In der CityFarm reifen auch Menschen

„Die CityFarm ist nicht nur für Pflanzen ein guter Boden, sondern auch für alle Menschen, die hier arbeiten“, sagte DI Franz Angerer, Obmann der Emmausgemeinschaft St. Pölten bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der CityFarm. Seit 1998 arbeiten psychisch erkrankte Menschen in der Garten- und Hauswirtschaft als Vorbereitung zum Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Das Jubiläum sei ein „Erntedankfest“ für die vielen guten Früchte, die die CityFarm hervorbringen konnte, erklärte Emmaus-Bereichsleiter DI Andreas Kvarda: „In den letzten zehn Jahren hat sich viel verändert – am Gelände, aber auch im Inneren aller Menschen, die hier gearbeitet haben.“ Der Pfarrer von St. Pölten-Wagram, Karl Permoser, und die evangelische Pfarrerin Baukje Leitner segneten in einer Feier Haus, Garten und alle Mitarbeiter der City Farm.

Arbeitstraining und Arbeitstherapie sind die zwei Säulen der CityFarm zur sozialen und beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker. Die Arbeit im Garten wird therapeutisch eingesetzt, wie Ergotherapeutin Gabriele Kellner erklärte. Sie fördert die Konzentrationsfähigkeit, innere Ruhe und hilft den eigenen Körper besser wahrzunehmen. Bis jetzt wurden 59 „Gäste“, wie die Klienten in der CityFarm genannt werden, in der Arbeitstherapie betreut. Die Krankenhausaufenthalte reduzierten sich um ein Drittel, bei Gästen mit Schizophrenie sogar um 50%. Stolze 40% konnte Emmaus in Zusammenarbeit mit dem AMS in ein fixes Arbeitsverhältnis vermitteln. Kellner: „In der CityFarm reifen nicht nur Kraut und Kürbisse, sondern auch Menschen.“

Die Gäste sind mit 30 Wochenstunden angestellt und arbeiten in den Bereichen der biologischen Gartenwirtschaft und in der Hauswirtschaft. „Wir haben zwei Jahre Zeit, mit ihnen zu arbeiten“, erklärte Dr. Monika Enigl, die das Arbeitstraining leitet. In dieser Zeit gelte es Vermittlungshemmnisse, wie etwa Unpünktlichkeit oder mangelnde Körperpflege, herauszufinden. Die Gäste übernehmen eigenständige Arbeitsbereiche, um Selbständigkeit zu trainieren. Neben fachlicher Kompetenz werden auch so genannte „soft skills“, soziale Kompetenzen, vermittelt, wie Enigl betonte. 31 Frauen und 71 Männer waren in den ersten 10 Jahren im Arbeitstraining der CityFarm. Die Vermittlungsquote lag bei 45 bis 55%: „Ein schöner Erfolg“, so Enigl.

Erfolge nachhaltiger Integration

Als „wichtigen Baustein“ für die Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen bezeichnete DAS Beatrice Büsel vom Bundessozialamt die Einrichtung der Emmausgemeinschaft. Für die erfolgreiche Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt sei eine Zusammenarbeit aller Beteiligten – Klienten, Betreuern, Wirtschaft und auch Forschung – notwendig. Das Entscheidende seien jedoch nicht „nackte Vermittlungszahlen, sondern die Nachhaltigkeit der Integration“, für die Emmaus stehe, wie Büsel betonte.

Als „langjährige Erfolgsgeschichte“ bezeichnete Klaudia Wrba vom AMS St. Pölten die Zusammenarbeit mit der Emmausgemeinschaft. Ein großer Teil der AMS-Kunden habe psychische Probleme und deswegen Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt, erklärte Wrba. Die CityFarm biete diesem Personenkreis „große Erfolgssausichten“. Durch das Arbeitstraining und die Arbeitstherapie im Garten seien Erfolge zu verzeichnen, „von denen wir am Anfang nicht zu träumen gewagt hätten“, so Wrba. Deswegen seien die Förderungen von 1 Million Euro jährlich für alle fünf Bereiche von Emmaus „erfolgreich und sinnvoll“ eingesetzt.

Auch Mag. Martin Wancata vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung hob hervor, dass die Förderungen des Landes beim „langjährigen und zuverlässigen Partner gut aufgehoben“ seien. Das Projekt der CityFarm bezeichnete Wancata als „Beispiel gebend“.

Foto: Obmann DI Franz Angerer, Mag. Martin Wancata, CityFarm-Leiter DI Andreas Kvarda, Klaudia Wrba (AMS), DSA Beatrice Büsel, Pfarrerin Baukje Leitner, Dr.DI Monika Enigl, Pfarrer Karl Permoser, Ergotherapeutin Gabriele Kellner, Psych. Konsulent Dr.Stefan Frühwald (v.l.n.r.)

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