Diakone - wichtige Säulen der Pastoral

Diakone verdichten in amtlicher Weise das, was bereits Grundmerkmal der Kirche ist. Dies betonte der Wiener Pastoraltheologe Prof. Dr. Paul M. Zulehner bei der Österreich-Tagung der Ständigen Diakone und ihrer Ehefrauen am 27. Oktober im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Über 180 Teilnehmer aus ganz Österreich waren zu dieser zweijährlich stattfindenden Tagung gekommen. Unter den Teilnehmern Referatsbischof Dr. Alois Schwarz, die Weihbischöfe Dr. Heinrich Fasching, Vorsitzender der Diözesankommission für den Ständigen Diakonat, Dr. Anton Leichtfried sowie der Direktor des Propädeutikums in Horn, Prl. Mag. Franz Schrittwieser.

Die Ständigen Diakone sind in der heutigen Kirche ein relativ junges Amt, das durch das Zweite Vatikanische Konzil wieder eingeführt wurde. Es sei in seiner Entwicklung "noch lange nicht am Ende", unterstrich Zulehner.
Zulehner brachte in seinen Ausführungen Auszüge aus drei Studien über das Diakonenamt in den Jahren 2000 bis 2006. In diesem Zusammenhang betonte der Pastoraltheologe, dass gerade der Religionsunterricht und Jugendarbeit zu den wichtigsten Aufgaben der Kirche heute gehören. Diese Bereiche würden laut Studie von den Diakonen kaum als diakonale Aufgabe gesehen. Zulehner wies hin, dass es in Europa kaum ein anderes Land gebe, in dem die Jugendlichen so weit weg von der Kirche seien wie in Österreich. Er rief die Diakone auf, sich künftig verstärkt mit dem Bereich Jugend zu befassen, auch wenn diese zu den "pastoral schwierigsten Aufgaben von heute" gehöre. Was heute bei der Jugend zähle, seien "klare Projekte", die auch von älteren Personen initiiert werden könnten, meinte er. In der anschließenden Diskussion bezeichnete dies der Pastoraltheologe als "besondere Herausforderung für den Berufsstand" der Diakone. Wenn eine Gemeinde diakonaler werden sollte, brauche die Diakone aber auch Wissen und Kompetenz im Projektmanagement.

In seinen Ausführungen stellte Zulehner dann vor allem die Spiritualität der Diakone in den Vordergrund, die eine "Spiritualität der offenen Augen" sein soll. Der Diakon sollte "hinschauen, wo andere wegschauen", er soll erkennen, "wo Leben umkommt statt aufkommt", wo Kranke der Hilfe bedürfen. Er sollte aber ebenso analysieren können, eine "Spiritualität des wachen Verstandes" haben und sich Kompetenz in sozialen und ethischen Fragen aneignen. Darüber hinaus, so Zulehner, brauche er ein "betroffenes Herz", er soll mitleiden, wo Menschen leiden und in Not sind. Und schließlich bedürfe er einer "Spiritualität der starken Hände", sich nach seinen Fähigkeiten einzusetzen. Zulehner stellte abschließend die offene Frage, in welche Bereiche die Kirche heute und künftig ihr "diakonisches Potential" investiere.
Laut Umfragen seien die Diakone "entgegen dem allgemeinem Trend" "jenseitsoffene Männer", solidarisch ausgerichtet und weniger auf Sicherheit und Selbstbezogenheit bedacht. In ihrem Amtsverständnis sehen sie sich als Brücke, als Diener für Menschen in Not oder auch als Zeichen der Solidarität und als Mithelfer in der Liturgie. Daraus lassen sich, so Zulehner, drei "ähnlich gelagerte Typen" herauslesen, die nicht voneinander zu trennen sind. So seien die meisten zum Typus des Propheten zuzuordnen, die weltliche Ziele mit religiösen zu verbinden suchen und für Veränderung in den Strukturen eintreten. Der Typus des Leviten sei eher auf den Priester orientiert und der "Samariter" vor allem zu jenen Menschen, die in Not sind.

Bereits bei der Begrüßung zur Tagung hatte Bischof DDr. Klaus Küng die Diakone als "wichtige Säulen der Pastoral" bezeichnet. Insgesamt gibt es heute in ganz Österreich etwa 550 Diakone.
In der Diözese St. Pölten wurden seit der neuerlichen Zulassung zum Diakonat 71 Ständige Diakone geweiht. Die ersten vier erhielten am 4. Oktober 1970 von Bischof Dr. Franz Zak die Diakonenweihe. Der Arbeitsbereich der Diakone ist heute sehr vielfältig und reicht von Pfarrassistent, Religionslehrer, Krankenseelsorger bis zu liturgischen Aufgaben.
In der Diözese St. Pölten gibt es derzeit 64 Diakone, 15 sind hauptamtlich angestellt, zwei in Teilzeit, sieben aus Altersgründen entpflichtet. Der Rest nimmt neben einem Zivilberuf den diakonalen Dienst ehrenamtlich wahr. Derzeit befinden sich 14 Kandidaten zum Diakonenamt in Ausbildung.