Caritas plant neues Mutter-Kind-Wohnhaus in St. Pölten

Knapp 2,4 Mio. Euro Spenden konnte die Caritas der Diözese St. Pölten 2004 den verschiedensten Hilfsprojekten zuführen. Wie Caritasdirektor Friedrich Schuhböck bei einer Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag mitteilte, wird ein großer Teil dieser Zuwendungen durch die jährliche Caritas-Haussammlung aufgebracht. Auch in den kommenden beiden Monaten wird wieder gesammelt: Heuer speziell für ein neues Mutter-Kind-Wohnhaus in St. Pölten. Schuhböck bedankte sich bei allen Spendern, aber auch bei den Kirchenbeitragszahlern, die wesentlich zur Finanzierung der verschiedensten Hilfsprojekte der Caritas der Diözese beitragen würden. Auf Unterstützung von allen Seiten ist man auch weiterhin angewiesen:


Eine der insgesamt 102 Einrichtungen und Anlaufstellen ist das Mutter-Kind-Heim St. Pölten am Mühlweg. Jungen Frauen und Müttern wird hier ein vorübergehendes Zuhause geboten, weil sie nicht über genug Wohnraum verfügen, ungewollt schwanger geworden, oder finanziell nicht abgesichert sind. „Geborgenheit und Gemeinschaft sollen dem Kind einen guten Start ins Leben ermöglichen“, erklärte Hausleiterin Irene Schogger bei der Pressekonferenz am Donnerstag.


Allerdings platzt das Haus seit Jahren aus allen Nähten. Noch im Herbst dieses Jahres soll deshalb mit der Neugestaltung eines Gebäudes in der Matthias-Corvinusstraße begonnen werden: Mit Wohnraum für elf Mütter mit ihren Kindern und die vier hauptamtlichen und 15 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die regelmäßig Dienst versehen. Veranschlagte Kosten für die Realisierung: 1,09 Mio. Euro. Ende 2006 will man einziehen.


Die Finanzierung des Mutter-Kind-Hauses ist eine von vielen Herausforderungen für das Jahr 2005. Den Pflegebereich, die Akuthilfe in Armutssituationen und die Förderung von sozialem Engagement Jugendlicher sieht St. Pöltens Caritasdirektor Friedrich Schuhböck als Schwerpunkte im laufenden Arbeitsjahr.


„steigender Pflegebedarf“


Der Pflegebedarf werde steigen, vor allem im Bereich der Alterserscheinungen wie Demenz und Alzheimer, prognostizierte Schuhböck. In diesem Zusammenhang wäre vor allem die Politik gefordert, sich über die Art der Gesamtfinanzierung Gedanken zu machen:


Beim Pflegegeld forderte Schuhböck eine jährliche Valorisierung, sowie eine Beschleunigung und Präzisierung des Einstufungsverfahrens. Der Pflegebedarf bei Demenz und Alzheimer müsse klar anerkannt werden. Handlungsbedarf sah der St. Pöltner Caritasdirektor bei der Imageverbesserung und der Erstellung von Berufsbildern in den Bereichen Pflege und Betreuung.


Verstärkte Ausbildungsangebote für pflegende Angehörige und Ehrenamtliche wären ebenso wichtig, wie eine Verbesserung des Schnittstellenmanagements in der Pflegevorsorge. So solle bereits bei einer Entlassung aus dem Krankenhaus eine etwaige Pflegebedürftigkeit abgeklärt werden.


„mehr Armut“


Thema für 2005 ist auch die Armutsbekämpfung. Wie Schuhböck berichtete, hätten 2004 um 15 Prozent mehr Menschen in Armutssituationen die Hilfe der Caritas in Anspruch genommen. „Obwohl Österreich reich ist und immer reicher wird, geht die Schere, zwischen Arm und Reich auseinander.“ Ziel der SOS-Hilfe der Caritas wäre es, den Menschen zu helfen, dass sie „wieder auf eigenen Beinen stehen“ könnten.


Jugendliche für soziale Anliegen gewinnen


Besonderes Augenmerk soll 2005 den Jugendlichen gelten: „Viele haben keinen Zugang zum Sozialen und zur Not. Die wollen wir ansprechen“, so Caritasdirektor Schuhböck. Mit Aktionen wie „72 Stunden ohne Kompromiss“, wo zur Mitarbeit in sozialen Einrichtungen eingeladen wird, oder einem „social workcamp“ in Albanien, wo Jugendliche die Gelegenheit haben, Gleichaltrige aus dem Armenhaus Europas kennen zu lernen, will man auf junge Menschen zugehen.