Bischofssynode: Interview mit Radio Vatikan

In einem Interview mit „Radio Vatikan“ erläuterte Weihbischof Leichtfried seine Kritik an der Lebensferne vieler Predigten. So mache er selbst derzeit drei Gefahren aus, die ein Prediger vermeiden müsse: Zum einen dürfe eine Predigt nicht „zur bloßen Nacherzählung“ eines biblischen Textes erstarren; zum zweiten müsse vermieden werden, dass eine Predigt „sich in der Nacherzählung des Alltags“ erschöpfe, „ohne das Licht des Evangeliums“ sichtbar zu machen. Zum dritten drohe eine Predigt zur „Pseudoliteratur“ zu werden, wo sie einzig einem Predigt-Behelf entnommen ist und „ohne persönliches Glaubenszeugnis“ des Predigers bleibe.

Darüber hinaus berichtete Weihbischof Leichtfried auch von seinen Erfahrungen aus der ersten Woche bei der Bischofssynode. Derzeit seien die „großen inhaltlichen Linien“ der Synode noch überlagert von der „Buntheit und Vielfalt der einzelnen Beiträge“, so Leichtfried.
Der Bischof warnte davor, die Grundthematik der Synode auf das in der Bibel niedergeschriebene Wort Gottes zu begrenzen. Das biblische Zeugnis stelle freilich die wichtigsten Glaubenserfahrungen und -zeugnisse des Gottesvolkes und den Glauben der Kirche dar. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass man überhört, „dass Gott auch heute jeden Tag versucht, mit uns Menschen Kontakt aufzunehmen, zu uns zu sprechen“, so der Bischof.

Zur Frage der wissenschaftlichen Methoden im Umgang mit der Heiligen Schrift macht Bischof Leichtfried eine „Pendelbewegung“ aus. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich in der Exegese insbesondere die historisch-kritische Methode etabliert und entwickelt. Dies habe jedoch dazu geführt, dass andere Formen der Schriftauslegung, etwa die geistliche oder die kanonische Exegese, vernachlässigt wurden. Derzeit schlage das Pendel – angestoßen nicht zuletzt durch das Jesus-Buch Papst Benedikts XVI. – in eine alternative Richtung aus.

Leichtfried betonte, dass für ihn die bunte Vielfalt der Zeugnisse der Bischöfe aus aller Welt besonders beeindruckend sei. Gerade im Blick auf deren Umgang mit der Heiligen Schrift etwa in Situationen der Unterdrückung könne man in Europa vieles lernen. Eindrucksvoll sei, wie sehr die Bibel ein „gemeinsames Buch aller Christen“ darstelle. Dies hätten ihm vor allem die Gespräche mit Vertretern der Ökumene gezeigt. Zweitens habe gerade das Zeugnis der Bischöfe aus diktatorisch regierten Ländern deutlich werden lassen, dass „die Bibel ein gefährliches Buch ist“, insofern es „die Mächtigen fürchten und die Lektüre untersagen“.

Gerade das auch politisch umwälzende Potenzial der Bibel werde in Europa oftmals unterschlagen oder nicht gesehen, so Leichtfried. Weiters zeige das Zeugnis der Bischöfe insbesondere aus den Ländern des „Südens“, dass die Bibel ein „Buch der Armen“ ist, die oft nicht einmal in der Lage sind, sich eine eigene Bibel zu leisten. Diese Situation werde in Afrika und Lateinamerika oftmals von sektiererischen Gruppierungen ausgenutzt, indem etwa aus dem Ausland finanzierte Gratis-Verteilaktionen von Bibeln dazu genutzt werden, „um Menschen zu ködern“, so Leichtfried.
(Kathpress)