Demenzkranke - Teil unserer Gesellschaft

"Oft sind es nur Kleinigkeiten, die das Leben schwer machen", berichtet Karin Brandstetter über ihren demenzkranken Vater beim Informationsabend des Katholischen Familienverbandes und der Caritas St. Pölten zu Demenzerkrankungen unter dem Thema "Alt, verwirrt - was nun?" im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Seit Jahren pflegen sie und ihre Angehörigen den kranken Vater zu Hause. "Die Pflege zu Hause ist ein Umstand, der dem Patienten sehr zugute kommt", meint die Leiterin der mobilen Hauskrankenpflege der Caritas der Diözese St. Pölten, DGKS Lea Hofer-Wecer. Bei dieser Krankheit sei es wichtig, dass betroffene Menschen so lange wie nur möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Vor allem, wenn es sich noch eine leichte bis mittlere Demenzerkrankung handelt. In schwereren Fällen sei dennoch eine Betreuung in einem Heim nötig. Sie empfiehlt den pflegenden Angehörigen, "sich ein Stück Fachwissen" anzueignen. Es gehe darum, diesen Menschen in seiner spezifischen Situation wertschätzend zu begegnen. Oft sehen sich Demenzkranke in einer längst vergangenen Zeit. Damit umzugehen sei die große Herausforderung für die Angehörigen. Und sie hat noch einen Tipp bereit: "Reden Sie mit dem Patienten, stellen Sie die W-Fragen: wer, was und wie. Aber fragen Sie nie: warum". Wichtig sei es, die Biografie des Erkrankten zu kennen, Bescheid zu wissen und alles zu versuchen, ihm alte Gewohnheiten zu belassen.


Integration statt Abschottung


Auch die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester Eva Kürzl von der Pflegedienstaufsicht des Landes NÖ unterstreicht dieses Anliegen. Das Konzept des Landes sehe vor, Demenzkranke soweit als möglich in die Gesellschaft zu integrieren. "Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft", unterstreicht Kürzl und weist auf die "vielen kleinen Projekte" in der Betreuung und Begleitung dieser Menschen hin. Etwa das Projekt "Stuben" in St. Peter/Au, wo Demenzkranke in kleinen überschaubaren Gemeinschaften leben, betreut und durch eine sinnvolle Tätigkeit beschäftigt werden.
"Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft, in der Professionisten und Angehörige gemeinsam mithelfen sollen, dass das Leben für alle lebenswert ist", unterstreicht auch Dr. Josef Grubner, Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes, der diese Herausforderung durch altersverwirrte Menschen auch in der kommenden Arbeit des Verbandes zum Thema machen möchte.


Frühdiagnose hilft


Den fachlich-medizinischen Hintergrund dieser Erkrankung erläuterte Dr. Gerald Gatterer vom Gereatriezentrum "Am Wienerwald". Es handle sich bei Demenz um eine altersspezifische Erkrankung, die sich in Gedächtnisstörungen sowie in Störungen im kognitiven Bereich bis hin zu Verhaltensstörungen zeige. Seien zu Beginn noch die Stimmungen und das Gedächtnis betroffen, so werden sich diese Störungen im weiteren Verlauf der Krankheit bis hin zur Motorik auswirken. Hilfreich dagegen sei eine möglichst frühe Diagnose und eine möglichst früh beginnende Therapie. Diese reiche bei beginnenden Demenzerkrankungen von der gesunden Ernährung über aktives, produktives Leben wie Joggen und spazieren gehen bis hin zu medikamentösen Behandlungen. Dadurch könne keine Heilung, aber doch eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes und damit eine höhere Lebensqualität bewirkt werden, weist Gatterer hin. "Ich habe keine Angst vor Demenz", meint DGKS Lea Hofer-Wecer abschließend. "Ich habe aber Angst, von Menschen betreut zu werden, die damit nicht umgehen können".