Bischofskonferenz tagt im Kultursalon

Vom 4. bis 10. November besucht die Österreichische Bischofskonferenz das Heilige Land und wird in Nazareth sowie in Jerusalem ihre Herbstsession abhalten. In Jerusalem tagen die Erzbischöfe und Bischöfe im Österreichischen Hospiz zur Heiligen Familie, das im arabischen Viertel der Altstadt an der Via Dolorosa liegt. Für die Sitzungen der Bischofskonferenz wird der Empfangssalon des Hospizes mit Konferenzmöbeln ausgestattet.

Der Saal ist mit orientalischen Ornamenten und biblischen Motiven im Stil des Klassizismus ausgemalt und dient dem Hospiz als multikultureller Veranstaltungsraum. Die österreichischen Meister F. Eichele und J. Kaltenbach schufen das prunkvolle Dekor der Seitenwände. Die Decke zieren vier biblische Szenen eines unbekannten Wanderkünstlers. Seit den Tagen seiner Gründung versteht sich das Österreichische Hospiz als Kulturträger Österreichs im Orient. Österreichische Kunst und Kultur werden in Form von Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen dem interessierten Gast und Einheimischen näher gebracht. Aber auch Künstlerinnen und Künstler aus Israel, den palästinensischen Gebieten und aus der ganzen Welt treten hier auf und tragen so zur friedlichen Verständigung der Religionen und Völker bei.

Gegründet im Jahr 1857, wurde das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie am 19. März 1863 feierlich eröffnet. Es ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land und gehört bis heute zu den traditionsreichsten Institutionen im Vorderen Orient. 1869 diente es Kaiser Franz Joseph bei seinem Besuch als Aufenthaltsort und wurde zu einem Symbol österreichischer Präsenz in Jerusalem, das die Bedeutung der österreichisch-ungarischen Monarchie als katholische Großmacht manifestieren sollte. Der österreichische Kaiser führte sogar den protokollarischen Titel eines "Königs von Jerusalem". Bis zum Jahr 1918 diente das Hospiz auch als Residenz des österreichischen Konsuls in Jerusalem, der eine Schutzfunktion für Katholiken und askenasische (aus Europa eingewanderte) Juden wahrnahm.

Der rege Pilgerbetrieb, den das Haus bis zum Jahr 1914 verzeichnete, fand mit dem Kriegsausbruch ein jähes Ende. Nach dem ersten Weltkrieg begann das Pilgertum wieder stetig zuzunehmen und erlangte einen Höhepunkt, als der Leiter des Hauses, Rektor Dr. Franz Fellinger, zum Generalvikar und Weihbischof des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem ernannt wurde.

Im Jahr 1939 wurde das Hospiz von den Briten als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt. Als die Briten 1948 Palästina verließen, empfahlen sie der jordanischen Armee, dort ein Lazarett einzurichten. Später wurde es von der jordanischen Regierung in ein Spital umgewandelt. Erst im 1985 wurde das Spital aus sanitären Gründen geschlossen an seinen österreichischen Eigentümer zurückgegeben. Nach einer vollständigen Renovierung wurde das Hospiz 1988 als Pilgerhaus wiedereröffnet und ist seither für viele Pilger der Ausgangspunkt für ihre Reise durch das Heilige Land.