Christen sollen sich in Gesellschaft und Politik zu Wort melden

Es ist „dringend notwendig“, dass sich Christen in Gesellschaft und Politik zu Wort melden „und Sauerteig sind in allen Wirklichkeiten des menschlichen Lebens“: Dies betonte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Mittwochabend beim Gemeinschaftsgottesdienst der österreichischen Bischöfe in der Pfarrkirche Großrußbach. Die Bischöfe hatten sich unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im Bildungshaus Schloss Großrußbach im Weinviertel zu ihrer Herbstkonferenz versammelt. An der Festmesse, die zugleich auch dem 55-Jahr-Jubiläum des Bildungshauses Großrußbach galt, nahm auch der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll teil.
Bischof Küng erinnerte in seiner Predigt daran, was passiert, „wenn die Menschen aufhören zu beten und die Gebote Gottes nicht mehr beachten“: „Dann zerbrechen die Familien, alle leiden Schaden, der Gesellschaft werden tiefe Wunden zugefügt“. Jeder müsse sich heute die Frage stellen, was er tue, damit sich die Menschen seiner Umgebung „nicht von manchen Trends erfassen lassen, die von Gott wegführen und mit einem echten Christsein nicht vereinbar sind“. Als Beispiele nannte Bischof Küng „Gewalt und Pornografie“ in Internet und Fernsehen.

Jesus nenne als „logische Konsequenz“ der Sorge um das ewige Leben, das eigentliche Ziel des Menschseins, die Loslösung vom Materiellen. Ganz im Gegensatz dazu stünden für viele Menschen heute Wohlstand und Lebensqualität, Gesundheit und Erfolg im Vordergrund, erinnerte der St. Pöltner Bischof. Für Gott finde sich „wenn überhaupt“ höchstens ein „Platz am Rande“. Wenn man Zeit habe, komme man zum Gottesdienst, wenn Geld übrig bleibe, sei man bereit zu helfen, wenn es leicht geht, beteilige man sich an Aktionen. Dem stehe der Aufruf des kirchlichen Gebets gegenüber: „Mach uns hellhörig für unseren Auftrag in dieser Zeit und gib uns Kraft, ihn zu erfüllen“.

Bischof Küng legte auch klar dar, dass es in Hinkunft vielleicht nicht möglich sein wird, „in jeder Kirche an jedem Sonntag eine Eucharistiefeier zu haben“. Er habe oft den Eindruck, dass alle wollen, es sollte so „weitergehen wie bisher“. Aber die Lebensverhältnisse hätten sich geändert, auch die kirchliche Situation sei eine andere geworden. Wörtlich sagte der St. Pöltner Bischof: „Es mag sein, dass nicht alles so wie bisher weitergehen kann“. Klar sei aber, dass es auch in Zukunft „Orte des Glaubens“ geben muss, „die anziehen, die helfen, Heimat und Halt zu finden, Hilfe bei Gott“. Klar sei auch, dass jeder, der wirklich Christ sein will, „initiativ, aktiv und kreativ sein“ müsse. Nur gelegentlich bei einer „frommen Veranstaltung“ dabei zu sein, sei zu wenig.
(KAP)

Die Predigt im Wortlaut

Foto: goestl.globl.net