkanzler der Hochschule und als Ordinarius für die unierten Ostkirchen in Östrreich mit Kardinal Husar und weiteren sieben Bischöfen aus der Ukraine, aus der Slowakei und aus Rumänien einen Gottesdienst im byzantinischen Ritus. DDr. Klaus Küng war als Diözesanbischof zu einem gemeinsamen Essen am Vorabend in Gaming geladen.

Das International Theological Institute for Studies on Marriage an the Family (ITI) wurde 1996 auf Anregung von Papst Johannes Paul II. in der Anlage der ehemaligen Kartause Gaming gegründet. Johannes Paul II. war es immer ein besonderes Anliegen, dass die Kirche "mit beiden Lungen atmet", also Ost- und Westkirche zusammenarbeiten. "Das ist auch im ITI von Anfang an betont worden", erklärte Mag. Christiaan Alting van Geusau als Sprecher des Präsidenten des ITI, Msgr. Prof. Dr. Larry Hogan.

Die Studierenden an der Päpstlichen Hochschule kommen aus 20 verschiedenen Ländern in aller Welt, die Hälfte von ihnen aus Osteuropa. Die große Zahl der Studenten aus unierten Ostkirchen habe in Gaming von Anfang an die Messe nach dem byzantinischen (oder griechischen) Ritus gefeiert, so Mag. Alting van Geusau: "Es bestand also die Notwendigkeit eines eigenen Sakralraumes." Seit zehn Jahren ist einmal pro Woche ein ukrainisch-unierter Priester, Nikolai Hornykiewicz, aus Salzburg gekommen, um in der dafür adaptierten römisch-katholischen Kirche der Kartause die "Göttliche Liturgie" der hl. Johannes Chrysostomos zu zelebrieren.

2004 wurde mit den Arbeiten an einer eigenen Kapelle begonnen. Die Studenten des Institutes haben das Projekt selbst durchgeführt und dafür Spenden gesammelt. "Die Priesterstudenten am ITI lernen auch Ikonenmalerei", erklärte van Geusau. So haben zwei Studenten, Iona Gotia aus Rumänien und Tomas Labanic aus der Slowakei die Malereien in der Kapelle nach den genauen Vorgaben der byzantinischen Spiritualität angefertigt.

"Die Bedeutung der Weihe dieser byzantinischen Kapelle geht weit über den Ort hinaus", betont van Geusau, "Sie ist ein Zeichen dafür, daß die römische und die griechische Tradition zusammen einen großen Reichtum haben." Die Studenten des Institutes nehmen die Erfahrungen aus der westlichen und der östlichen Spiritualität mit. "Das ist wichtig für die Annäherung nicht nur der verschiedenen Traditionen innerhalb der katholischen Kirche, sondern auch zwischen dieser und der Orthodoxie."

Neben Kardinal Husar waren zur Feier angereist Bischof Virgil Bercea (Oradea Mare, Rumänien), Bischof Irynej Bilyk (Buchach, Ukraine), Bischof Milan Chautur (Kosice, Slowakei), Bischof Hlib Lonchyna (Apocrisario-Prokurator, Ukraine), Bischof Alexandru Mesian (Lugoj,Rumänien), Bischof Milan Sasik (Mukachevo, Ukraine) und Bischof Volodymyr Vijtyshyn (Ivano-Frankivsk, Ukraine).