Die Pfarrgemeinde - ein lebendiges Zentrum

„Die christliche Gemeinde hat hier ein Zentrum. Aber jeder einzelne muss mittun, damit es lebendig bleibt“. So Bischof DDr. Klaus Küng in seiner Predigt bei der Wiedereröffnung der Pfarrkirche von Weitra nach der Innenrenovierung.
Die Pfarrkirche Weitra ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht und in diesem „Paulusjahr“ eine der sieben „Ablasskirchen“ in der Diözese St. Pölten. Während der Sanierungsarbeiten seit Anfang Juli war die Kirche geschlossen. Im Rahmen der Renovierungsarbeiten wurden bauliche Maßnahmen gesetzt, der gesamte Innenraum der Kirche neu ausgemalt, die Elektroinstallationen erneuert, die Heizung instand gesetzt und die wertvollen spätgotischen Fresken restauriert. Von den Kosten, die insgesamt etwa 120.000.- Euro betragen, hat die Pfarrbevölkerung durch Spenden und Eigenleistungen bisher etwa 20.000.- aufgebracht, Auch das anschließende Pfarrfest und weitere Aktionen in der Pfarre, etwa ein benefizkonzert im Schloss Weitra, unterstützen dieses Projekt.
Neben der Innenrenovierung der Kirche wurde von der Stadtgemeinde auch der Kirchenplatz neu gestaltet. Mit Hinweis auf die nun neu und hell ausgemalte Kirche, sagte der Bischof, dass sich jeder Mensch immer wieder auch innerlich erneuern müsse. „So entsteht dann Gemeinde, ein Ort, wo man zuhause ist“.

Gemeinschaften - ein großes Anliegen unserer Zeit

Es sei eingroßes Anliegen unserer Zeit, dass sich lebendige Zentren bilden, wo der Glaube verkündet werde und sich die Gläubigen untereinander verbunden wissen, führte der Bischof weiter aus. Es sei wichtig, dass die Menschen füreinander da seien. Eine echte Pfarrgemeinde sei aber nur dort, wo auch gebetet werde und Gottes Wort Richtschnur sei. Mit dem Verweis auf das anschließende 30. Pfarrfest von Weitra erklärte Bischof Küng, dass es gut sei, solche Feste zu feiern. Es sei für die Menschen notwendig, sich zu sammeln und sich dabei auf die Mitte zu besinnen, die Gott sei.
Für ihren langjährigen und engagierten Ensatz in und für die Pfarre konnte Bischof DDr. Klaus Küng sieben Personen Dank und Anerkennung aussprechen, bzw. das Ehrenzeichen des heiligen Hippolyt überreichen.

Ein pastorales und kulturgeschichtliches Zentrum

Dözesanbaudirektor Dipl. Ing. Wolfgang Pfoser bescheinigte den Firmen, die bei der Restaurierung beschäftigt waren und überwiegend aus der Region stammen, eine hervorragende Arbeit und stellte eine Lösung für die noch offene Sanierung bzw. Neuerrichtung des Turmhelmes für das kommende Jahr in Aussicht.
Dr. Wolfgang Huber vom Bundesdenkmalamt bescheinigte der Kirche von Weitra, „ein pastoral und kulturgeschichtlich bedeutendes Zentrum des Ortes“ zu sein.
Auch der Abgeordnete zum NÖ Landtag, Ing. Johann Hofbauer unterstrich, dass es gemeinsame Aufgabe des Landes und der Diözese sei, mitzuhelfen, damit die Gotteshäuser „im ganzen Land schön, hell und einladend seien“.

Singt dem Herrn ein neues Lied … Mit diesem Eingangslied eröffnete der Kirchenchor Weitra die Festmesse und sorgte mit der Piccolominimesse von Wolfgang A. Mozart dass die liturgische Feier ein besonderer Höhepunkt wurde.

Ausstellung zur Pfarrgeschichte

Nach dem Gottesdienst fand im weitläufigen Pfarrgarten das 30. Pfarrfest statt. Ein Pfarrfest wird seit dem Neubau des Pfarrheimes jährlich durchgeführt. Der Reinerlös des festes, an dem hunderte Menschen aus der Stadt sowie der Umgebung teilnahmen, dient ebenfalls der Kirchenrestaurierung.
Als besonderen Höhepunkt stellte Univ. Prof. Dr. Herbert Knittler sein Werk über die „Urbarialaufzeichnungen der Weitraer Pfarrkirche aus dem 14. und frühen 15. Jahrhundert“ vor. Dieses Werk beinhaltet Aufzeichnungen, die bemerkenswerte Einblicke in den Besitzstand, die Ausstattung der Stadt mit Handwerkern und Gewerbetreibenden in der damaligen Zeit, aber auch über die Ausbildung der Familiennamen geben. Das Werk ist in der Reihe Waldviertler Heimatland erschienen.
In einer angeschlossenen Ausstellung im Pfarrhof waren viele Schriften, Pläne und Aufzeichnungen aus der Geschichte der Pfarre zu sehen, darunter ein Schreiben von Johannes Capistran mit Sigel und eigenhändiger Unterschrift des Heiligen, ein Brief des Kardinals Silvio Piccolomini, des späteren Papstes Pius II. von 1453 und die Weiheurkunde vom 20. September 1439 nach der Erweiterung der Kirche.
Pfarrer Mag. Leszek Bubinski und der Historiker HR Dr. Wolfgang Katzenschlager, der diese Ausstellung eingerichtet hat, überreichten dem Bischof zum Dank für sein Kommen ein Faksimile dieser historisch bemerkenswerten Urkunde.