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Der Traum vom guten Leben

Acht philippinische Projektpartnerinnen der Katholischen Frauenbewegung reisen derzeit durch Österreich, um über ihre Situation und die Projekte der österreichischen Kath. Frauenbewegung in ihrem Land zu informieren. Treffen gab es diesmal in Krems und St. Pölten. Vor einem Jahr waren Frauen aus Österreich auf den Philippinen und besuchten die von ihnen finanzierten Projekte. Die 36-jährige Maria Coracon Bantog Carido ist eine von ihnen. Heute arbeitet sie im katholischen "Center for Overseas Workers", dem kirchlichen Zentrum für Überseearbeiterinnen in der Stadt Davao, das von der Kath. Frauenbewegung Österreich unterstützt wird. Beim Infoabend in der Pfarre St. Pölten-Spratzern schildert sie ihre Arbeit und persönlichen Erlebnisse als einstige Fremdarbeiterin im Libanon.

Viele Philippinos gehen ins Ausland um zu arbeiten, erzählt sie. Armut, fehlende medizinische und soziale Versorgung im Land, lassen viele auf ein besseres Leben hoffen. Auch "Mico", wie sich Maria Coracon Bantog Carido kurz nennt, gehörte dazu. Sie verließ Mann und Tochter und wollte durch die Arbeit im Ausland Geld für ihre Familie verdienen. Eine Agentur vermittelte sie nach Libanon als Haushaltshilfe. Was sie dort erwartete, war die Hölle: von Morgens bis Abends kochen, putzen, bügeln, in der Fabrik aushelfen, ohne geregelte Arbeitszeiten und ohne den versprochenen Lohn. Sie wurde auch geschlagen. Sie konnte nicht mehr zurück und war verzweifelt. Da sprang sie aus dem Fenster. Der Arbeitgeber konnte das vor der Polizei als Selbstmordversuch darstellen. Mico wurde medizinisch erstversorgt und konnte über die Hilfsorganisation für Auslandsarbeiterinnen wieder nach Hause fliegen. Im Center in Davao bekam sie ärztliche und soziale Hilfe und eine Chance auf eine Arbeit. Nun arbeitet sie selbst dort, um verzweifelten Heimkehrerinnen zu helfen oder auch die zurückgebliebenen Kinder zu betreuen. "Wir machen die Menschen auf ihre Rechte aufmerksam, helfen ihnen und versorgen sie medizinisch", erzählt sie. Das Zentrum für Überseearbeiterinnen (C.O.W.) bietet den Heimkehrerinnen Ausbildungsprogramme an, damit sie wieder leichter einen Arbeitsplatz finden. Es werden Spargruppen gefördert, die Zugang zu Mikrokrediten zur Gründung von Kleinstunternehmen, etwa einer Wäscherei oder einem Saristore, eröffnen. Auch ihre mittlerweile 19-jährige Tochter hilft bereits im Zentrum mit. Die Katholische Frauenbewegung will mit Hilfe des Familienfasttages dieses Zentrum in Davao weiter unterstützen.

Die Migration ist eines der größten Probleme auf den Philippinen, erzählt Mico. Von den 80 Millionen Einwohnern auf den Philippinen sind 8 Millionen als Migranten im Ausland. Tag für Tag wandern 4.000 Einwohner in der Hoffnung auf ein besseres Leben ins Ausland, nach Japan, Amerika, Europa oder in den nahen Osten.

Die acht Gäste von den Philippinen arbeiten in unterschiedlichen entwicklungspolitischen Projekten, die von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs unterstützt werden. Es handelt sich um Bildungs- und Gesundheitsprojekte, Frauenförderungsprogramme, Kleinwebereien für indogene Minderheiten und um Rehabilitationszentren.