Der Papst - Mitarbeiter der Wahrheit

Als "Mitarbeiter der Wahrheit" bezeichnete Prof. Dr. Josef Kreiml das Bestreben und die Grundüberzeugung des neuen Papstes Benedikt XVI. bei einem Vortrag in der Hochschule St. Pölten. Der Papst sei der Überzeugung, dass das Christentum auch in Zukunft "Überlebensorte der Menschlichkeit" bilden werde. Dies habe er in all seinen Werken und bei vielen Vorträgen ausgedrückt, wies Kreiml hin. Die Kirche werde künftig nicht mehr die Lebensform der gesamten Gesellschaft sein, sondern in der heutigen säkularen Gesellschaft eher eine Gegenbewegung darstellen. Dabei werde die Glaubensentscheidung für den Einzelnen nicht leichter, sondern vielmehr "persönlicher, aber auch schwieriger". Damit erhalte das Christentum für die Gegenwart wieder eine neue Dramatik, weist Kreiml hin


Als grundlegend in den Gedanken von Papst Benedikt XVI. nennt Kreiml dessen Überzeugung, dass die Freiheit des Menschen nur in einem Mit-sein und Für-sein gegenüber anderen Menschen bestehen könne. Diese christliche Freiheit habe Ratzinger theologisch auch in der Trinität begründet, führte Kreiml aus.


Kritisch sei die Haltung Ratzingers gegenüber einem modernen Relativismus, der zu einem zentralen Problem der Gegenwart geworden sei. Dabei spreche sich der Papst für einen neuen dialogischen Umgang von Glaube und Philosophie aus.


In Hinblick auf die EU-Verfassung habe Ratzinger in einer seiner jüngsten Vorträge erklärt, dass eine Erwähnung der christlichen Wurzeln Europas nicht die anderen Religionen verletzen würde. Vielmehr würde das der Versuch tun, eine Gesellschaft ohne Gott zu schaffen. Der Gegensatz bestehe seiner Überzeugung nach nicht zwischen verschiedenen religiösen Gemeinschaften, sondern vielmehr zwischen der radikalen Emanzipation von Gott und sämtlichen großen religiösen Kulturen.