Bischof Küng ruft die Gläubigen zur Mitarbeit auf

"Nicht im Streit miteinander leben, sondern sich der dringenden Aufgabe der Aussaat des Gotteswortes mit allen Kräften zuzuwenden" ist das Programm, das der neue Diözesanbischof von St. Pölten, DDr. Klaus Küng bei seiner Amtsübernahme am 28. November, dem ersten Adventsonntag, den Gläubigen verkündete. Es sei ein "anspruchsvolles Programm" für alle Beteiligten und eine große Herausforderung, sagte der Bischof in seiner Predigt und bat alle, "dieses Programm mitzutragen". Wenn es gelinge, dass alle mittun, könne es ein fruchtbarer Advent und eine Wegbereitung "für das Wirken des Herrn in unseren Herzen und in den Herzen vieler Menschen" werden, betonte der Bischof.

In vielen Ländern Europas habe sich bei einem großen teil der Bevölkerung die Glaubenspraxis gelockert. Wo aber der Glaube nachlasse, treten "Zeichen der Unerlöstheit" in Erscheinung, wies Bischof Küng hin. Obwohl die Menschen materiell alles hätten, nehmen die Lebenskrisen zu, Familien zerbrechen trotz Beratung und Beistand. Dies seien Folgen "unglücklicher Lebensweisen", sagte er. Zugleich aber regen sich in den Herzen der Menschen Sehnsüchte nach dem Religiösen, nach Gott. Das sei die Chance zur Wende, betonte Küng. Christus müsse wieder mehr in der Kirche, im Wort Gottes, in den Sakramenten aufgezeigt und vorgelebt werden. Das seien die Voraussetzungen, ihm wirklich zu begegnen. Advent sei "die Zeit sehnsüchtiger Ausschau, Zeit der Hoffnung auf das Kommen des Herrn", sagte Bischof Küng.

In der Kirche sei ein Nachdenkprozess in Gang gekommen, führte der Bischof aus. Viele merken es bereits: Aktionen allein helfen nicht weiter, sagte er. Es sei notwendig, inne zu halten, zu beten, das Wesentliche zu suchen und wieder mehr auf Gott hinzuhören. Das könne wieder einen neuen Aufbruch bewirken, sagte Bischof Küng.

In Bezug auf die "vielen Kirchenskandale, die das Vertrauen der Gläubigen erschüttert haben", erklärte der Bischof, dass nur ein Weg aus der Krise herausführt: Dies sei der Weg der Wahrheit, "auch im Sinne der Aufrichtigkeit sich selber und anderen gegenüber". Allen, auch den Beschuldigten, müsse Gerechtigkeit zuteil werde, wozu auch Barmherzigkeit gehöre. "Die Möglichkeit zu Umkehr, Bewährung und Neuanfang sind Wesensbestandteile einer christlichen Betrachtungsweise des Lebens", unterstrich der Bischof.

Bischof Küng dankte auch allen, "die sich in der Vergangenheit bemüht haben" und auf deren Arbeit man nun aufbauen könne sowie "allen, die zum Mittun bereit sind". Abschließend sprach er die Hoffnung aus, dass es trotz aller persönlichen Schwächen und Versagen möglich sei, "die Sendung der Kirche in unserer Zeit zu verwirklichen, dem Adventus Domini (der Ankunft des Herrn) den Weg zu bereiten".

Predigt im Wortlaut

Schon vor dem Dompaortal begrüßte Dompropst Weihbischof Dr. Heinrich Fasching den neuen Bischof mit den Worten "Porta patet, corda magis" - das Tor zum Dom und die herzen der Gläubigen stehen Dir offen.