Bürgerspitalkirche wird ökumenisch genutzt

Mit einem ökumenischen Gottesdienst unter reger Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreicher Gäste aus Kirche und Politik wurde die ehemalige Bürgerspitalkirche in Waidhofen/Ybbs nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet. Die Kirche wird künftig von katholischer und evangelischer Gemeinde gemeinsam genutzt. Dies wurde auch in einem Übereinkommen vertraglich festgelegt. Es war ein Freudentag und ein großes Fest für die 365-Seelen zählende evangelische Gemeinde Waidhofen/Ybbs. Nun kann sie die ehemalige Bürgerspitalskirche auch als "ihre Kirche" für gottesdienstliche Feiern nutzen. Was bisher an besonderen Festtagen zwar schon geschehen ist, ist nun in einem vertraglichen Übereinkommen zwischen Diözese St. Pölten und evangelischer Kirche Niederösterreich festgelegt worden. Dies können auch Anlass sein, dass die bisher alle 14 Tage stattfindenden Gottesdienste intensiviert werden könnten, meint der Superintendent von Niederösterreich, Mag. Paul Weiland in einem Gespräch. Die evangelische Pfarrgemeinde Waidhofen/Ybbs ist eine Predigtstation der evangelischen Pfarre Amstetten und wird auch von dort aus betreut.


Zahlreiche Gäste


Für die zahlreichen Gäste und Ehrengäste, die trotz Regen gekommen waren, war die Kirche selbst zu klein, sodass die gesamte ökumenische Feier in ein Festzelt auf dem Platz vor der Kirche übertragen werden musste. Neben Landshauptmann Dr. Erwin Pröll konnte Bürgermeister Mag. Wolfgang Mair auch politische Vertreter von Bundes- und Landesebene begrüßen.
Den Gottesdienst feierten Diözesanbischof DDr. Klaus Küng, der evangelische Bischof Mag. Herwig Sturm, der nö. Superintendent Mag. Paul Weiland sowie der syrisch-orthodoxe Bischof Dr. Emanuel Aydin. Neben Stadtpfarrer und Dechant Mag. Herbert Döller sowie dem evangelischen Pfarrer Mag. Siegfried Kolck-Thudt feierten weitere Priester und Pastoren den Gottesdienst mit.


Einmalig und einzigartig in Österreich


Schon in seinen Einleitungsworten wies Stadtpfarrer Mag. Herbert Döller darauf hin, dass die bisher praktizierte ökumenische Gastfreundschaft nun künftig "feste Regel" werden soll. Auch Superintendent Mag. Paul Weiland sieht darin einen "zukunftsweisenden Tag", weil er die Geschichte weder verdränge noch aufrechne, sondern "aufnimmt und positiv bewältigt". Dieser Schritt sei ein Zeichen des guten Miteinander von katholischer und evangelischer Kirche im Lande, sagte er. Diese Form der Verbindlichkeit sei "einmalig und einzigartig in Österreich".
Der evangelische Bischof Mag. Herwig Sturm drückte in seiner Predigt die Hoffnung aus, dass dieses Gotteshaus die Menschen sammle und stärke, damit sie in dieser Welt als Zeugen des Friedens und Boten von Ostern leben.


Das Gemeinsame suchen und pflegen


Diözesanbischof DDr. Klaus Küng unterstrich, dass es gerade in der heutigen materialistischen Zeit notwendig sei, dass die Christen zusammenrücken. Christen, auch wenn sie verschiedener Bekenntnisse sind, sollen sich nicht nur mit gegenseitiger Hochachtung begegnen, sondern einander beistehen und das Gemeinsame suchen und pflegen. Das Ziel jeder Ökumene sei letztlich die Einheit in der Wahrheit, sagte der Bischof. Dazu brauche es beharrliches Bemühen und Respekt vor den Unterschieden. In Hinblick auf die Eucharistie sei es sehr schmerzlich, so Bischof Küng, dass eine gemeinsame Feier noch nicht möglich sei, weil die Auffassungen in wesentlichen Punkten noch zu verschieden seien. Er rief auf, diese angestrebte Einheit weiterhin mit Geduld und Liebe zu suchen.


Fester Anker in stürmischer Zeit


Für Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll ist diese Wiedereröffnung der Kirche ein historischer Tag, der in die Geschichte der Stadt eingehen werde. Diese Kirche könne gerade heute und in der kommenden Zeit "so etwas sein wie ein fester Anker in einer äußerst stürmischen Zeit sein", sagte er. Drei Überlegungen und Anregungen könnten von diesem Ereignis ausgehen. Wir können mit Dankbarkeit zurückblicken auf dieses Erbe der Geschichte und wir sollten über jene tieferen Werte nachdenken, an die sich auch heute noch die Menschen halten und orientieren können. Weiters haben die Kirchen an diesem Tag ein großartiges Beispiel für das Miteinander gegeben.
In einer Zeit, in der viele Menschen "nicht mehr miteinander, sondern nur mehr nebeneinander leben", in der Menschen mehr mit Technik als mit Menschen kommunizieren, sei dies fast eine Sensation, sagte Pröll. Er äußerte abschließend den Wunsch, dass viele Generationen den Geist dieser Stunde spüren können und ihn auch leben.


Renovierung


Die Renovierungarbeiten an der Kirche konnten innerhalb von nur sechs Monaten abgeschlossen werden. Neben der Außenfassade wurden die Fenster vollständig saniert und im Innenraum die Wandfresken renoviert, die Bestuhlung überarbeitet und eine Sitzheizung installiert. Zudem mussten die Elektroinstallationen neu verlegt und Beleuchtungskörper zeitgemäß adaptiert werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 470.000.- Euro, die von der Stiftung Bürgerspital, Bund, Land, Gemeinde und der evangelischen sowie der katholischen Kirche aufgebracht wurden.