Das Schweigen brechen

"Die Kirche hat eine Verantwortung, über sexuellen Missbrauch zu sprechen", das sagte der evangelische Pastor Teo van der Weele am Montagabend bei einem Seminar im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt. Für jene, die vom Missbrauch betroffen wären könne der Friede Gottes eine große Hilfe sein. Teo van der Weele ist seit rund 30 Jahren in der Seelsorge tätig. Als Missionar in Thailand (1963-75) sammelte er Erfahrung im Umgang mit "Überlebenden von sexuellem Missbrauch" (Zitat van der Weele). Dabei sah er als Ergänzung zu seiner theologischen Ausbildung die Notwendigkeit, auch eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu absolvieren: "Ich habe mein Wirken als Theologe begonnen. Viele Fragen wurden an mich gestellt und ich wusste nicht, was ich antworten sollte. So habe ich mich auch zum Psychotherapeuten ausbilden lassen."

Mit über 1.000 Menschen, 200 davon Männer, habe er bereits gearbeitet. Sehr viele Leute, wären - großteils schon als Kinder - missbraucht worden, sagte van der Weele. In seiner Heimat Holland etwa jede(r) Zehnte. Darüber zu sprechen sei nicht leicht, denn die Schande wäre zu groß.

"Leute, die vergewaltigt werden, können nicht mehr vergessen", sagte van der Weele. Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass sich Kinder, deren Eltern einen Missbrach zugegeben hatten, zu einem großen Prozentsatz nicht erinnern konnten. "Aber ihr Körper hat es nicht vergessen", so der Theologe. An Justizsystemen kritisierte er, dass zu wenig für die Opfer getan werde.

Eine Hilfe für solche Menschen wäre der Friede Gottes. Diesen Frieden könne man mit jedem teilen der ihn braucht, indem man ihn segnet. - "Der Friede Gottes ist er - Jesus Christus", sagte van der Weele. "Wenn der Priester jemanden segnet, dann teilt er Jesus mit uns."

Teo van der Weele ist auf Einladung der Emmausgemeinschaft nach St. Pölten gekommen, von der auch die Seminarveranstaltung zusammen mit Hippolythaus, Katholischen Bildungswerk und Charismatischer Erneuerung St. Pölten veranstaltet wurde.