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"Die Ökumene ist in der Krise, wenn die Christen in der Krise sind"

"Die Ökumene ist dann in der Krise, wenn wir als Christen in der Krise sind", stellte der vormalige Bischof der evangelischen Kirche in Österreich, Mag. Herwig Sturm, bei einem Vortrag auf Einladung des Forum XXIII in St. Pölten fest. Trotz vieler und bedeutender Fortschritte in der Ökumene sei derzeit "die Einheit im Glauben und die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie noch eine Vision", bedauerte Sturm. "Wir brauchen in dieser Frage dringend einen Fortschritt der katholischen Theologie", betonte er. "Ich sehe keine Zukunft in der Ökumene, wenn man in dieser Frage keine neue Sprache findet". Auch von evangelischer Seite sei "noch einiges zu tun", sagte Sturm und verwies auf das Verständnis des Amtes.

In seinen weiteren Ausführungen wies Sturm auf Geschichte seit der Gründung des ökumenischen Rates der Kirche im Jahre 1948 in Amsterdam hin. "Christen aus allen Teilen der Erde und aus allen christlichen Traditionen dankten am 17. Februar in Genf Gott für die Gründung des Ökumenischen Rates 1948 in Amsterdam", sagte Sturm. In seiner Festpredigt habe Patriarch Bartholomaios I. die Spaltungen der Christenheit als "skandalös" bezeichnet. Er bekräftigte dabei auch die Bestrebungen der Kirchen, "in der Gnade Gottes zur Einheit im Glauben und zur gemeinsamen Teilhabe an der Eucharistie zu gelangen".

Bereits im 19. Jahrhundert gab es Initiativen, die Einheit der Kirchen anzustreben. Erst im 20. Jahrhundert hätten "die Hirten selbst" diese Bestrebungen aufgegriffen. Die Krise der Ökumene, die seit der Spaltung der Kirchen bestehe, so Sturm, sei gleichzeitig auch ihre Chance: "Wir sollen auf das Gebet Jesu hinhören: ‚Dass alle eins seien in dir!’ - wir dürfen uns mit der Spaltung nicht abfinden". Die gemeinsame Suche nach dieser Einheit würde die Christen insgesamt stärken, unterstrich der vormalige Bischof der evangelischen Kirche. Dabei sei aber die Trennung am Tisch des Herrn "eine große Wunde, die sehr tief schmerzt". Trotz dieses Schmerzes müsse man auch sehen, was in der Ökumene schon alles möglich geworden sei.
Mache Kirchen bejahen zwar die Ökumene, wollen dabei aber ihr eigenes Profil unverändert beibehalten. Manchmal stehe auch ein Nicht-wollen der Ökumene entgegen, merkte Sturm an. Bei manchen jüngsten Erklärungen aus Rom habe er, "den Eindruck", dass die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Ökumene und die Entwicklung danach fast umsonst gewesen seien. Die katholische Kirche und die russisch-orthodoxe Kirche haben bei der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen im Jahr 1948 noch gefehlt. Die russisch-orthodoxe Kirche habe heute noch Bedenken, dass durch die Ökumene der Säkularismus eindringen und der Glaube nivelliert werden könne.
In der Katholischen Kirche habe das Dekret des Zweiten vatikanischen Konzils über den Ökumenismus eine neue Diskussionsbasis geschaffen. Sturm erinnerte an Kardinal König der 1964 die Stiftung Pro Oriente als "wichtigen Baustein der Ökumene in Europa" gegründet habe. Seit 1994 ist die Katholische Kirche in Österreich - als einzige in ganz Europa - auch Vollmitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Als besonderen Meilenstein für die Ökumene bezeichnete Sturm die 1967 begonnenen ökumenischen Morgenfeiern im österreichischen Rundfunk, die über dreißig Jahre bestanden haben und für die über 1000 Sendungen gestaltet wurden. Sie haben "wesentlich zur Ökumene beigetragen". Sturm hob auch die Charta Oecumenica aus dem Jahr 2001 als wichtigen Schritt hervor und vor allem das gemeinsam verfasste Sozialwort der Christlichen Kirchen im Jahre 2003. Das Zeugnis der Ökumene der Welt zu glauben, sagte Sturm. Diese Kraft der Ökumene müsse auch in Zukunft weitergeschrieben werden.