Der Mensch in der Mitte

"Das geistige Klima einer neuen Weltoffenheit kennzeichnete seine theologischen Bemühungen". So Univ. Prof. DDr. Johann Reikerstorfer bei der Akademischen Feier zum Gedenken an den Fundamantaltheologen Dr. Joseph Pritz, einem der bedeutendsten Theologen der Diözese St. Pölten der jüngsten Vergangenheit. Die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten gedachte seiner anlässlich seines 30. Todestages. Pritz wurde 1913 bei Emmersdorf in der Wachau geboren und wirkte in der Diözese St. Pölten ab 1936 als Kaplan in verschiedenen Pfarren, als Domkurat in St. Pölten und als Rektor im Bischöflichen Seminar Melk. Von 1949 bis 1962 war er Professor für Dogmatik in St. Pölten und von 1964 bis 1974 ordentlicher Professor für Fundamentaltheologie in Wien. Von 1962 bis 1974 supplierte er Fundamentaltheologe in St. Pölten. Am 17. Dezember 1977 starb Prof. Joseph Pritz nach langem Leiden.
In St. Pölten geht die Wiedereinführung der jährlichen Thomasakademie auf seine Initiative zurück Die wissenschaftlichen Arbeiten von Joseph Pritz konzentrierten sich auf die Aufarbeitung der Theologie des 19. Jahrhunderts, vor allem der Wiener Theologischen Schule und ihres Begründers Anton Günther. Pritz versuchte dabei, die Theologie Anton Günthers und die Ansätze des Zweiten Vatikanischen Konzil miteinander zu verbinden.

Pritz war nicht nur Theologe und Wissenschafter, sondern auch "vielen ein geistlicher Begleiter", beschrieb Reikerstorfer seinen Vorgänger am Wiener Institut für Fundamentaltheologie. Sein großes Anliegen galt der "Zusammenführung von Glaubenswelt und Lebenswelt, von Spiritualität und Welterfahrung". Pritz lebte, dachte und lehrte in einer Zeit gesellschaftlicher, kirchlicher und theologischer Umbrüche, skizzierte Reikersdorfer die damalige Zeit. Für Pritz ist die Offenbarung Gottes mitten in der Geschichte des Menschen geschehen, weshalb er auch den Menschen in die Mitte seiner theologischen Reflexion stellte. Es war auch die Zeit der "anthropologischen Wende" der Theologie, die sich von der traditionellen Schultheologie der Neuscholastik löste und dem Denken der Neuzeit zuwandte. Pritz rang sich auf seinem geistigen Weg "zu einer weltoffenen Theologie aus der Mitte des Glaubens selbst heraus durch", betonte Reikerstorfer in seinem Festvortrag.

Der emeritierte Weihbischof Dr. Heinrich Fasching, Mitherausgeber der 460 Seiten umfassenden Gedenkschrift präsentierte anschließend dieses Werk "In der Freiheit des Geistes" zum 30. Todestag von Josef Pritz "an einer seiner langen Wirkungsstätten", wie er erklärte.
Die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, HR Dr. Christine Mann zeichnete ein persönliches Bild ihrer Einnerungen an Dr. Pritz. Sie hob dabei vor allem seine Wertschätzung allen gegenüber hervor sowie seine Treue, die sich in seinem ganzen Denken und Handeln ausdrückte.
Bischof DDr. Klaus Küng bezeichnete Dr. Josef Pritz als einen jener Männer, die der Diözese eine Prägung und damit eine Identität geben. "Er gehört zu den hervorragendsten Priestergestalten des vorigen Jahrhunderts", sagte er.

Gedenkschrift an Johann Pritz:
In der Freiheit des Geistes
Herausgegeben von Johann Reikerstorfer und Heinrich Fasching
in der Reihe Religion - Kultur - Recht Nr. 8
Verlag Peter Lang, Frankfuth/Main 2007, ISBN 978-3-631-56886-6
Preis: 43,20 €
Mit biografischen Notizen, einen Beitrag über Denken und Lehre Joseph Pritz sowie Auszüge aus seinen Schriften und Erinnerungen von seinen Schülern.
"Joseph Pritz hinterlässt auch für unsere Zeit das Vermächtnis einer Theologie, die um ihre Einbindung in das kirchliche Leben weiß und die in der gesuchten Einheit von lehre und Leben ihrem Auftrag gerecht zu werden sucht", schreibt Bischof DDr. Klaus Küng in seinem Geleitwort.