Brief an das Europäische Patentamt

Schreiben von Bischof DDr. Klaus Küng an das Europäische Patentamt, Große Beschwerdekammer, in München, betreffend der Patentierung embryonaler Stammzellen.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mir liegt die Information vor, dass das Europäische Patentamt in den nächsten Wochen über eine Patentanmeldung auf Stammzellen (EP 0770125) zu entscheiden hat. Es handelt sich um Stammzellen, die zu kommerziellen Zwecken aus menschlichen Embryonen entnommen werden.

Die Patentierung menschlicher embryonaler Stammzellen verstößt gegen elementare und grundlegende ethische Normen allgemeiner Gültigkeit und steht zum Patentierungs- und Verwertungsverbot menschlichen Lebens, menschlicher Keimzellen und Embryonen im Widerspruch.

Als der in der Österreichischen Bischofskonferenz für bioethische Fragen zuständige Bischof ersuche ich Sie eindringlich, in Ihrer Entscheidung klarzustellen, dass auf menschliche Embryonen und Keimzellen sowie auf daraus gewonnene Stammzellen keine Patente erteilt werden können. Es ist von größter Bedeutung, diesbezüglich klare Grenzen zu ziehen. Weder Forschungsinteressen noch wirtschaftliche Vorteile dürfen über die Würde des menschlichen Lebens gestellt werden. Anderenfalls würden wir Gefahr laufen, in Haltungen zurückzufallen, die wir längst überwunden meinten. Gott bewahre uns davor.