Der designierte Weihbischof Anton Leichtfried zu verschiedenen Fragen

Der designierte Weihbischof Anton Leichtfried ging in der Pressekonferenz am Freitag weiters auf den Priestermangel, die Situation im diözesanen Priesterseminar, auf seine Anliegen und ein Schlüsselerlebnis ein, das eine große Dankbarkeit für sein Leben bewirkt hat. "Priesterberufung ist ein Geschenk"

Angesprochen auf das Problem des mangelnden Priesternachwuchses meinte der designierte Weihbischof, dass "Priester sein nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung" sei: "Es ist ein freies Geschehen zwischen Gott und einem Menschen. Das ist einmal ein Bereich, wo ich überhaupt nichts machen kann, sondern es ist ein Geschenk." In dem Bereich, wo etwas zu machen sei, betreffe das alle in der Diözese: Notwendig wäre insgesamt ein Klima, in dem der Glaube und auch der Priesterberuf ein gutes Ansehen hätten. "Alles, was beiträgt zu einer Stärkung eines ehrlichen Glaubens und zur Stärkung von Idealismus wird beitragen auch für Priesterberufungen. Ich brauche als Priester einen starken Glauben. Wir brauchen ja nicht Funktionäre, sondern Zeugen des Glaubens. Es muss ein ehrlicher gesunder Glaube sein. Und ich brauche Idealismus. Ich kann nicht einfach einen billigen Job anstreben."

Initiativen aus der Berufungspastoral für junge Erwachsene werde man fördern - zur Stärkung des Glaubens und damit sie auf den Ruf Gottes hören. - "Es muss ja nicht immer ein Priesterberuf sein, so Leichtfried. Wichtig wäre, ehrlich mit Gott in Kontakt zu sein.


Priesterseminar St. Pölten:
Klima im Haus "gesund und herzlich"

Als Regens des Priesterseminars könne er nicht froh sein über die zurzeit geringe Anzahl von Seminaristen, sagte Leichtfried. Bedingt durch die unterschiedlichen Ausbildungsvorgänge wären von den derzeit zehn Seminaristen nur vier ständig im Haus. Die anderen würden ein Praktikum, oder, wie im ersten Jahr üblich, das Propädeutikum in Horn absolvieren.
Im Rückblick sei er aber für sehr vieles dankbar und zufrieden: "Es hat sich viel stabilisiert und normalisiert. Im Haus ist das Klima gesund, herzlich, es gibt viel Interesse und Unterstützung, quer durch die Diözese - da bin ich sehr dankbar. Mehr und mehr wird es wieder ein Haus für die Priester, also nicht nur Priesterausbildung, sondern ein Haus der Priester und für die Priester. Und auch das ist eine gute lange Tradition in unserer Diözese. Darüber hinaus wird es auch von Diakonen, Ordensfrauen, Pastoralassistenten und anderen kirchlichen Mitarbeitern jetzt gern besucht und genutzt."

O-Ton "Es hat sich viel stabilisiert und normalisiert"(mp2, 924Kb, 59s)


"Gott und den Auftrag für ein Engagement in der Welt entdecken"

"Kirche gibt es nicht ohne Gott. Was mir ein großes Anliegen ist: Wie können wir Menschen helfen, dass sie Gott in ihrem Leben entdecken", sagte Leichtfried. Außerdem gehe es darum, angesichts von Gewalt, Hass und Unfrieden auf der Welt den großen Auftrag der Kirche anzunehmen, die Leute für konkreten Einsatz, für konkrete Arbeit zu begeistern. Ein wichtiges Ziel wäre dabei die Stärkung der Familien: "Es gibt so viel Instabilität und so viele Persönlichkeiten aus instabilen Verhältnissen, dass wir alles dafür tun müssen."


"Große, elementare Dankbarkeit für das Leben"

Das Leben hängt an einem seidenen Faden - und es kommt von Gott. Diese Erfahrung hätte er vor acht Jahren machen dürfen, als ihm bei einer Reise durch die Wüste Nordafrikas ein Stück Fleisch in der Speiseröhre stecken geblieben war, erzählte Anton Leichtfried. Nach einem Riss der Speiseröhre drohte multiples Organversagen. Notoperation und 16 Tage künstlicher Tiefschlaf folgten. Nachdem die Ärzte seine Überlebenschancen als sehr schlecht eingeschätzt hätten, sei er heute sehr dankbar dafür, dass ihm Gott ein zweites Leben geschenkt habe: "Ich bin von Grund auf wieder aufgebaut worden. Was andere Menschen von selber und gleich lernen, hab´ ich in einem intensiven Nachhilfeunterricht lernen dürfen: Dass das Leben eigentlich immer an einem seidenen Faden hängt, dass ich es von Gott habe…so gilt für mich wie für jeden Menschen: So lange ich da bin, will das Gott, braucht mich Gott. Ich hab´ Nachhilfe bekommen. Das hat sicher bei mir eine große elementare Dankbarkeit hervorgerufen für das Leben.

O-Ton "Große elementare Dankbarkeit"(mp2, 987Kb, 63s)